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Crêtes des Vosges – 8. Etappe

29 Oktober 2010 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 8 von 19 in der Serie Der Vogesenkamm-Weg

Endlich, der erste, schöne Spätsommer-Tag, an dem wir im T-Shirt wandern und sogar unsere Sonnenbrillen tragen! Und es war wohl auch die erste Nacht, in der es nicht geregnet hat – ein Sonntag!
Wir stehen wieder sehr früh auf und frühstücken noch in der Dunkelheit. Bei Tagesanbruch geht ein Jäger am Zelt vorbei und grüßt uns sehr freundlich, während wir gerade zusammenpacken.

Von hier aus steigen wir nun gleich weiter auf, in Richtung Porte de Pierre, einer torartig verwitterten und recht berühmten Sandstein-Formation. Die Wege hier herauf werden im Rother Wanderführer als „Steilhangpfade“ bezeichnet. Dem müssen wir beipflichten, denn sie führen – schmal (aber wildromantisch!) – durch unglaublich steile Berghalden. Ich hatte mir während des Frühstücks die Karte bereits etwas genauer angesehen und bin daher vorgewarnt: die einzelnen Höhenlinien rücken in diesem Bereich schon verdammt dicht zusammen!

Unterwegs führt uns der schmale Trampelpfad dann plötzlich über ein kleines Rinnsal hinweg, das links vom Weg aus dem Berg austritt und dort mit einer Edelstahlwanne gefasst ist.

Stopp..!„, sage ich zu Claudia und nehme den Rucksack ab. „Hier können wir unsere Wasservorräte auffüllen!

Sie sieht mir etwas skeptisch zu und fragt dann: „Und woher weißt Du nun eigentlich, dass man dieses Wasser auch wirklich trinken kann..?
Ich mache sie auf die sehr aufwendig eingepasste Edelstahl-Wanne aufmerksam, die das Wasser direkt unterhalb des Quell-Austritts auffängt:
Warum sollte sich denn hier oben – am A…. der Welt(!) – jemand die Mühe machen, eine Quelle mit einer teuren Edelstahlwanne zu fassen, wenn man ihr Wasser gar nicht trinken könnte..?
Stimmt! Du hast Recht!„, pflichtet sie mir da spontan bei. „Das wäre wirklich unlogisch..!

Dann lasse ich auch Claudia das Wasser probieren und sie ist erneut völlig überrascht, wie gut doch Quellwasser (ohne Chlor!) schmeckt. Zudem ist es so kalt, dass mir schnell die Finger weh tun, als ich die PET-Flaschen zum Füllen hinein halte!

Anschließend bewältigen wir noch die wenigen, restlichen Höhenmeter, hinauf zum Porte de Pierre. Und auch diese Sandstein-Formation taucht dann fast schon wieder wie aus dem „Nichts“ vor uns auf. Durch den dichten Wald kann man die Felsen immer erst sehen, wenn man bereits unmittelbar vor ihnen steht!

Wir machen hier eine kurze Rast und sehen beeindruckt hinüber, zum Sonnenaufgang über dem Schwarzwald – auf der anderen Seite der Rheinebene. Direkt unter uns und noch etwas im Schatten, liegt teilweise dichter Nebel in den Tälern.

Nach einigen Fotos ziehen wir gut gelaunt weiter, genau so haben wir uns das Vogesen-Wetter für unsere Tour eigentlich immer gewünscht.

Bald wird der Wald lichter (auch hier findet man leider die Spuren von „Lothar“!) und wir nähern uns dem Gipfel des Rocher de Mutzig (1.010m), dem ersten wirklichen Eintausender auf unserer Trekking-Tour. Ganz langsam kommen wir nun in den Bereich der „Hochvogesen“, was wir auch in unseren Beinen spüren: seit heute morgen sind wir schon wieder fast 800 Höhenmeter aufgestiegen!

Oben, auf dem Rocher de Mutzig, empfängt uns dann erneut eine grandiose Aussicht. Wir sind hier auf der höchsten Erhebung, der Buntsandstein-Vogesen. Nach einem verdienten Vesper und einigen weiteren Fotos, ziehen wir weiter.

Sanft fällt der Weg nun ab und ist in diesem Bereich daher sehr angenehm zu gehen. Bis zum Col du Narion verliert er gerade mal 80 Höhenmeter. Danach zieht er aber – als Trampelpfad –  wieder ziemlich steil hinab und hält dann auch noch ein paar weitere Überraschungen für uns parat: Plötzlich ist der „Weg“ vor unseren Füßen einfach „weg“! Waldarbeiter haben hier (mit schwerem Gerät!) einfach einen Holzabfuhrweg in den Hang gegraben, und unseren Pfad dabei geradewegs „durchgeschnitten“!

Wir haben keine Chance, diese Stelle zu umgehen und müssen daher hier nun etwa 10m tief, fast senkrecht absteigen. Und das auch noch in losem Sand! (Siehe Foto weiter unten!)

Mit solchen Überraschungen ist auf dem Vogesenkamm-Weg jedoch immer wieder mal zu rechnen! Auch mit umgestürzten Bäumen und steileren Wegpassagen. Und auch kurz darauf bekommt Claudia noch einmal unerwartete Schwierigkeiten, als sie auf einer improvisierten Leiter über einen Zaun steigen muss, der eine „Schonung“ umgibt.

Das Problem: Die Leiter befindet sich in einem extrem steilen Hangbereich und von ganz oben sieht das dann schon ziemlich bedrohlich aus, wenn man (wie Claudia) unter Höhenangst leidet! Erschwerend kommt noch hinzu, dass sich die einzelnen Leitersprossen so weit auseinander befinden, dass sie diese – mit dem schweren Gepäck – kaum bewältigen kann.

Dieses Hindernis hat Claudia dann auch wirklich sehr nahe an ihre Leistungsgrenze heran gebracht und ich weiß noch gar nicht so recht, wie ich ihr nun am schonendsten  beibringen kann, dass man überall – wo man erst einmal hinein gestiegen ist – dann irgendwann auch wieder heraus steigen muss..!

Ich lasse sie daher einfach selbst vorausgehen und als sie dann irgendwann – völlig abrupt – stehen bleibt und laut: „Nein..!“ ruft weiß ich, dass sie diese zweite Leiter nun gerade entdeckt hat. Aber ich bin trotzdem richtig stolz auf sie:

Zwar etwas weiß um das Näslein und insgeheim wohl auch den Tränen nahe, bewältigt sie auch dieses Hindernis!

Dann erreichen wir die Stelle, an der unser GR 53 Rotstrich von Wissenbourg, auf den Europäischen Fernwanderweg E2 (GR 5 – Rotstrich) trifft. Dieser kommt – über Holland – direkt von den Britischen Inseln und führt geradewegs bis ans Mittelmeer. Ihm werden wir von jetzt an folgen, zumindest bis nach Masevaux.

Inzwischen ist es auch nur noch ein Katzensprung, bis an den Donon! (Die Betonung liegt dabei auf: „bis an“ den Donon!)

Auf dem Parkplatz vor dem eigentlichen Aufstieg, ist heute ziemlich viel los (Sonntag!), und auch unsere holländischen Wanderfreunde treffen wir hier wieder. Noch ein letzter Blick in die Karte, dann folgen wir dem breiten Wanderweg hinauf, auf den „Götterberg“!

Bald wird aus dem breiten Fahrweg aber ein schmaler, steiler Trampelpfad, der immer mehr an „Klettersteig“-Qualitäten annimmt! Bald ist es dann auch kein wirkliches „Gehen“ mehr, sondern vielmehr ein steiles „Steigen“! Schnaufend wuchten wir unser Gepäck aufwärts und müssen dabei immer wieder nach dem besten „Weg“ suchen!

Nein, keine Angst! Es ist hier nirgends wirklich gefährlich, dafür aber um so anstrengender! Ein schmaler Pfad führt zwischen dichtem Heidelbeer- und niederem Buchen-Gestrüpp, steil aufwärts und lässt uns dabei immer mehrere Optionen, die nächste Steine und Felsen zu überwinden. Dankbar nehmen wir die kurzen Zwangspausen an, wenn wir mal wieder „Gegenverkehr“ vorbei lassen müssen und wundern uns manchmal nur noch über dessen „Schuhwerk“!

Irgendwann fragt mich Claudia dann schwitzend und mit einem breiten Grinsen: „Hast Du inzwischen eigentlich noch Angst vor dem Farrenkopf..?

Nein..!„, muss ich da spontan lachen. Wirklich nicht! Der Donon (1.008m) ist da wirklich weitaus anstrengender und zudem auch noch viel schwieriger zu begehen! Claudia und ich sind uns da einig: An ihn kommt der Farrenkopf (Ein „Angstberg“ für alle Westweg-Wanderer, bei Hausach im Schwarzwald) nicht heran! Der Aufstieg hier ist wirklich Hammer-hart und oben angekommen, tut uns dann auch alles weh..!

Aber irgendwann stehen wir doch endlich oben und durchschreiten den Gipfel-Tempel, der einst ein Museum werden sollte. Auf den Felsen direkt unterhalb, lassen wir nur noch die Rucksäcke fallen und „vernichten“ dann zuerst einmal einen ganzen Liter(!) Tee.

Auch unsere Holländer erholen sich hier vom Aufstieg (Zur Erinnerung: Sie wandern mit leichtem Tages-Gepäck!) und wir kommen erneut mit ihnen ins Gespräch.
Dann gehen wir abschließend noch die paar Meter nach vorne, bis zum Gipfel-Plateau – einer beeindruckenden Felsplatte. Von hier aus hat man eine wirklich grandiose Aussicht!

Nach einer kurzen Erholungspause und ein paar Fotos machen wir uns dann an den ähnlich steilen Abstieg, über die andere Donon-Seite. Diese ist jedoch deutlich leichter zu gehen und das ist wohl auch gut so, denn bis zu unserem geplanten Etappenziel (Grandfontaine), kurz vor Schirmeck, haben wir nun immerhin noch einen Abstieg von gut 500 Höhenmetern zu bewältigen!

Das sonnige Wetter scheint uns aber richtig zu beflügeln, denn wir schaffen diesen Teil unserer Tagesetappe relativ rasch und bitten dann in Grandfontaine, bei einer sehr netten französischen Familie die sich gerade im Garten aufhält, um Eau potable – Trinkwasser. Und auch hier werden wir wieder äußerst zuvorkommend behandelt!

Mit allem Nötigen versorgt, ziehen wir danach nur noch wenige hundert Meter weiter und suchen uns im nahen Wald einen versteckten Zeltplatz.
Als wir unser Nachtlager errichtet haben, wird es gerade dunkel. Wir sind erneut fix und fertig, aber trotzdem richtig gut gelaunt und auch ziemlich stolz auf unsere Tagesleistung! Noch ein kurzes Waschen (Das Salz muss unbedingt von der Haut, um morgen Entzündungen durch Reibung (Wolf!) zu vermeiden!) dann mache ich uns noch einen frischen Tee und eine gute Suppe. Das Leben kann doch so schön sein…

Unser Fazit aus dem achten Tag: Urmatt – Donon – Schirmeck, 23,0 km / 917 Höhenmeter.

Wasser! Wer den Vogesenkamm-Weg als Trekking-Tour unter die Füße nehmen möchte, der muss unbedingt dazu bereit sein:
a) andere Leute um Wasser „bitten“ zu können, und
b) auch aus natürlichen Quellen und Brunnen zu trinken!

Wir trinken aber niemals(!!!) aus Bächen und Seen, sondern immer nur dort, wo Wasser direkt aus dem Boden austritt (Quellen)!

Ist dieses Wasser kalt (wichtig!), und befindet sich oberhalb dieser Quelle keinerlei Weidewirtschaft (noch wichtiger, wegen Bakterien!), dann würde ich dieses Wasser (in Mitteleuropa!) jederzeit bedenkenlos trinken! Abkochen ist bei Beachtung dieser Bedingungen weder notwendig, noch möglich! (So viel Gas können wir gar nicht mitschleppen und offenes Feuer wollen wir im Wald schließlich vermeiden!)

Schwebstoffe – z. B. Blattteilchen, oder Ähnliches – lassen sich leicht mit einem Papier-Kaffeefilter herausfiltern!

Aber Achtung: Wasser, das schäumt, meiden wir konsequent!!!

Meine ganz persönliche Meinung: Unter Beachtung dieser Regeln könnte man sich natürlich ebenfalls mal einen Keim „einfangen“, was dann vielleicht zu Durchfällen, oder anderen Verdauungs-Störungen führen würde. So etwas dürfte jedoch nur äußerst selten geschehen und wäre dann (im Allgemeinen) auch nicht besonders gesundheits-bedrohlich! Ich denke, der Genuss von nicht abgekochtem Wasser aus spanischen Trinkwasserleitungen, ist dagegen – auch heute noch – um einiges bedenklicher..!

Und dann gibt es ja auch immer noch die Möglichkeit, in Tagestouren von Hotel, zu Hotel zu wandern, um diese Problematik gänzlich zu vermeiden! Dort hat man dann auch noch Duschen, warmes Wasser, weiche Betten – aber wir reden hier ja eigentlich vom Trekking, nicht wahr..?

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7 (Achtung! Die im Führer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind sie nicht einmal annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karten: Club Vosgien Carte N 4/8, 1:50.000


Download GPS-Track [urldisplaymode=nomap]


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