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Crêtes des Vosges – 17. Etappe

25 September 2012 Kein Kommentar

In der Nacht hat es nur einmal geregnet, aber durchgehend! Und eigentlich ist das auch kräftig untertrieben, denn es hat derart geschüttet, dass ich immer wieder mal kurz mit der Stirnlampe überprüft habe, ob auch wirklich noch alles „dicht“ ist!
Nun, eigentlich sollte man gar nicht glauben, wieviel Wasser von so wenig Zeltstoff abgehalten werden kann..!

Wie immer haben wir den Wecker des Garmin auf 7.00 Uhr gestellt, aber während der Nacht kommen mir am Aufstehen langsam Zweifel.
Wenn es morgen früh immer noch genauso heftig schüttet, dann drehe ich mich wieder rum und schlafe einfach weiter..!„, raune ich Claudia irgendwann zu.

Dann ist der Spuck aber wohl doch irgendwann vorbei und als ich um Sieben einen vorsichtigen Blick aus dem Zelt riskiere, sehe ich sogar schon wieder etwas blauen Himmel. Eigentlich kaum zu glauben..!

Frisch motiviert „werfe“ ich darauf hin die Küche an und bereite uns ein tolles Frühstück: Es gibt heißen Pulverkaffee und frisches Brot mit Philadelphia-Käse.
Als ich fertig bin, richtet sich Claudia im Schlafsack auf und lächelt.
„Dafür möchte ich nun kein Hotel der Welt eintauschen..!“ sagt sie leise, und eigentlich mehr zu sich selbst.

Und ich muss ihr irgendwie Recht geben. Diese Stimmung, so früh morgens im Wald, das ist eigentlich kaum zu beschreiben. Unzählige Vögel sorgen draußen für ein unglaubliches Konzert.
Ich richte uns auch noch drei Flaschen Tee für unterwegs, dann packen wir zusammen und brechen auf. Und auch heute bleibt am Zeltplatz von uns wieder nichts zurück, außer einem Fleckchen trockenes, niedergedrücktes Gras.

Heute wollen wir ein Stück über Thann hinaus wandern und eigentlich in einer kleinen Abri schlafen. Aber abwarten: Daß in der Karte des Club Vosgien eine solche verzeichnet ist, bedeutet noch lange nicht, dass man sie auch benutzen kann! Oft sind sie (gerade in der Nähe von Straßen!) einfach zu schmutzig. Dann ist es wirklich hygienischer, das Zelt aufzuschlagen.

Als wir losziehen, kommt auch schon pünktlich die Sonne heraus und gewährt uns einen herrlichen Blick über das vor uns liegende Thurtal hinweg, bis hinüber zum Ballon d’Alsace. Eine nahezu unbeschreibliche Stimmung. Irgendwo dort hinten werden wir übermorgen unsere Vogesen-Tour beenden.

Der Himmel wird nun zusehens blauer und so verspricht sogar der ursprünglich für heute angekündigte Regentag, ein toller Wandertag zu werden.
Unter diesen Umständen könnte es von mir aus ruhig jede Nacht schütten..!„, schmunzelt Claudia dazu irgendwann neben mir. Und ich pflichte ihr natürlich bei: Sollten wir den einzigen Regentag, unserer viertägigen Tour, gegen eine Regennacht eingetauscht haben, dann wäre das natürlich klasse! Und das ganz zwangsläufig noch nass eingepackte Zelt, kann schließlich auch zu Hause wieder durchtrocknen.

Heute sind wir auf ausgesprochen schmalen Waldpfaden unterwegs, die aufgrund des nächtlichen Regen etwas zusätzliche Vorsicht gebieten. An einer Abzweigung haben wir dann zwei Möglichkeiten, da die Wege kurz darauf wieder zusammenlaufen werden, und ich entscheide mich (leider) für den Schlechteren: Im Stil eines Wildwechsels führt er erst einige Meter steil hinauf, um dann anschließend wieder genauso steil zum unteren Pfad zurück zu kehren. Was für ein Blödsinn (mit den großen Rucksäcken)!

Kurz darauf erreichen wir die Straße und stehen dort bereits vor unserem nächsten Problem: Der weiterführende Weg ist nämlich wegen Baumfäll-Arbeiten gesperrt. Unübersehbar ist ein großes Plakat über den Weg gespannt, das ein Weitergehen verbietet!
Ich hasse das! Nicht, dass ich mich nicht daran halten könnte, aber wenn man einen GPS-Track für einen Bericht aufzeichnet, dann möchte man ja schließlich keine „Umleitung“ aufzeichnen, sondern den richtigen Weg! Kurzentschlossen gehe ich daher weiter, in der Hoffnung, irgendwann vielleicht auf freundliche Waldarbeiter zu stoßen, denen ich mein Problem erklären könnte.
Immer wieder hören wir nun aber fallende Bäume in den Wald brechen und haben eigentlich gar kein gutes Gefühl. Dann herrscht aber plötzlich absolute Ruhe! Wir hören jetzt überhaupt keine Motorsägen mehr und das kann eigentlich nur eines bedeuten: Die Waldarbeiter machen Vesper-Pause! Das nutzen wir natürlich aus und huschen schnellstmöglich durch den potentiellen Gefahrenbereich. Bald erreichen wir dann das Warn-Schild auf der anderen Seite, und wissen uns so wieder „draußen“..!

Nun nähern wir uns dem Hartmannswillerkopf mit dem nationalen Soldatenfriedhof. Hier ruhen 30.000(!) Gefallene aus dem ersten Weltkrieg. Ein beklemmender Platz, und da gerade umfangreiche Renovierungsarbeiten stattfinden, ziehen wir auch direkt weiter.
Noch einmal geht es dann aber steil hinauf, zum Molkenrain. Unterwegs passieren wir die Ferme Auberge Freundstein, von der aus ein unglaublich steiler Wiesenpfad zum recht unscheinbaren Gipfel hinauf führt. Oben angekommen brennen unsere Oberschenkel dann aber einmal mehr wie Feuer, und ich muss mich auch erst einmal hinsetzen!

Auf dem Boden (Gras) sitzend, angle ich mir die Canon und fotografiere Claudia, die mir mit etwas Abstand folgt. Auch sie bleibt nun immer wieder stehen: Zum Verschnaufen, aber auch oft nur, um das tolle Panorama auf sich wirken zu lassen. Von hier aus sehen wir nämlich wieder weit in die Rheinebene hinein, bis hinüber, zum Schwarzwald. Und das hat natürlich eine ganz besondere Bedeutung für uns: Sonst sehen wir zu Hause die Vogesen nämlich immer genau so, wie wir von hier aus nun den Schwarzwald sehen!

Dann beginnt der lange Abstieg, hinunter nach Thann. Fast 750 steile Höhenmeter müssen wir nun abbauen, bis wir endlich unten im Thurtal stehen werden! (Siehe Höhendiagramm!) In der Münsterstadt werden wir aber eine ausgedehnte Pause machen und auch unsere Wasservorräte ergänzen, bevor es dann auf der anderen Talseite fast wieder 300 Höhenmeter hinaufgehen wird, bis zu unserem geplanten Tagesziel, einer in der Karte verzeichneten Abri.

Bergaufgehen mit den schweren Rucksäcken ist anstrengend. Aber überhaupt nichts im Vergleich mit einem langen, steilen Abstieg. Nun schieben einen die Rucksäcke nämlich richtiggehend den Berg hinunter und jeder Schritt muss dann mit viel Kraft gebremst werden. Das gibt zwar wieder eine tolle Oberschenkelmuskulatur, aber zuvor natürlich auch erst einmal einen tierischen Muskelkater..!

Inzwischen färben sich auch die Blätter an den Bäumen schon deutlich gelb. Der Herbst hält in den Südvogesen Einzug und überall liegen bereits „Kästen“ im Laub. Kästen, das sind Esskastanien (Maronen), für die das Elsass ja berühmt ist. Und auch für die vielen Wildschweine, die diese natürlich ebenfalls lieben!

Irgendwann erreichen wir dann endlich Thann und suchen uns dort – ziemlich k.o. – einen Platz zur Erholung.
In einem kleinen Café, unmittelbar neben dem Bett der Thur finden wir ihn und gönnen uns dort ein großes Apfelschorle.
Claudia hat leider Pech, denn heute gibt es keinen Heidelbeerkuchen. Aber er fehlt ihr wohl auch nicht wirklich. Flüssigkeit ist im Augenblick nämlich viel wichtiger!
Wir ergänzen hier dann auch gleich noch unsere Wasservorräte und werden auch diesbezüglich wieder freundlichst bedient. Niemand verlangt hier im Elsass dafür etwas extra!
Anschließend, und durch zusätzliche 5 Liter Wasser nun wieder deutlich schwerer bepackt, durchqueren wir das hübsche Münsterstädtchen und ziehen auf seiner anderen Seite wieder steil hinauf.
Im Knien schieße ich zuvor noch ein schnelles Bild vom Münster, habe aber nicht einmal mehr die Kraft, mich noch um die „stürzenden Linien“ (die Verzeichnungen) auf dem Foto zu kümmern.

300 Höhenmeter liegen nun noch einmal vor uns, bevor wir unser Übernachtungs-Plätzchen erreichen werden. Und auch die sind nun wieder richtig steil!
Aber alles hat ein Ende, so auch dieser letzte Aufstieg. Oben angekommen, sieht Claudia die Abri und stürmt schnurstracks auf sie zu. Aber wie ich schon befürchtet habe, ist sie (direkt neben der Straße) ziemlich verdreckt und hat zudem eher den Charakter einer Bushaltestelle.
Hier werde ich nicht schlafen..!„, erkläre ich Claudia, ohne eine Widerrede zu dulden und ziehe wortlos die paar Meter hinüber, zum großen Grillplatz, direkt gegenüber.

Hier ist das Terrain eben und weich (Heringe). Ich lasse den Rucksack zu Boden sinken und fange an, das Zelt aufzubauen. Dann hat auch Claudia ein Einsehen und hilft mir dabei.

Kurz darauf sitzen wir – frisch gewaschen und umgezogen – auf unseren Schlafsäcken und genießen eine tolle, heiße Nudelsuppe.
Heute sind wir sogar so platt, dass wir noch vor Einbruch der Dunkelheit in den Schlafsäcken liegen und mir dann auch sofort die Augen zufallen. Was für ein Hammer-Tag..!

17- Etappe: Firstacker – Hartmannswillerkopf – Molkenrain – Thann;

20,6 Kilometer – 724 Höhenmeter im Anstieg – 1.078 Höhenmeter im Abstieg.

Dauer: ca. 10,5 Std.


Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



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