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Crêtes des Vosges – 13. Etappe

8 November 2010 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 13 von 19 in der Serie Der Vogesenkamm-Weg

Es war eine recht unruhige Nacht gewesen, da unser Wildschwein irgendwann noch einmal zurück gekommen ist. Dieses Mal begnügte ich mich damit, nur Licht zu machen, denn es musste unmittelbar vor dem Zelt stehen. Nur durch den dünnen Stoff von ihm getrennt, konnte ich es deutlich atmen hören!
Dann nahm ich aber auch wieder seine leisen Schritte im weichen Nadel-Teppich wahr, mit denen es sich entfernte. Und diesmal war es auch wirklich weg, wie ich kurz darauf persönlich feststellen durfte, weil ich unbedingt mal raus „musste“!

Als uns dann der Garmin weckt, will keiner so recht aufstehen. Beide sind wir kaputt, schließlich steckt uns nicht nur eine aufregende Nacht in den Knochen, sondern auch noch der gestrige Hammer-Tag! Der war – derart anstrengend – ja ursprünglich nicht geplant gewesen.

Aber es hilft nichts. Im Schein der Stirnlampe mache ich uns heißes Wasser für Kaffee und richte uns Brot und Käse hin. Dann sitze ich auch schon wieder über der Karte und sehe mir die heutige Etappe an. Erneut erwartet uns ein fröhliches Auf und Ab, aber natürlich nicht mehr zu vergleichen, mit dem gestrigen Tag.

Gott sei Dank, haben wir die 700 Meter Aufstieg von Ribeauville, hier herauf, gestern Abend noch absolviert!„, teile ich Claudia dann irgendwann meine Erleichterung mit. „Sonst hätten wir nämlich heute eine richtige Hammer-Etappe vor uns..!“ (Ich schätzte über den Daumen 1.500 Höhenmeter!) Heute geht es nämlich hinauf, zum Hauptkamm der Südvogesen.

Als ich das Zelt zum Packen der Rucksäcke verlasse, graut gerade der Morgen und am Horizont schiebt sich ein glühender Streifen, immer höher in den Himmel hinauf. Das Morgenrot – es ist völlig sternenklar!

Wir brechen wieder mit dem Büchsenlicht auf und sehen erst jetzt so richtig, wie wunderschön es hier oben, auf dem Koenigsstuhl ist: Gewaltige Felsen formen eine bizarre Landschaft. Dazwischen schlängelt sich ein traumhafter, schmaler Pfad, dick mit Nadeln gepolstert, durch den lichten Hochwald. Leider haben wir dadurch auch keine freie Sicht auf den Sonnenaufgang. Nur zwischen den Bäumen hindurch, können wir – hier und da – etwas von ihm erhaschen. Und wir sehen auch das dichte Wolkenmeer in den Tälern, dem wir gestern noch entronnen sind. Hätten wir dort unten geschlafen, dann wäre die Nacht ganz bestimmt um einiges feuchter, und damit natürlich auch deutlich kälter gewesen!

Wir machen noch einige Fotos, dann ziehen wir über den Kamm des Koenigsstuhls hinab, nach Aubure, dem höchstgelegenen Bergdorf des Elsass. Weil wir am Ortseingang einen Wegweiser übersehen, wandern wir versehentlich ins Dorf hinein und landen so direkt vor einem kleinen Tante-Emma-Laden, mit frischem Baguette und tollen Croissants. Wir sind begeistert und decken uns auch gleich noch mit Zucker, Tee, Käse und natürlich mit Wasser ein. Der kleine Umweg (gerade mal 250 Meter) hat sich wirklich gelohnt und auch die Stimmung ist nun wieder deutlich aufgehellt!

Von Aubure aus geht es dann wieder mal gute dreihundert Meter hinauf. Zuerst entlang einer Département-Straße, dann auf einem breiten Forstweg, der uns immer wieder tolle Tiefblicke, hinunter auf das Wolkenmeer, über der Rheinebene bietet. An einem Stapel gefällter Bäume machen wir eine kurze Rast und schießen erneut ein paar Fotos. Außerdem ziehen wir die leichten Windjacken aus, denn inzwischen ist uns schon wieder ordentlich warm geworden.

Kurz darauf entdeckt Claudia eine Gämse, die nicht weit von uns entfernt, friedlich frisst und sich dann – als sie uns bemerkt – ganz gemütlich verzieht.

Bald passieren wir nun die Schutzhütte am „Pierre des trois bans“, der Wegespinne am „Dreibannstein“ und machen uns an den Aufstieg zum Grand Brezouard (1.229m). Die Gipfel werden nun langsam höher.

Die Wege, über die unser Aufstieg führt sind zwar wunderschön, führen aber einmal mehr – steil und kontinuierlich – bergauf! Dabei saugen sie uns auch wieder die letzten „Körner“ aus den Beinen und als wir uns endlich oben wähnen, stellen wir fest, dass wir erst auf dem Gipfel des kleinen Brezouard sind und der „Grande“ immer noch vor uns liegt!

Allerdings sehen wir von hier aus etwa 200m hinüber, in den Sattel, und zu einer wunderschönen Schutzhütte. Diese ist gemauert, hat unten einen Holzboden mit Tischen und Bänken (und offenem Kamin!), und oben einen Dachboden, auf dem man wunderbar schlafen kann. Aber wie immer kommen solche tollen Übernachtungs-Gelegenheiten immer dann, wenn sie einem – von der Tageszeit her – nichts nützen.

Wir machen hier aber zumindest eine ausgedehnte Pause (mit frischem Baguette und Käse!) und ich koche uns auch noch frischen Tee.

Dann, nach ausgiebiger Rast und etwas Sonnenbaden, ziehen wir weiter, hinauf zum Grand Brezouard. Auch dort schießen wir noch ein paar Fotos, bevor es gleich wieder steil hinunter geht, nach Bonhomme. Etwa 300 Höhenmeter „vernichten“ wir so nun wieder, über schmale, idyllische Pfade, bis wir endlich unten stehen. Leider können wir aber auch hier nur nach Wasser fragen, bevor wir wieder weiter ziehen.

Mit „vollen Tanks“ geht es dann – wie könnte es anders sein – gleich wieder fast 300m steil hinauf, vorbei an einigen alten Bunkeranlagen aus dem ersten Weltkrieg, zum Etang du Devin, dem Hexenweiher.

Der all‘ abendliche Wahnsinn..!„, stöhnt Claudia irgendwann und kann dabei überhaupt nicht mehr lachen.

Erst in der Abenddämmerung erreichen wir den völlig zugewachsenen See mit seinem Schwimmrasen und beschließen ganz spontan, über Nacht hier zu bleiben. Neben dem Weg ist ein altes Gemäuer, wohl etwas improvisiert auch vom Club Vosgien als Schutzhütte benutzt, in dem wir unser Zelt aufschlagen. So kann das Zelt wieder einmal völlig durchtrocknen und vermittelt uns zusätzlich noch etwas Geborgenheit.

Schnell wird es dunkel und – so weit abseits von großen Städten – spannt sich ein unglaubliches Meer von Sternen über das Firmament. Seit langer Zeit können wir endlich wieder einmal die Milchstraße in voller Pracht sehen. Eine kühle, aber tolle Nacht!

Unser Fazit aus dem dreizehnten Tag: Ribeauvillé – Brézouard – Le Bonhomme, 24,0 km / 864 Höhenmeter.

Einmal mehr zeigt sich, mit rechtzeitig gebunkertem, Wasser und etwas Geschick bei der Vorratshaltung von Brot, Zucker und Käse/Dauerwurst, lässt sich viel Stress vermeiden. Sicher kann man auch noch auf viel Gewicht verzichten (Ultralight-Wandern), aber nur auf Kosten des Komforts. Und Claudia und ich wollen ja keine Überlebens-Training absolvieren, sondern (Trekking-)Urlaub machen!

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7 (Achtung! Die im Führer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind sie nicht einmal annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karten: Club Vosgien Carte N 4/8, 1:50.000


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