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Crêtes des Vosges – 3. Etappe

20 Oktober 2010 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 3 von 19 in der Serie Der Vogesenkamm-Weg

In dieser Nacht haben wir ziemlich schlecht geschlafen. Einerseits war es sehr unruhig gewesen(Verkehrs-Lärm von Niederbronn-les-Bains), andererseits hatten wir aber auch immer wieder ein paar Siebenschläfer in den Absiden, die sich die ganze Nacht über (recht lautstark!) mit unseren Lebensmitteln „beschäftigt“ haben.
Morgens mache ich uns zum Frühstück noch den letzten Tee von gestern heiß, dazu gibt es Brot mit Streichkäse, dann packen wir zusammen.

In der Nacht hat es erneut geregnet und so packen wir das Zelt – einmal mehr – nass ein. Beim Abstieg nach Niederbronn sind die Wege dann ziemlich schmierig und wir müssen entsprechend aufpassen. Zudem hängt nun auch wieder Nebel zwischen den Bäumen.

Claudia schmunzelt trotzdem zufrieden und ihr: „Hat doch auch was..!„, meint die ziemlich herbstliche Atmosphäre um uns herum.

In Niederbronn angekommen, leitet uns der Rotstrich dann zuerst durch einen Park mit Minigolf-Anlage und danach in die Innenstadt hinein. Wir freuen uns schon auf eine Tasse Kaffee mit Croissants, da erkenne ich plötzlich, dass wir einmal im Kreis herum geführt worden sind! Die 50.000er Karte ist hier beim Orientieren eher verwirrend, als hilfreich. Dann sehe ich im Park noch eine weitere Rotstrich-Markierung, die rechts – in Richtung Nordwesten – den Berg hinauf führt.

(Ein Tipp: Im Park, am Kassenhäuschen rechts(!) halten und dem Rotstrich nicht in die Innenstadt hinein folgen!)

Diese Straße führt uns nun wieder den Berg hinauf und damit aus Niederbronn-les-Bains heraus. So war es also leider nichts mit Kaffee und Croissants. Obwohl wir eine große „Ehrenrunde durch die Innenstadt gedreht haben, ein Kaffee war nirgends zu bekommen gewesen.  (Anders, als bei uns in Deutschland, gibt es hier in den Bäckereien leider nirgendwo eine Kaffee-Maschine!)

Was aber noch schlimmer wiegt, als der entgangene Kaffee, sind die immer noch leeren Wasserflaschen! Dabei haben wir Niederbronn schon fast wieder verlassen. Irgendwann klingle ich daher an einem der letzten Häuser, um dort nach Wasser zu fragen. Leider scheint aber niemand zu Hause zu sein und Claudia wirkt daher schon ziemlich gefrustet. Dann zeige ich ihr jedoch den Wasserhahn am Haus, mit Schlauchanschluss für den Garten.

Die Häuser hier, sind alle von einem kleinen Garten umgeben, der im Sommer natürlich gegossen werden muss. Daher haben auch alle einen Wasserhahn im Hof(!) und in der Not bediene ich mich daher ausnahmsweise auch einmal ungefragt.

Mit vier Litern frischem Trinkwasser verlassen wir dann Niederbronn-les-Bains endgültig und werden gleich wieder von einem steilen Anstieg empfangen, der uns hinauf führt, zur Ruine Wasenbourg.

Oben angekommen sind wir dann auch schon wieder ziemlich „platt“ und suchen nur noch den Windschatten der Burg, denn inzwischen ist es recht frisch geworden. Auch wenn wir Funktions-Wäsche und atmungs-aktive

GoreTex-Jacken tragen, sind wir inzwischen völlig nass-geschwitzt und wollen uns natürlich nicht erkälten. An einem Vespertisch nehmen wir die Rucksäcke ab und machen erst mal eine verdiente Pause. Während wir uns mit Gouda und Brot stärken, koche ich uns noch vier Liter gesüßten Tee.

Um Zeit und Energie zu sparen, mache ich diesen immer nur aus einem einzigen Liter Wasser, gleich vierfach(!) stark und verdünne ihn dann wieder beim Umgießen, in die einzelnen PET-Flaschen. Die restlichen, (kalten!) drei Liter Wasser werden dazu schon vorher auf die vier Plastik-Flaschen verteilt und dabei auch gleich für die gesamten vier Liter Tee gesüßt. (Nur so lässt sich der heiße Tee in PET-Flaschen füllen, ohne dass diese durch die Hitze „Zusammen-Schrumpfen“!)

Den fertig gezogen, nun vierfach-starken Tee verteilt man dann anschließend einfach nur noch gleichmäßig auf die vier Flaschen – fertig! Auf diese Weise bereitet man vier Liter Tee in der gleichen Zeit zu, die man normalerweise für nur einen einzigen Liter benötigen würde. Und das Ganze zudem auch noch mit einem Viertel, der eigentlich benötigten Energie!

Nachdem uns während der Vesper-Pause ziemlich kalt geworden ist, heizt uns der weitere Aufstieg zum Wasenkoepfel dann wieder kräftig ein. Unterwegs finden wir auch hier wieder unzählige Maroni (Esskastanien) auf dem Weg. Wenn wir die alle gesammelt hätten, dann würden sie wohl als Verpflegung für den Rest der Vogesen-Tour reichen.

Irgendwann passieren wir dann die Felsenburg-Ruine Grand Arnsbourg. Ein gewaltiger Sandsteinblock, den man leider nicht mehr betreten darf.

Von hier aus geht es nun wieder unglaublich steil hinunter, ins Untermühlenthal. Den Pfad möchte ich eigentlich gerne als „traumhaft“ bezeichnen, wenn es trocken wäre und wir nur leichte Tagesrucksäcke auf den Schultern hätten. Mit unserem großen Gepäck müssen wir jedoch höllisch aufpassen, um nicht irgendwo auszurutschen und zu stürzen.

Als wir endlich das Mühlenthal erreichen, sind wir wieder völlig kaputt und die Oberschenkel brennen. Wir nehmen die Rucksäcke ab und setzen uns einfach für ein paar Minuten am Waldrand auf den Boden, um zu verschnaufen. Nebenher studiere ich die Karte, denn direkt vor uns verläuft die Straße Zinswiller – Baerenthal.

Dann folgen wir dem Rotstrich weiter. Nach ein paar Meter entlang der Straße, führt er uns links in die Wiese. Ein weicher Spazierweg lädt hier – weil ausnahmsweise mal eben – zur Erholung ein. Lustwandeln, auch mit schwerem Gepäck!

Bald kommt es dann auch noch zu einer netten Anekdote: Vor einem Haus sehe ich einen gepflegten, rot lackierten Pump-Brunnen. Ich frage die Frau neben dem Haus höflich und auf deutsch, ob der vielleicht funktioniert und wir uns etwas Wasser abfüllen dürfen. „Neiii.., der geht leida nedde..! Abba wieviel bruche se denn..?„, ist ihre freundliche Antwort, in bestem Elsässisch. Ich gebe ihr die beiden, inzwischen schon wieder leergetrunkenen Flaschen und sie nimmt sie mit ins Haus.

Gut versorgt, stellen wir uns kurz darauf dann dem nächsten Anstieg. Wir haben unsere Lektion von gestern gelernt, heute wird uns das Wasser bestimmt nicht mehr ausgehen..!

Erneut nimmt uns dann aber ein Wahnsinns-Anstieg auf! Der traumhafte Trampelpfad, hinauf in Richtung Dietrichskopf, scheint wieder einmal auf einen „Berg ohne Ende“ zu führen! Irgendwann bleibt Claudia dann auch stehen und dreht sich zu mir um:
Hast Du eigentlich noch Angst vor Farrenkopf..?„, will sie lachend wissen. „Nein..!„, muss auch ich lachen, „Wirklich nicht..!
Der Angstberg des Westweges wurde nämlich bereits in den ersten drei Tagen, unserer Vogesen-Tour, bereits mehrfach übertroffen. Sowohl in seiner Steilheit, als auch bei der Anstiegsdauer! Und man sollte es eigentlich nicht für möglich halten, aber unsere Muskulatur beginnt sich bereits fühlbar auf diese neuen Herausforderungen einzustellen!

Dann beginnen wir langsam nach einem Plätzchen für die kommende Nacht zu suchen. Wir haben diesbezüglich nur geringe Ansprüche, aber eben und plan sollte es natürlich schon sein. Auf abschüssigem Grund schläft es sich nämlich nicht wirklich angenehm. Und so ein Plätzchen ist – im Bergland – manchmal gar nicht so leicht zu finden!

Unser Fazit der dritten Etappe:

Niederbronn – Wasenkoepfel – Lichtenberg. 23,6 Kilometer mit 733 Höhenmetern. 

Drei Tage benötigte unser Körper, um sich fühlbar(!) auf die neuen Anforderungen der Vogesen-Tour einzustellen. Die neue Wasser-Strategie mit vier Liter-Flaschen bewährt sich ebenfalls! Das nächste Mal würden wir zudem den ersten Tag deutlich langsamer angehen, um uns besser auf diese immensen Anforderungen einstellen zu können! Da haben wir einfach zu viele „Körner“ verbraucht!

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7 (Achtung! Die im Führer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind sie nicht einmal annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karten: Club Vosgien Carten N 1/8 und  N 2/8, 1:50.000


Download GPS-Track [urldisplaymode=nomap]


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