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Crêtes des Vosges – 7. Etappe

28 Oktober 2010 Kein Kommentar

Auch in dieser Nacht regnet es wieder kräftig. Pünktlich um Vier öffnet der Himmel seine Schleusen und wir haben wieder das übliche Geprassel auf dem Zelt. Heute nehmen wir das aber eher gelassen zur Kenntnis und drehten uns einfach noch einmal um.
Der Regen hält jedoch an und auch während des Frühstücks trommelt es noch so kräftig auf den Stoff über uns, dass wir unsere Rucksäcke heute lieber im Zelt packen und dieses erst in komplett angelegter Regenkleidung verlassen.

Ein Taucheranzug am Morgen, verspricht immer Kummer und Sorgen..!„, sinniere ich laut, während wir das Zelt Abbauen. Claudia lacht, als „Taucheranzug“ bezeichnet sie immer unsere angelegte Regenschutz-Bekleidung: Regenhose, Regenjacke (Kapuze oben) und Raincover über dem Rucksack.

Aber inzwischen haben wir auch schon viel gelernt: Man muss die Regenbekleidung nur rechtzeitig und vor allem vollständig(!) anlegen, bevor man sich dem Wetter aussetzt, dann bleibt man auch trocken! So kann man nur noch durch Schwitzen, quasi „von innen heraus“ nass werden, was man jedoch leicht über die Anstrengung regulieren kann: Einfach etwas „langsamer machen“..!

Achtung: Das funktioniert aber nur bei atmungs-aktiver Oberbekleidung (GoreTex), kombiniert mit Funktions-Unterwäsche und feuchtigkeits-abführenden T-Shirts/Pullis darunter! Daher niemals Baumwoll-Bekleidung tragen, da diese den Schweiß nicht nur aufsaugt, sondern dann auch noch festhält!!!)

Wir packen das Außenzelt einmal mehr nass ein, wobei das Innenzelt auch heute wieder völlig trocken bleibt! Inzwischen haben wir dabei eine ausgefeilte Routine entwickelt. Dann schultern wir die Rucksäcke. In einem kleinen Tütchen legen wir den wenigen Abfall vor die Haustüre unserer Gastgeber, so können sie ihn später einfach entsorgen. Dann noch ein letzter Blick über den Zeltplatz: Wir lassen nichts zurück, außer nieder getretenem Gras und nehmen natürlich auch nichts mit, außer der Erinnerung an sehr freundliche Gastgeber!

Dann ziehen wir gut gelaunt los, in Richtung Wangenbourg. Es ist halb Acht, gerade bricht der neue Tag an.

Gegen halb Neun erreichen wir das Städtchen, aber der Rotstrich streift es leider nur und wir finden wieder keine Gelegenheit, etwas einzukaufen. Da wir aber auch noch nicht wirklich in Not sind (nur der Zucker wird langsam knapp!), folgen wir dem Weg in der Hoffnung, vielleicht später – in Oberhaslach, oder auch in Urmatt – noch ein Lebensmittel-Geschäft zu finden.

Nun folgt aber – einmal mehr – zuerst wieder ein richtig, steiler Aufstieg. Über den Kohlberg geht es kräftig hinauf, zum Col du Schneeberg (868m) und von dort aus dann weiter, zum eigentlichen Schneeberggipfel, auf 961m. Ganz langsam erreichen wir nun auch die Höhen, die man eigentlich gerne mit dem Vogesenkamm-Weg verbinden möchte, und unterwegs wohl insgeheim auch erwartet.

Auf dem Gipfel haben wir dann aber leider mal wieder Pech: Alles ist in Wolken gehüllt und zudem weht hier oben auch noch ein recht frischer Wind, der die Nebel-Fetzen nur so an uns vorbei treibt – gespenstisch!
Auch den ganzen Aufstieg über hat es unentwegt geregnet und uns so jede Aussicht genommen. Aber wir möchten uns gar nicht beklagen, denn – richtig ausgerüstet – hat auch dieses Wetter „etwas“ und so genießen wir diese Nebelstimmung durchaus.

Leider ist es auch heute wieder nicht nur zu nass, sondern auch viel zu trüb, um zu fotografieren. Der Belichtungsmesser meiner Lumix zeigt mir (bei Blende 2,8) Belichtungszeiten bis zu 1/2 Sekunde an! Da ist es fast unmöglich, noch frei aus der Hand zu fotografieren, ohne dabei alles zu verwackeln!

Wir rasten noch mal kurz, dann machen wir uns an den steilen Abstieg, hinunter nach Niedeck. 560 Höhenmeter müssen wir nun erst mal wieder „vernichten“, um die Ruine mit dem Wasserfall zu erreichen!

Vor allem die steilen Abstiege gestalten sich inzwischen, von Tag zu Tag, als schwieriger. Nicht nur die nassen, höllisch rutschigen Wurzeln werden dabei zur Gefahr, auch der herbstliche Laubfall erweist sich als äußerst tückisch: Er verdeckt viele Hindernisse zunehmend unter einer dicken Laubschicht, so dass man sie teilweise nur noch ertasten kann. Immer wieder mal kommt so einer von uns mal wieder ins Straucheln, was mit den schweren Rucksäcken natürlich nicht ganz ungefährlich ist! Nur gut, dass wir die Stöcke haben, denn sie verschaffen uns doch einiges anzusätzlicher Sicherheit und verhindern wohl auch viele Stürze!

Aber trotzdem möchte ich hier erwähnen, dass dieser anstrengende Abstieg durch wunderschöne Wälder und über traumhafte Pfade führt. Bei Sonnenschein wäre das hier wohl ein wahrer Genuss – Lustwandeln pur!

Dann erreichen wir endlich die Straße an der Ruine Niedeck und die Zivilisation hat uns wieder.  Ein ganzer Ausflugs-Bus aus Deutschland kommt uns hier in kleinen Gruppen entgegen. Es sieht für uns aus, wie ein Betriebs-Ausflug und nachdem wir einige neugierige Fragen über unser großes Gepäck beantwortet haben, findet Claudia einen eleganten Weg, weitere Fragen zu vermeiden: „Bonjour Madame..! Bonjour Monsier..!„, grüßt sie alle freundlich und in ihrem bestem Französisch, bevor man uns überhaupt Fragen stellen kann.

Ich schließe mich ihr an und schmunzle dabei belustigt in mich hinein.

Ein Besucher-Rundweg nimmt uns hier auf und führt erst mal wieder steil hinab, zur Cascade Niedeck, dem größten Wasserfall der mittleren Vogesen. Auf die Besichtigung der Ruine selbst verzichten wir, denn es wäre ein weiterer Umweg gewesen, für den wir inzwischen keine Kraft mehr haben. Außerdem würde er auch noch zusätzlich Zeit kosten. So bestaunen wir nur kurz einen der Wachtürme und stolpern dann den unglaublich steilen, aber mit Stegen und Geländer gesicherten Weg vollends hinunter, zum Fuß des Wasserfalls.

Bisher war es eigentlich ganz gut gelungen, uns unter der Regenbekleidung zu „temperieren“. Nach diesem Abstieg ist damit jedoch endgültig Schluss! Zudem hat es inzwischen auch aufgehört zu regnen und ganz vorsichtig schaut sogar schon die Sonne etwas hinter den Wolken hervor. Unten angekommen, schälen wir uns daher sofort aus den Regenklamotten und „dampfen“ dann erst mal kräftig ab!

Nach ein paar Schluck Tee und einigen Fotos ziehen wir weiter und „vernichten“ auch noch die restlichen 160 Höhenmeter, hinunter – über Oberhaslach, nach Urmatt, einem hübschen elsässischen Städtchen. Leider konnten wir aber auch in Oberhaslach und Urmatt nicht mehr einkaufen. In Urmatt war es einfach schon zu spät, denn samstags machen die Geschäfte hier leider schon um 17.00 Uhr zu.

Als wir eine ältere Dame im Garten beim Rasenmähen sehen, beschließen wir daher, sie nach Wasser zu fragen und werden auch dieses Mal wieder ausgesprochen freundlich behandelt. Sogar etwas Zucker spendiert sie uns! Nun kommen wir auch damit locker über’s Wochenende!

Interessant ist vielleicht noch eine kurze Bemerkung ihrerseits. Irgendwann erzähle ich ihr nämlich, dass wir bisher von den Franzosen immer äußerst freundlich und sehr zuvorkommend behandelt worden sind. Sie sieht mich an und lächelt nachsichtig, dann belehrt sie mich sachte und mit einem Augenzwinkern: „Wir sind keine Franzosen, Monsieur..! Wir sind Elsässer..!

Nach diesem netten Erlebnis ziehen wir gut gelaunt weiter, schließlich sind wir nun wieder mit allem Wichtigen eingedeckt. Und uns verbleiben auch noch etwa zwei Stunden Tageslicht, um etwas Zeit und Strecke „gut“ zu machen.

In Richtung Rocher de Mutzig (1.010m), der höchsten Erhebung der Buntsandstein-Vogesen, holen wir uns noch einmal volle 250 Höhenmeter zurück, bevor wir bei Einbruch der Dunkelheit, im Wetter-Schutz einer verschlossenen Abri, unser Zelt aufschlagen. Der Boden ist hier völlig eben, eine wichtige Voraussetzung für erholsamen Schlaf.

Als wir die Hütte dann, im Schein der Stirnlampen, noch einmal umrunden sehen wir, dass wir seltenen Besuch haben: Zwei große Feuersalamander schauen unserem Treiben interessiert zu und zeigen überhaupt keine Scheu. Ich bin aber sogar zu müde, um zu fotografieren (Und das will bei solchen Motiven etwas heißen!!!) und koche uns nur noch etwas Tee und eine heiße Suppe. Dann kriechen wir in die Schlafsäcke und lauschen einmal mehr dem Röhren der Hirsche. Was für ein tolles Schlaflied..!

Abschließend sei auch noch erwähnt, dass es am Nachmittag (bei schönstem Wetter!) noch so warm geworden ist, dass wir alle nass gewordenen Kleider, so wie die Raincover, außen am Rucksack trocknen konnten und nun wieder alles einsatzbereit ist!

Unser Fazit aus dem siebten Tag: Wangenbourg – Schneeberg – Urmatt. 28,3 km / 1.116 Höhenmeter

Auch was das (schlechte) Wetter angeht, haben wir inzwischen viel gelernt: Man muss die Regenbekleidung immer rechtzeitig und vor allem vollständig(!) anlegen, bevor man sich dem Wetter aussetzt, dann bleibt man auch trocken! So kann man dann eigentlich nur noch durch das Schwitzen, quasi „von innen heraus“ nass werden. Diese Feuchtigkeit kann man jedoch leicht über die jeweilige Anstrengung regulieren: Einfach nur etwas „langsamer machen“..!
Achtung: Das funktioniert aber nur bei Atmungs-aktiver Oberbekleidung (GoreTex), kombiniert mit Funktions-Unterwäsche und Feuchtigkeits-abführenden T-Shirts/Pullis darunter! Daher niemals Baumwoll-Bekleidung tragen(!), da diese den Schweiß nicht nur aufsaugt, sondern dann auch noch festhält!)

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7 (Achtung! Die im Führer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind sie nicht einmal annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karten: Club Vosgien Carte N 1/8 und N 4/8, 1:50.000


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