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Crêtes des Vosges – 2. Etappe

18 Oktober 2010 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 2 von 19 in der Serie Der Vogesenkamm-Weg

Trotz der unterschwelligen Angst vor Wildschweinen (Spuren ihrer Anwesenheit findet man hier überall!) schlafen wir recht gut. Gegen Morgen wird es zwar etwas „frisch“, weil die Feuchtigkeit des Nebels zunehmend in die Schlafsäcke kriecht, aber nach einer Tasse heißen Kaffees und einer Scheibe Brot mit Streichkäse, packen wir voller Tatendrang zusammen und brechen auf.

Es ist erst kurz nach Acht, als wir unsere Rucksäcke schultern und uns auf den Weg nach Obersteinbach machen. Der Pfad führt einmal mehr steil durch die Halde hinab und es war nur richtig, ihn gestern in der Dunkelheit zu meiden!

Nach etwa dreißig Minuten erreichen wir dann endlich die Abri, nach der wir gestern schon in der Dunkelheit gesucht haben. Ein Schild – Zur Ruine 30 Minuten – (!) lässt uns auch nur noch den Kopf schütteln. Schließlich sind wir gestern Abend von dort aus schon anderthalb Stunden (auf dem richtigen Weg!) unterwegs gewesen..!
So viel zu den Zeitangaben der Beschilderung und im Wanderführer:
Von Froensbourg aus leitet die Rotstrich-Markierung im Wald bequem hinüber zu einer Schutzhütte…“
Nun waren wir endgültig vorgewarnt! Die auf den Wegweisern und in den Wanderführern angegebenen Zeiten sind grundsätzlich(!) mit Vorsicht zu genießen!

Der Pfad führt hier aber wieder sehr idyllisch durch die mit Mischwald bewachsene Halde, hoch über Obersteinbach. Dicht mit Erika gesäumt, leitet er uns hinauf, zum Zigeunerfelsen. Auch dieses gewaltige Buntsandstein-Riff taucht dann wieder völlig unerwartet vor uns auf, da es völlig von Wald umschlossen ist. Dieser gibt die Sicht darauf erst im letzten Moment frei gibt.

Von der anderen Seite taucht aber gleichzeitig eine größere, deutsche Senioren-Wandergruppe am Felsen auf und wir gehen schon davon aus, dass nun erst Mal keine Fotos mehr zu schießen sein werden. Dem Wanderführer gelingt es jedoch nicht, auch nur einen seiner Schützlinge dazu zu motivieren, den Felsen zu besteigen. Nachdem sie den Aufstieg (von unten!) fachkundig begutachtet haben, wird er von ihrem Kopfschütteln einfach überstimmt!

So legen wir (doch etwas erleichtert) die Rucksäcke ab und folgen den historischen, wirklich nicht gerade „rentnerfreundlich“ in den Sandstein gehauenen Stufen hinauf, um von dort aus noch einen kurzen Rundblick zu erhaschen. Denn erst von ganz oben, kann man den dichten Wald überblicken, der hier den Felsen umgibt!

Weiter geht es dann hinunter nach Obersteinbach. Der Abstieg erfolgt überwiegend wieder über idyllische Trampelpfade, teilweise aber auch über Forstwege und ganz zum Schluss sogar noch über etwas Teer. Und was uns mal wieder ganz besonders beeindruckt: Die Wiese vor Obersteinbach ist fast bis an die Häuser heran, von Wildschweinen umgegraben! Hier muss es wirklich Unmengen von ihnen geben! Überhaupt nicht zu vergleichen, mit den Beständen des Schwarzwaldes!

In Claudia keimt sofort wieder etwas Furcht vor der kommenden Nacht im Zelt auf, die ich aber mit einem Scherz zu unterlaufen versuche:
Ist doch schön, wie sich ihre Population seit Asterix und Obelix wieder erholt hat..!“ Und da muss dann sogar auch Hasenfuß Claudia wieder schmunzeln, während wir nach Obersteinbach hinein laufen.

Obersteinbach ist ein kleines, sehr gepflegtes, elsässisches Dorf, das sich rührend um das Wohl der Wanderer bemüht: Mitten im Ort gibt es ein kleines Häuschen mit einem Brunnen davor, in dem Wanderer (kostenlos und trocken!) rasten können. Zudem gibt es hier Trinkwasser, so wie die Möglichkeit, eine Toilette zu benutzen.

Überhaupt wird die Gastfreundschaft im Elsass sehr groß geschrieben. Geniert Euch unterwegs daher bitte auch nicht, irgendwo an einem Haus zu klingeln und nach Trinkwasser (Eau Potable) zu fragen! Wir wurden nie abgewiesen! Ganz im Gegenteil, die Leute haben uns immer gefragt, ob wir vielleicht sonst noch etwas brauchen, und fast alle sprechen Deutsch!

Von Obersteinbach aus zieht der Rotstrich dann gleich wieder steil und anhaltend hinauf, zur Ruine Wittschloessel. Wir passieren sie dann auch nur und folgen dem schmalen Pfad weiter aufwärts, zum Wasserstein. Und wie könnte es anders sein? Von hier aus führt der schmale Trampelpfad dann gleich wieder steil hinunter, zum Château de Windstein. Der Crêtes des Vosges scheint seinem Ruf, weder ein Tal, noch einen Gipfel auszulassen, wirklich gerecht zu werden. Und zudem scheint er auch immer noch die steilsten Pfade im Programm zu haben. Zumindest bisher!

Als wir am Château de Windstein ankommen, sind wir ziemlich geschafft und uns wird klar, dass uns die Besichtigungen gestern, mit allen dazu gehörenden Umwegen, viel zu viele „Körner“ gekostet haben. So beschließen wir – aufgrund des großen Gepäcks – solche Sight-Seeings künftig lieber zu unterlassen. Sie kosten uns nämlich nicht nur viel Zeit, sondern auch viel zu viel Kraft!

Unseren heutigen Plan müssen wir notgedrungen ebenfalls ändern. Ursprünglich war ja geplant, über Niederbronn les Bains hinaus zu gehen und dort eine Schutzhütte aufzusuchen. Das werden wir jedoch nicht mehr schaffen. Durch das trübe Wetter wird es im Wald nämlich noch viel früher dunkel, als sonst. Daher beschließen wir, nach dem Abstieg hinunter nach Gruenenthal, nur noch zum Wintersberg aufzusteigen und dort in der zweiten Abri zu übernachten.

Ganz in der Nähe der Schutzhütte ist eine Quelle eingezeichnet, an der wir unsere Wasservorräte ergänzen wollen. So verzichten wir auch (aus Gewichtsgründen) darauf, uns bereits in Gruenenthal mit Trinkwasser einzudecken. Ein wirklich dummer Anfänger-Fehler, wie wir bald feststellen sollten!

Oben, auf dem Wintersberg angekommen finden wir nämlich weder eine Abri, noch eine Quelle! Zudem ist es bereits viel zu dunkel, um nun doch noch bis nach Niederbronn les Bains abzusteigen.
So schlagen wir ziemlich geschafft unser Zelt auf und rationieren den restlichen Liter Tee für das Frühstück.

Aus diesem Erlebnis resultiert dann auch unser Fazit dieses Tages: Nun reduzierten wir nämlich sofort unsere Anzahl an 1 Liter-PET-Trinkwasserflaschen von sechs auf vier und beschließen, diese – bei wirklich jeder sich bietenden Gelegenheit(!) – und ohne Rücksicht auf das zusätzliche Gewicht, aufzufüllen! Im Nachhinein die wohl allerwichtigste Entscheidung dieser Trekking-Tour!

Die zweite Etappe: Obersteinbach – Wintersberg – Niederbronn.

Strecke: 16,2 Kilometer – 733 Höhenmeter im Anstieg – 465 Höhenmeter im Abstieg

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7

Achtung! Die im Wanderführer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind sie nicht einmal annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karte: Club Vosgien, Carte N 2/8, 1:50.000


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