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Crêtes des Vosges – 5. Etappe

23 Oktober 2010 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 5 von 19 in der Serie Der Vogesenkamm-Weg

In dieser Nacht haben wir sehr gut geschlafen, auch wenn es im Wald immer mal wieder geknackt hat und wir ab und zu sogar Hirsche geröhrt haben. Und ausnahmsweise hat es auch mal nicht geregnet, das beginnt erst pünktlich mit dem Aufstehen. Es ist der Nebel, der abnieselt!
Nach einem ruhigen Frühstück packen wir das Zelt dann eben – einmal mehr – wieder nass ein.

(Aufgrund äußerst ungünstiger Wetter-Bedingungen haben wir von diesem Tag leider nur sehr wenige Fotos!)

Pünktlich um 7.30 Uhr brechen wir auf und marschieren hinauf, nach Petite-Pierre. Vorsichtshalber haben wir lieber gleich unsere „Taucheranzüge“ angezogen (GoreTex-Jacke, Regenhose und Raincover über dem Rucksack). Bei diesem Wetter weiß man schließlich nie..!

Vermutlich durch die hohe Luftfeuchtigkeit, brauche ich für mein superleichtes Diktiergerät mehr Batterien, als ich ursprünglich berechnet habe. Dadurch bin ich gezwungen, schon heute die Reserve-Batterien für unsere Stirnlampen anzubrechen. Um dabei aber keinen Schiffbruch zu erleiden, muss diese Reserve nun schnellstmöglich ergänzt werden! Wer möchte schließlich schon gerne nachts, im Wald, ohne Licht dastehen?

Aber zumindest dabei haben wir Glück: Als wir in das kleine Städtchen La Petite-Pierre hinein laufen, führt uns der Weg direkt auf einen kleinen Zeitschriften-/Tabak-Laden zu, der auch Batterien im Angebot hat. Diese Sorge ist also deutlich schneller beseitigt, als eigentlich von uns erwartet.
Dazu muss man vielleicht auch einmal erwähnen, dass das Einkaufen auf dem Crêtes des Vosges, teilweise wirklich zum echten Problem wird! Auch wenn der Rotstrich des Vogesenkamm-Weges auf der Karte immer wieder mal Ortschaften berührt, oder sie sogar zu durchqueren scheint, wir kommen nur sehr selten an Geschäften vorbei, in denen wir einkaufen könnten!  Die Infrastruktur der Ortschaften ist einfach nicht so, wie man sie vielleicht von Deutschland her erwarten würde, und manchmal erreichen wir sie halt auch nur außerhalb der Öffnungszeiten.

Ergo: Von allem (Wichtigen!) immer auch eine kleine Reserve einpacken und rechtzeitig an kommende Sonn-, und Feiertage denken!

Hinter dem kleinen Städtchen La Petite-Pierre führt uns der Weg dann erst einmal in leichtem Auf und Ab über eine Bergkamm (Altenbourg) und anschließend wieder so richtig steil hinunter, ins Tal. Dabei werden eben mal schnell wieder 150 Höhenmeter „vernichtet“, was mit dem großen Gepäck richtig in die Beine geht! Und natürlich holt sich der Kammweg diese Höhenmeter dann auch schnellstens wieder zurück. Und auch gleich auch noch ein paar Neue hinzu: In Richtung Graufthal müssen wir nun nämlich erst mal den Sattel zwischen dem Weyerkopf und Le Linschschwald passieren!

Oben setzen wir uns dann auch zuerst einmal völlig erschöpft auf einen Baumstamm und vespern jeder zwei Landjäger mit Brot, während ich uns wieder frischen Tee koche.

Dann führt uns aber gleich ein vergleichbar steiler Abstieg wieder hinunter, nach Graufthal. Hier folgt der Rotstrich nun erst einmal ziemlich eben dem Zinseltal, was uns doch wieder etwas Erholung verschafft. Aber wir wissen natürlich längst, dass dies nicht von langer Dauer sein wird: Gleich hinter Oberhof schwenkt der Kammweg nämlich schon wieder in die Berge hinein. Und was nun kommt, könnt Ihr deutlich im Höhenprofil erkennen: Ein wirklich mörderischer Aufstieg von zuerst einmal nur 120 Höhenmetern, der dann aber – nach einem sehr kurzen Abstieg – über weitere 120 Höhenmeter Aufstieg „ausläuft“..!

Oben angekommen, sind wir dann auch total erschossen und suchen uns zuerst einmal einen Baumstamm, zum hinsetzen. Auf der Karte haben wir natürlich längst entdeckt, dass es nun gleich wieder ganz hinunter gehen wird, nach Saverne. Nicht zur Strafe, nein, nur zur Übung..! Und als kleine Erschwernis dürfen wir dann anschließend auch noch die Autobahn nach Straßbourg überqueren. Natürlich alles auf Asphalt und immer am Straßenrand entlang, ohne Gehweg! Sch…e..!

Erst einen guten Kilometer hinter der Autobahn nimmt uns dann wieder Wald auf. Ein schmaler, weicher Pfad führt uns hier durch einen hohen Buchenwald und verschafft uns so etwas Erholung, für die brennenden Fußsohlen. Aber leider ist es hier – durch das trübe Wetter – so düster, dass ans Fotografieren überhaupt nicht mehr zu denken ist.

Und immer dann kommt es natürlich zu Erlebnissen der ganz besonderen Art. Als ich auf dem Pfad um einen dichten Buchen-Busch herum komme, steht etwa drei Meter vor mir plötzlich eine Wildsau mit 6 Frischlingen! Sie hat mich ebenfalls nicht kommen hören, denn sie erschreckt genauso, wie ich und stiebt mit ihrem Nachwuchs davon.

Aber nicht ganz vollzählig, denn eines der Kleinen hat sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lassen und steht immer noch – in aller Ruhe kauend – unmittelbar vor mir. Erst als mich Claudia, die von all dem nichts mitbekommen hat, von hinten anrempelt, erschreckt es ebenfalls und folgt schleunigst Mutter und Geschwistern! Claudia kann leider nur gerade noch seinen Schatten sehen.

Wer solche Erlebnisse noch nicht kennt, dem möchte ich hier einmal versichern, dass es immer wieder genau sie sind, die uns schlagartig alle Anstrengungen und Tortouren vergessen lassen!

Wir folgen dem Weg weiter, vorbei an beeindruckenden Sandsteinformationen und Höhlen, bis wir gleich unser zweites Wildschwein-Erlebnis an diesem Tag haben: Der schmale Pfad führt uns nämlich plötzlich in ein derart von Wildschweinen umgegrabenes Waldstück hinein, dass sein weiterer Wegverlauf überhaupt nicht mehr zu erkennen ist! Wir stehen plötzlich – mitten im Wald – vor einem umgepflügten Acker, mit beachtlichen Ausmaßen! Endstation..!

Ich hole Karte und Kompass heraus und suche die Richtung zur parallel verlaufenden Bundesstraße nach Saverne, die ganz in der Nähe sein muss. Zu ihr schlagen wir uns dann auch durch und folgen so eben diesem „Weg“, nach Saverne hinein.

Als wir den Stadtrand erreichen dämmert es bereits und wir müssen noch völlig durch die Stadt hindurch, um uns dahinter einen Zeltplatz im Wald zu suchen.
Und dann kommt es so richtig knüppeldick für uns: Aus dem Nichts heraus stehen wir urplötzlich mitten in einem Wolkenbruch! Es schüttet schlagartig wie aus Kübeln und natürlich ist auch nichts da, was uns vor den Wassermassen von oben schützen könnte!
Regenhose..!„, rufe ich Claudia zu und helfe ihr noch aus dem Rucksack. Dann bin völlig ich mit mir selbst beschäftigt!

Als wir endlich unsere „Taucheranzüge“ an haben, sind wir darunter bereits völlig durchnässt. Dieser Guß kam einfach zu überraschend, um sich vor ihm zu schützen!

Der Wolkenbruch geht bald in einen kräftigen Landregen über, der heute nicht mehr aufhören sollte. Genervt verlieren wir dann auch noch die Wegezeichen und drehen so erst einmal eine große Ehrenrunde durch das Städchen Saverne, bevor uns eine freundliche Elsässerin wieder auf den richtigen Weg weist. Durch die in die Stirn gezogenen Regenkaputzen und den stets etwas gesenkten Blick, um die Brillen vor dem Wasser zu schützen, haben wir in der Abenddämmerung ein unscheinbares Hinweisschild in der Innenstadt völlig übersehen.

Ziemlich frustriert folgen wir nun der Straße bergauf und fragen dann irgendwann an einer Haustüre nach Wasser. Auch hier werden wir wieder sehr freundlich behandelt und ich kann Claudia nur mit Mühe davon abhalten, auch noch zu fragen, ob wir im Vorgarten vielleicht zelten dürfen.

Es ist längst dunkel und regnet immer noch kräftig, als wir am Ortsende wieder in den Wald einschwenken. Im Licht der Stirnlampen bauen wir hier nun unser Zelt an einer recht ungünstigen Stelle auf und verschwinden – viel zu kaputt, um noch etwas essen zu wollen – in den Schlafsäcken. Was für ein Sch…ß-Tag..!

Unser Fazit aus dem fünften Tag: La Petite-Pierre – Graufthal – Saverne. 28,4 Kilometer / 828 Höhenmeter.

Immer von allem Wichtigen genügend Reserven dabei haben, denn Einkaufen ist manchmal schwierig! Batterien konnten wir unterwegs beispielsweise nur zweimal kaufen! Auch stets Brot in Reserve haben, denn frisches Baguette gibt es auch nicht jeden Tag! Bei Nahrungsmittel unbedingt auf Dehydrierung achten! Schüttelbrot ist genauso leicht wie Knäckebrot, und genauso haltbar. Aber gesalzen und mit deutlich mehr Geschmack! 5-Minuten-Terrinen kann man einzeln (ohne Becher) einschweißen und mit nur einem (leeren) Becher zum Aufwärmen mitnehmen. Das wiegt dann fast nichts und ist zudem auch noch deutlich billiger, als spezielle, dehydrierte Bergsteiger-Nahrung!

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7 (Achtung! Die im Führer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind sie nicht einmal annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karten: Club Vosgien Carte N 1/8, 1:50.000


Download GPS-Track [urldisplaymode=nomap]


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