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Crêtes des Vosges – 9. Etappe

30 Oktober 2010 Kein Kommentar

Nach einer ruhigen und erholsamen Nacht ohne Regen, stehen wir wieder sehr früh auf und sprechen bei einer heißen Tasse Kaffee noch kurz den heutigen Tag durch. So banal sich das vielleicht anhören mag, ich halte es für sehr wichtig, dass immer beide wissen, was heute so anliegt.
Außerdem ist heute Montag und wir müssen in Schirmeck unbedingt einkaufen, um unsere Vorräte zu ergänzen. Und gemeinsam vergißt man dabei deutlich weniger..!

Nachdem wir zusammengepackt haben, brechen wir auf und erreichen etwa eine Stunde später das hübsche Städtchen.
Und diesmal haben wir richtig Glück, denn der Rotstrich führt hier direkt an einem tollen Supermarkt vorbei, in dem wir alles bekommen, was wir benötigen. Sogar Batterien und Gas für unseren Kocher! Aber auch ein paar Landjäger, etwas Streichkäse zum Frühstück und ein ofenwarmes Baguette – wir sind in Frankreich!

Gleichmäßig verteilen wir das neue Gewicht auf die Rucksäcke, dann durchqueren wir Schirmeck und suchen an der Kirche kurz nach dem weiterführenden Weg. Aber wir kennen die weiterführende Richtung aus der Karte und sind so bald wieder auf dem Rotstrich.

Der führt uns dann auch gleich wieder steil hinauf, zum Chateau de Schirmeck, einer gut erhaltenen Burgruine. Von hier aus entfernen wir uns dann wieder von der „Zivilisation“, und auch der Verkehrslärm nimmt schnell ab! Bald umgibt uns wieder die unglaubliche Stille des Vogesenkamm-Weges und wir hören nur noch unsere eigenen Schritte.

Während des Aufstieges kommen wir an einer weiteren, gefassten Quelle vorbei und füllen unsere PET-Flaschen auf. Erst später sehen wir, dass im Wasser kleine Schwebstoffe enthalten sind. Winzige Blattteilchen, die nur psychischen Einfluss auf die Wasserqualität nehmen. Wer sich daran stört, der kann sie leicht mit einem Papierfilter (Kaffee-Filter) ausfiltern. Das Wasser selbst ist von guter Trink-Qualität, ohne jeden Beigeschmack.

Etwas später folgen wir der Straße dann hinauf, zum Camp du Struthof, einer KZ-Gedenkstätte. Wir sprechen nicht miteinander, aber ich bin ziemlich beschämt und Claudia ergeht es wohl ähnlich. Irgendwie hat man plötzlich das Gefühl, jeder hier müsse uns doch sofort als Deutsche erkennen..!

So sind wir beide ziemlich froh, als wir endlich wieder im Wald „verschwinden“ können. Der Weg führt immer noch spürbar aufwärts, was sich nun bis zum Champ du Feu (1.099m), auch nicht mehr ändern wird. An den Matten des Champ du Messin (984m), passieren wir noch eine erwähnenswerte Schutzhütte.
In ihrer Sichtweite machen wir eine kurze Rast und Claudia sucht nach dem Baguette. Sie hat nicht gesehen, dass ich es schon im Supermarkt in die schützende Isomatte eingwickelt habe und lacht sich daher nun halb tot, als ich es vorsichtig von unten aus dieser herausschiebe! (Wo soll man denn auch sonst ein langes Baguette im/am Rucksack verstauen?)

Danach ziehen wir weiter hinauf, zum „Dach der mittleren Vogesen“ (Champ du Feu). An einer Raststätte machen wir uns noch einmal frischen Tee und passieren dann das flache Gipfelplateau auf 1.099 Meter Höhe. Hier müssen wir noch einmal die Straße als Pfad nutzen und mir brennen davon anschließend derart die Fußsohlen, dass ich mich einfach auf einen Baumstamm setze und Schuhe und Strümpfe ausziehe.

Dann haben wir die heutige Gipfel-Höhe überschritten und nach einem kurzem Orientieren geht es auch nur noch abwärts. Steil führt unser Pfad hinab, Richtung „Source de l‘ Andlau“, einer in der Karte verzeichneten Quelle. Hier wollen wir vor der kommenden Nacht noch einmal unsere Wasservorräte ergänzen.

Und diesmal habe ich es Claudia zu verdanken, dass wir diese gefunden haben, denn ich war – völlig in Gedanken versunken – schon am Schild vorbei gelaufen, als Claudia von hinten plötzlich laut: „Halt..!„, ruft.

Hätte sie nicht besser aufgepasst, als ich, wäre das richtig fatal geworden, denn durch den langen Aufstieg bei warmem Wetter, haben wir heute deutlich mehr getrunken, als sonst. Unsere Flaschen sind fast leer!

Dann macht Claudia aber zuerst einmal nur nachdenklich: „Hmmmm…!

Die „Quelle“ ist nämlich nur ein kleines Rinnsal, das unmittelbar links vom Weg aus der Erde quillt und dann einfach über den Weg läuft. Zudem ist der Quelltopf verschüttet. So wie es ist, haben wir keine Chance, hier sauberes Trinkwasser zu fassen und es wird bereits düster!

Ich lege den Rucksack ab und beruhige Claudia. Dann zeige ich ihr, wie man sich eine solche Quelle erschließt. Mit der Hand ziehe ich dort, wo das Wasser aus dem Boden tritt, Erde und störendes Laub weg und sorge auch unterhalb für einen freien Abfluss. Rasch zieht das nachströmende Wasser allen aufgewühlten Mulm mit sich weg und der kleine Quelltopf wird so schnell wieder klar.

Klasse..!„, ruft Claudia begeistert, als sie das sieht und nimmt nun ebenfalls den Rucksack ab. Neben mir kniend, vertieft sie den neu entstandenen Quelltopf mit der Hand, während ich unterhalb der Quelle den Abfluss noch etwas weiter vergrößere. Dann ist die Quell-Mulde groß genug, um eine PET-Flasche hinein zu tauchen und Claudia wartet nur noch kurz, bis das Wasser völlig klar geworden ist, bevor sie die erste Flasche füllt. Stolz hebt sie diese dann gegen den Himmel und betrachtet das Wasser prüfend: „Kristall-klar..!„, lacht sie, „Und Sau-kalt..!

Nachdem wir beide gekostet haben ist der Abend (die kommende Nacht!) endgültig gerettet, denn das Wasser ist ebenfalls wieder von hervorragender Qualität!

Dann schultern wir die Rucksäcke wieder, um noch ein kleines Stück zu gehen. Inzwischen ist etwas Wind aufgekommen und auch die Dämmerung schreitet rasch voran. Weit werden wir so wohl nicht mehr kommen! Dann sehe ich aber ein völlig ebenes Plätzchen, nur etwa 50 Meter neben dem Weg. Wir gehen hin und Claudia ist nach einer kurzen Prüfung begeistert: „Superweich..!„, sagt sie leise.

Wir sammeln nur noch einige störende Tannenzapfen auf, dann legen wir unsere Plane übers dichte Nadelbett und errichten darauf das Zelt. Während Claudia schon die „Betten“ macht, beobachte ich noch etwas kritisch das Wetter. Der Wind scheint immer noch zu zunehmen und Sturm mag ich im Wald überhaupt nicht!

Auch Claudia ist darüber inzwischen etwas besorgt, aber wir haben auch keine Chance, unseren Zeltplatz jetzt noch zu tauschen – denn um uns herum ist schließlich ebenfalls überall nur Wald.

Dieses Mal haben wir jedoch Glück, denn es scheint sich (durch das sonnige Wetter) wohl nur um einen thermischen Wind zu handeln, der nun mit zunehmender Dunkelheit einfach wieder „einschläft“! So verbringen wir einen weiteren, ruhigen und erholsamen Abend – irgendwo, mitten im Tannenwald.

Unser Fazit aus dem neunten Tag: Schirmeck – Champ du Feu – Hohwald, 25,9 Kilometer / 1.011 Höhenmeter.

Verpflegung und Lebensmittel stets in ausreichender Menge dabei haben, so dass auch immer noch für ein paar Tage Reserve vorhanden ist! Wasser wird – weil sonst zu schwer – immer direkt vor Ort besorgt!

Optimal, weil super-leicht ist dabei natürlich trockene (dehydrierte) Nahrung. Da gibt es inzwischen schon ganz tolle Gerichte – speziell für den Outdoor-Bereich – die dann natürlich auch immer ganz „tolle“ Preise haben! Wir begnügen uns diesbezüglich mit sehr preiswerten „5-Minuten-Terrinen“ von Maggi und Knorr. Diese schmecken nicht nur recht passabel, sondern sind auch äußerst einfach und schnell zu zubereiten. Außerdem sind sie inzwischen in großer Auswahl im Handel und – von der Menge her – völlig ausreichend. (Und notfalls könnte man ja auch einfach mal zwei Portionen essen!)

Wir schweißen sie immer (ohne Becher, da zu voluminös!) in kleine Plastiktütchen ein und nehmen dann nur noch zwei leere Becher, zur Zubereitung, mit! Diese ersetzen dann gleich auch noch die Teller! (Aber unbedingt an Plastiklöffel denken!)

Für Getränke verwenden wir immer ganz normale Teebeutel (4 Beutel je Liter), ebenfalls super-leicht. Deutlich schwerer, aber als Brennstoff unbedingt notwendig, ist da schon der Zucker (5 gehäufte Teelöffel pro Liter)! Ein knappes Kilo davon, haben wir in einer wasserdichten Tupper-Box immer dabei! (Achtung: Unterwegs niemals Süßstoff verwenden!!!)

Etwas Kaffee (löslich, in eine leichte Plastikbox umgefüllt) mit ein paar kleinen Portions-Döschen Kaffeesahne, ist nicht besonders schwer und einfach nur ein Zugeständnis an unser Wohlbefinden.

Ein kleiner Campingas-Kocher mit einer Ersatzpatrone ist (ohne damit Wasser zur Entkeimung abzukochen) für zwei Wochen und zwei Personen ausreichend. (Wir machen unterwegs – aus Prinzip – kein offenes Feuer! Es sei denn, es ist eine spezielle Feuerstellen vorhanden!)

Brot: Am Leichtesten ist Knäckebrot, oder österreichisches Schüttelbrot. Letzteres ist jedoch gesalzen und mit etwas Kümmel gewürzt, zum Frühstück – mit etwas Streichkäse (Portions-Döschen, z. B. Philadelphia!) – sehr schmackhaft! Keine Butter Einpacken! Sie verläuft schnell, schmeckt dann nicht mehr und verursacht leicht eine mittelgroße „Sauerei“ im Rucksack!

Frisches Brot, Landjäger und Käse (am Stück), halten sich natürlich ebenfalls mehrere Tage, schmecken als Vesper gut und sind auch sehr sättigend – aber haben eben auch ihr Gewicht! Daher verwenden wir solche Nahrungsmittel nicht regelmäßig.

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7 (Achtung! Die im Führer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind sie nicht einmal annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karten: Club Vosgien Carte N 4/8, 1:50.000


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