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Créte des Vosges – 16. Etappe

24 September 2012 Kein Kommentar

Erst am 18. September 2012, also knapp zwei Jahre später, stehen wir wieder vor unserem Schuppen, in dem wir vor unserem Tour-Abbruch 2010 das letzte Mal übernachtet haben. Es ist morgens kurz nach neun, als wir unsere Rucksäcke schultern und uns auf den Weg machen, um den Créte des Vosges nun endlich zu Ende zu bringen.

August, der Vater unserer Vermieter, hat uns mit dem Auto hier abgesetzt, nachdem wir unser eigenes Auto bereits in Masevaux, dem Endpunkt unserer Tour, abgestellt haben.
Zum eigenen Auto zurück zu wandern hat immer den großen Vorteil, sich die Zeit und die einzelnen Etappen frei einteilen zu können, ohne dabei auf irgendwelche Abfahrzeiten von öffentlichen Verkehrsmittel Rücksicht nehmen zu müssen. Ganz besonders hier, denn in den Hoch-, und Südvogesen fahren diese natürlich nicht allzu häufig.

Wir verabschieden uns herzlich und ziehen los. Während wir nun über den Markstein zum Grand Ballon wandern, wird sich August noch etwas die Vogesen ansehen und erst über den Col de la Schlucht und Munster nach Deutschland zurück fahren.

Man sieht sofort, dass wir in diesem Jahr fast drei Wochen früher dran sind, als beim letzten Mal. Die Vegetation ist noch deutlich grüner und es befinden sich auch noch viel mehr Rinder auf den Hochweiden. Nur wenige Meter nach dem Start drücken wir uns durch das erste Viehgatter, was mit den ausladenden Rucksäcken oft gar nicht so einfach ist. Manchmal passt man gerade so hindurch!

Und dann stehen auch schon die ersten Kühe vor uns und erwarten ihren Wegezoll: Streicheleinheiten..! Außerdem lieben sie Salz über alles und lecken daher sehr gerne an den verschwitzten Händen von Wanderern. Claudia ziert sich anfangs zwar noch etwas (wegen den rauhen Zungen), gibt diesen Wiederstand aber bald auf.

Vom Col du Hahnenbrunnen, bis zum Wintersport-Zentrum Markstein folgt der Créte des Vosges nun in einiger Distanz immer der Vogesenkammstraße (D 431). Das stört aber nicht sonderlich, da sie jetzt im Herbst nur schwach befahren ist. So folgen wir ausgetretenen Trampelpfaden über wunderschön gelegene Viehweiden und genießen dabei immer wieder phantastische Fernblicke. Ab und zu nimmt uns dann auch mal wieder eines der kleinen Wäldchen auf, die oft aus uralten Weidbuchen mit ihren typischen Stämmen bestehen.

Claudia ist so bald wieder völlig im Glück. Sie hat sich sehr auf diese vier Wandertage in den Vogesen gefreut und nimmt dafür auch gerne das Gewicht ihres großen Rucksacks in Kauf (ca. 13,0 kg + Flüssigkeit).
Das werden viele vielleicht nicht so ganz nachvollziehen können, aber er bietet einem hier einfach ein wunderschönes Gefühl von Unabhängigkeit. Und gerade in den Vogesen ist das Übernachten im Zelt, oder auch in einer Abri (einfache, kostenlose Schutzhütten des Club Vosgien, oft mit Übernachtungsmöglichkeit auf dem Dachboden) bei mehrtägigen Touren ja schon fast eine Selbstverständlichkeit! Für uns genau das Richtige, um mal wieder „sauber“ zu werden, im Kopf..!

Bald haben wir den gemütlichen Teil der heutigen Etappe aber überwunden und spüren, wie der Weg nun fühlbar anzieht. Bisher wand er sich immer nur in sanftem Auf und Ab über die freien Hochweiden. Damit ist nun aber endgültig Schluss, denn jetzt geht es noch einmal 250 Höhenmeter steil hinauf, zum Gipfel des Grand Ballon.
Schon die ganze Zeit über habe ich den Höhenmesser des Garmin beobachtet, der sich bis jetzt aber kaum bewegt hat. Das bedeutet, dass dieser Schluss-Anstieg wohl erst jetzt – also wirklich im letzten Augenblick und bereits in Sichtweite des Gipfels – so richtig beginnen wird. Und dementsprechend steil wird er wohl auch sein! (Siehe dazu auch das Höhendiagramm!)

Was soll’s..!„, lacht Claudia davon völlig unbeeindruckt. „Betreiben wir eben wieder mal etwas Muskelaufbau..!

Und dann werden die Oberschenkel auch schon langsam wärmer, denn noch innerhalb des Waldes wird der Anstieg steiler und erreicht nun rasch die Baumgrenze. Von dort aus können wir dann bereits steil hinauf sehen, zur Radar-Kuppel am Gipfel und auch auf den weiter führenden Pfad.

Whow..! Wie bei uns, am Belchen..!„, spricht Claudia spontan das aus, was ich denke. Typisch schmale Pfade ziehen vor uns nämlich durch die steile Gipfelflanke und verlieren sich dann hinter dem Hang. Und sogar der Wind ist hier genauso, wie bei uns zu Hause am Belchen: Kalt und kräftig! Kaum hatten wir den schützenden Wald verlassen, wurde uns daher auch ziemlich kalt. Claudia fackelt dann auch nicht lange und wirft den Rucksack einfach in den Hang über sich.

Ich bin völlig verschwitzt..!„, erklärt sie mir nebenher. „Wenn ich jetzt nichts anziehe, dann hole ich mir den Tod..!
Sie hat natürlich Recht, und auch ich ziehe meine Softshell-Jacke über. Dann folgen wir dem schmalen Trampelpfad rasch weiter aufwärts und sehen schon bald das große Kriegerdenkmal, unmittelbar unter dem Gipfel. Der Wind hat hier oben inzwischen Sturmstärke angenommen und wirft uns mit den großen Rucksäcken manchmal richtig hin und her. Gut, dass wir Wanderstöcke haben!

Oben angekommen, umrunden wir nur kurz das große Kriegerdenkmal und lassen uns vom Sturm dann vollends hinaufschieben, zur Radarkuppel mit der Aussichtsplattform. Dort ist es aber kaum mehr zum Aushalten und da wir ohnehin keine besondere Fernsicht haben, ziehen wir so rasch, wie möglich über den freien Gipfel hinweg, ins Lee.

Hinter der Kuppe lässt es sich dann wieder etwas besser aushalten und Claudia träumt bald laut von einem heißen Kaffee.
Womöglich mit einem Elsässer Heidelbeerkuchen und Sahne..?„, grinse ich sie an.
Woher weisch..?„, frotzelt sie in bestem Schwäbisch zurück. Tja, nach 35 Jahren Ehe kenne ich mein „Zornröschen“ eben.
Nur noch ein schnelles Foto hinunter, zum Lac du Ballon, dann streben wir rasch dem Hotel des Vogesen-Clubs, etwas unterhalb des Gipfels entgegen – Pause!

Im Clubhotel Vosgien (Eigentlich eher eine Juhee, als ein Hotel!) nimmt man kaum Kenntnis von uns, mit unseren großen Rucksäcken. Das scheint man hier also wirklich gewohnt zu sein. Und man hat – sehr zur Freude von Claudia – doch tatsächlich frischen Heidelbeerkuchen!

Während sie mit Heißhunger ißt, möchte ich selbst nur noch trinken, trinken, trinken. Das Apfelsaftschorle scheint im Glas buchstäblich zu verdunsten. Dann frage ich den Chef noch nach Wasser, denn wir müssen auch noch unsere Trinkwasser-Vorräte für die kommende Nacht ergänzen und wer weiß, ob wir heute noch ein weiteres Mal Gelegenheit dazu haben werden?

Sehr freundlich füllt er mir vier Liter in unsere Teeflaschen, nachdem er sie zuvor sauber ausgespült hat.
Dazu ist vielleicht noch zu bemerken, dass in allen französischen Lokalen das Trinkwasser (Eau de Table) gekühlt aus einem speziellen Zapfhahn an der Theke kommt.
Wir haben nun für heute also insgesamt vier eiskalte Liter Trinkwasser und noch einen weiteren Liter Tee zur Verfügung. Das sollte eigentlich reichen, zumal wir gerade gut getrunken haben. Allerdings bedeutet Wasser zu bunkern gleichzeitig auch immer das Gepäck-Gewicht zu erhöhen. Nun muss jeder von uns nämlich zwei Kilogramm mehr mitschleppen! (Der all-abendliche Wahnsinn..!)

Inzwischen macht draußen das Wetter aber deutlich zu und ich dränge zum Aufbruch. Eigentlich war die Vorhersage so, dass nur für morgen ein Regentag angekündigt ist, danach dann kühler, aber wieder freundlich. Nun scheint der Regen aber schon etwas früher zu kommen!
Wir überqueren vom Hotel aus die Straße und ziehen ihr entlang abwärts. Dann führt uns der Rotstrich wieder links in den Wald hinein. Hier folgen wir angenehm zu gehenden Pfaden immer weiter abwärts, allerdings macht sich die Beschilderung hier plötzlich so rar, dass die Orientierung zu einer echten, sportlichen Herausforderung wird. Ich habe nun nur noch die grobe Himmelsrichtung und die Hoffnung, auf dem richtigen Weg zu sein, damit später die Track-Aufzeichnung für diesen Bericht korrekt ist.

Irgendwann, wohl eine gute halbe Stunde später, erreichen wir dann die Ferme du Ballon, direkt neben der Gipfelstraße. Und hier ist auch endlich wieder eine Markierung des Vogesenkammweges, ich habe also richtig orientiert und ernte dafür viel Lob von Claudia.

Unterwegs waren schon die ersten Regentropfen gefallen und das Wetter zieht nun immer weiter zu. Und es ist auch schon deutlich nach 18.00 Uhr, Zeit also, sich langsam nach einem sicheren Plätzchen für die kommende Nacht umzusehen. Außerdem war der Abstieg vom Grand Ballon herunter genauso steil, wie der Aufstieg: 450 Höhenmeter sind wir inzwischen wieder heruntergestiegen und die Oberschenkel murren darüber deutlich!

Am Parkplatz des Firstacker erreichen wir dann die Sudel-Kapelle, eine Krieger-Kapelle, und Claudia legt ihren Rucksack ab, um einen kurzen Blick hinein zu werfen. Dann kommt sie fröhlich zurück und teilt mir mit, dass sich dort oben, direkt hinter den Bäumen, ein tolles Zeltplätzchen liegt. Das passt natürlich prima, da sich hier unten, direkt neben dem Parkplatz, auch noch eine gefasste Quelle befindet.

Wir ziehen also hinauf und bauen dort oben unser Zelt auf. Das dauert – durch unsere Routine – inzwischen nicht mehr lange. Trotzdem dämmert es schon, als wir endlich frisch gewaschen (durch die Quelle mussten wir dabei kein Wasser sparen!) im Zelt sitzen und eine heiße Asia-Suppe genießen. Dann fängt es aber auch schon kräftig an zu Schütten und wir liegen bald in unseren warmen Schlafsäcken und lassen uns von dem monotonen Geprassel auf dem Zeltstoff in den Schlaf wiegen. Ein tolles Abenteuer..!

16. Etappe: Col du Hahnenbrunnen – Le Markstein – Grand Ballon – Firstacker

16,8 Kilometer – 526 Höhenmeter im Anstieg – 731 Höhenmeter im Abstieg

Dauer: Mit Pausen ca 8 Stunden.

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



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