Home » Trekking-Special

Crêtes des Vosges – 4. Etappe

22 Oktober 2010 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 4 von 19 in der Serie Der Vogesenkamm-Weg

Auch diese Nacht war wieder etwas unruhig gewesen, denn es hat geregnet. Eigentlich ist das im Zelt immer recht romantisch, leider fielen von den Bäumen aber auch immer wieder größere Tropfen herab, was sich auf dem gespannten Zelt-Stoff dann jedes Mal wie ein kleiner Trommelschlag anhört.
Nach einem guten Frühstück im Licht der Stirnlampen, packen wir  zusammen und brechen pünktlich mit
dem Tagesanbruch auf, in Richtung Lichtenberg.

Im Gegensatz zum Westweg, im Juni dieses Jahres, haben wir jetzt im Herbst deutlich weniger Tageslicht zur Verfügung. Aus diesem Grund haben wir gestern auch beschlossen, täglich konsequent von Tagesanbruch an (ca. 7.30 Uhr), bis abends zur Dämmerung (ca. 19.00 Uhr) durch zu marschieren. Nur so ist es möglich, mit dem schweren Gepäck das angestrebte Tages-Soll von 25,0 Kilometer zu erreichen.

Inzwischen stellen wir uns auch von Tag zu Tag besser auf die Vogesen ein. Sie sind deutlich rauher und naturbelassener als der Schwarzwald und fordern einem daher auch erheblich mehr ab, als der Westweg! Und obwohl das eigentlich gar nicht der Fall ist, hat man hier immer das Gefühl, deutlich weiter von der Zivilisation entfernt zu sein, als auf der anderen Seite der Rheinebene. Zumal einem jetzt, in der Nachsaison, unterwegs auch kaum noch Menschen begegnen! Oft hat man hier daher das Gefühl, „wirklich alleine auf der Welt“ zu sein!

Da wir noch vor Lichtenberg übernachtet haben, beginnt der vierte Tag mit einem Abstieg über breite Holzfäller-Wege. Am Wegrand links und rechts haben auch in dieser Nacht wieder unzählige Wildschweine ihre Spuren hinterlassen. Der Boden ist an manchen Stellen wirklich vergleichbar „gut umgegraben“, wie ein Schrebergarten-Beet im Frühjahr!

Bald geht es dann aber auch wieder spürbar aufwärts, hinauf in das kleine Burgstädtchen. Hinter Lichtenberg führt uns der Weg dann aber schon wieder bergab, in Richtung Wimmenau. Der Vogesenkamm-Weg scheint seinem Ruf doch tatsächlich gerecht zu werden, weder einen Gipfel, noch ein Tal auszulassen..!

Über sehr idyllische Pfade wandeln wir hier nun durch lichte Kiefernwälder, was selbst mit dem großen Gepäck ein Genuss ist! Unten, im Wiesental angekommen, überschreiten wir dann noch ein Brücklein und durchqueren den kleinen Weiler.

Hinter Wimmenau folgen wir dem Rotstrich in Richtung Erckartswiller. Irgendwann begegnen wir hier einer einsamen Wanderin, die mit zwei Hunden unterwegs ist. Sie ist der einzige Mensch, dem wir heute (außerhalb der Ortschaften) begegnet sind. Und auch heute bauen wir wieder einen kurzen „Schlenker“ ein, weil wir uns verlaufen.
Vor allem breite Wege wirken „einschläfernd“ und rauben einem bald die erforderliche Aufmerksamkeit, so dass man schmale, vom Weg abzweigende Trampelpfade leicht übersieht. Oft sind diese auch nur sehr „dezent“ ausgezeichnet!

Kurz darauf werden wir dann einmal mehr, von einer beeindruckenden Sandstein-Formation überrascht, dem Ochsenstall. Da sie trocken ist und zudem auch noch etwas Windschutz bietet beschließen wir, hier kurz zu rasten und ich koche uns noch einen frischen Tee.

Am Spätnachmittag erreichen wir dann Erckartswiller, ein langezogenes Dorf, dessen Häuser alle entlang der einzigen Dorfstraße gebaut sind.

Claudia sieht an einer Hauswand einen Wasserhahn und macht mich darauf aufmerksam. Ich klingle an der Haustüre, um zu fragen, ob wir unsere leeren Flaschen vielleicht auffüllen dürfen. Ein altes Mütterlein öffnet die Haustüre und lacht:
Nemme nur so viel ‚er bruche.., ’s isch Trinkwasser! Bruchener viellicht sonsch no ebbes..?„, fragt sie uns in liebenswürdiger Art.

Wir bedanken uns herzlich und ziehen weiter. Am Ortsende schwenkt der Weg kurz nach links, um gleich darauf wieder rechts auf eine Viehweide einzubiegen. Ich fluche, weil mir die Füße weh tun und der Weg sehr schmal, uneben und abschüssig ist. Dann haben wir ihn aber ebenfalls bewältigt und werden von einem angenehm zu gehenden Waldweg aufgenommen.

Kurz vor Sonnenuntergang beschließen wir, doch kurz vor Petite-Pierre zu übernachten, und das kleine Städtchen erst am nächsten Tag zu durchqueren. Ausschlag dazu gibt ein idealer, ebener und ruhiger Zeltplatz, kurz vor der Fachwerkstadt. Wer weiß schon, ob wir später noch etwas Vergleichbares finden würden?

Wir bauen unser Zelt auf, waschen uns und ich mache uns eine heiße Suppe. So lassen wir den Tag gemütlich ausklingen und genießen die Abendruhe im Wald. Bis wir nachts dann plötzlich zum ersten Mal Hirsche röhren hören.

Da wir wissen, dass wir uns in Hirschrevieren aufhalten, sind wir vorgewarnt und haben auch keine Angst. Ganz im Gegenteil, wir freuen uns über das akustische Erlebnis, sind aber doch recht beeindruckt, von der Lautstärke!

Unser Fazit aus dem vierten Tag: Lichtenberg – Wimmenau – La Petite-Pierre. 21,5 Kilometer / 515 Höhenmeter.

Das Tageslicht ausnützen, heißt unser neues Motto! Wer mit schwerem (Trekking-) Gepäck unterwegs ist, kann die vorgegebenen Gehzeiten oft nicht einhalten und wir brauchen zudem noch zusätzlich Zeit, um zu Fotografieren. Der Entschluss, täglich lieber etwas früher aufzustehen (6.45 Uhr) um pünktlich mit Tagesanbruch (7.30 Uhr) abmarschbereit zu sein hilft uns, die geplanten 25 Tageskilometer leichter zu erreichen!

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7 (Achtung! Die im Führer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit etwas „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind sie oft nicht einmal annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karten: Club Vosgien Carte N 1/8, 1:50.000


Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


Größere Kartenansicht 


Crêtes des Vosges – 3. EtappeCrêtes des Vosges – 5. Etappe

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.