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Crêtes des Vosges – 11. Etappe

6 November 2010 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 11 von 19 in der Serie Der Vogesenkamm-Weg

Wir haben auch in dieser Nacht wieder hervorragend geschlafen und ziehen morgens pünktlich los. Es wird gerade erst richtig hell, als wir die neue Etappe unter die Füße nehmen.
Erst auf breiten Wegen, dann zunehmend auch über idyllische Pfade, kämpfen wir uns hinauf, zur Gruckert. Schon nach anderthalb Stunden haben wir die ersten 350 Höhenmeter hinter uns – der Farrenkopf lässt (einmal mehr!) grüßen!

Oben haben wir dann zwar eine passable Aussicht, aber wir sind auch ziemlich kaputt und das Wissen, dass dieser Anstieg nun gleich noch einmal für über 300 Höhenmeter – genauso steil – weiter gehen wird, nimmt uns hier jede Lust zu Fotografieren.

Oben auf der Gruckert (579m) ist ein Naturfreunde-Haus, das jetzt in der Nachsaison leider ebenfalls geschlossen hat. Aber wir haben Glück: Zwei Handwerker arbeiten im Haus und erlauben uns, in der Küche unsere Wasserflaschen aufzufüllen.
Bei diesen langen Anstiegen benötigen wir unglaublich viel Flüssigkeit. Jeder trinkt unterwegs(!) mindestens zwei Liter Tee pro Tag – ohne das zusätzliche Flüssigkeits-Volumen, morgens und abends. Der Tee läuft einfach „oben“ rein und „verdunstet“ dann buchstäblich über die Poren.

Nach einer kurzen Verschnaufpause verteilen wir die neuen Wasserflaschen brüderlich in den Rucksäcken und ziehen dann weiter, Richtung Col de l’Ungerberg auf 678m, bevor wir uns endgültig zum Ungersberg-Gipfel (901m) hinaufquälen. Zuerst also noch einmal 100 weitere Höhenmeter und dann gleich noch mal 220 weitere hinterher!

Ich hasse Wald..!„, sinniere ich irgendwann laut, um Claudia an ein – mit dieser Äußerung verbundenes – recht nettes Erlebnis, zu erinnern. Sie weiß natürlich ebenfalls sofort, was gemeint ist und muss gleichfalls schmunzeln! Eine kleine Aufmunterung, die einen doch mal kurz aus seiner Lethargie reißt.

Dann ungefähr einen weiteren Liter Tee, unzähligen, kurzen Verschnaufpausen im Stehen und dem Platzmachen für einen wirklich gut trainierten Mountain-Biker (im steilsten und schmalsten Wegstück) später, stehen wir endlich ebenfalls oben. Der Radler winkt uns noch einmal kurz zu und verschwindet dann schon wieder auf der anderen Seite der Berg-Kuppe. Er hat seine Pause bereits hinter sich.

Ich nehme Claudia den Rucksack ab, dann lassen wir uns nur noch auf eine Bank fallen um uns ebenfalls etwas zu erholen. Ich schaue zum Aussichtsturm hinüber, aber Claudia schüttelt auf meinen fragenden Blick nur den Kopf. Sie ist immer noch kräftig am „Pumpen“, was ich gut nachvollziehen kann, denn dieser Aufstieg war wirklich „Hammer-hart“!

Nach einem kurzen Vesper und einigen weiteren Schlucken Tee, zieht es uns dann aber doch noch hinauf. Nur von dort aus lassen sich nämlich die Bäume überblicken und über uns spannt sich ein wolkenloser, blauer Himmel. Und von oben haben wir dann auch eine tolle Fernsicht über die ganze Rheinebene, bis hinüber zum Schwarzwald.

Anschließend machen auch wir uns wieder an den Abstieg.  Über ziemlich rustikale Trampelpfade stolpern wir abwärts und vernichten so die gerade eben mühsam erarbeiteten Höhenmeter wieder völlig! Was soll’s..? Der Vogesenkamm-Weg macht seinem Ruf eben wirklich alle Ehre!

Der Abstieg geht uns inzwischen noch stärker in die Beine, als der vorhergegangene Aufstieg und es ist unglaublich: Auf den ersten 8 Kilometern haben wir uns erst 650 Höhenmeter hinauf gekämpft, und auf den nächsten 5,5 Kilometern dann gleich wieder 530 Höhenmeter hinunter – was für ein Wahnsinn..!

Man mag es vielleicht nicht glauben, aber trotzdem macht uns diese Tour immer noch großen Spaß und wir können die Landschaft, durch die wir wandern, durchaus genießen. Hier sind es gerade wieder überwiegend lichte Buchenwälder. Nur für das Fotografieren bleibt an solchen Tagen leider nur noch sehr wenig Kraft übrig…

Unten angekommen müssen wir den Kopf dann schon wieder in den Nacken legen: Zum Château du Bernstein geht es nämlich gleich noch einmal 200 Höhenmeter hinauf..!

Ich hasse Wald..!„, schmunzelt diesmal Claudia. Galgenhumor, denn wir wissen natürlich beide vom Kartenstudium her, was uns hinter dieser Burgruine erwartet: Weitere 350 Höhenmeter im Abstieg!

Aber zuerst machen wir oben noch eine weitere, verdiente Pause und ich koche uns auch gleich noch zwei Liter Tee. Inzwischen hat keiner mehr die Kraft, um zusätzlich auch noch auf den imposanten Burgturm aufzusteigen. Schade eigentlich, denn die Aussicht von dort aus wäre bestimmt toll gewesen.

Der weitere Weg zieht dann aber zuerst einmal ganz sachte bergab und ist noch recht angenehm zu gehen. Bis zur Ortenbourg, denn dann kommt es wieder knüppeldick: Auf zwei Kilometern vernichten wir erneut 250 Höhenmeter im Abstieg – 12,5% Gefälle! Und das dann auch noch auf trockenen, sandigen Pfaden mit viel Geröll! Eine Mountain-Bikerin steigt da auch lieber ab und ich bin einmal mehr froh, die Wanderstöcke dabei zu haben. In solchen Passagen schieben mich die 15kg Gepäck auf dem Rücken schon ordentlich bergab!

Wir passieren während dieses Abstiegs auch noch eine zweite Ruine (Ramstein) und stehen dann irgendwann – fix und fertig und mit kochenden Fußsohlen – unten an der geteerten Straße, im Villé-Tal.
Auf ihr durchqueren wir das Tal und halten uns anschließend, an der Hauptverkehrsstraße rechts, nach Châtenois.

An einem der letzten Häuser bitten wir noch um etwas Wasser, dann ziehen wir auf der anderen Seite des Städtchens wieder hinauf, in die Weinberge. Auf einer kleinen, grünen Insel, zwischen zwei Fahrwegen, schlagen wir endlich unser Zelt auf, als es bereits dunkel wird.

„Betten machen“, waschen, umziehen, essen und nur noch schlafen. Wir sind völlig kaputt..!

Unser Fazit aus dem elften Tag: Andlau – Col de l’Ungersberg – Châtenois, 27,6 Kilometer / 1.001 Höhenmeter.

Kartenstudium! Obwohl ich es von 12 Jahren Bundeswehr her eigentlich gewohnt bin, topographische (50.000er) Karten zu lesen und mich mit ihrer Hilfe im Gelände zu orientieren, unterschätze ich unsere Tagesetappen in den Vogesen regelmäßig!

Das liegt überwiegend an den hier verwendeten (französischen) Karten, die sich immens von den Deutschen unterscheiden! Immer wieder übersehe ich Straßen, weil sie nicht farblich von schmaleren Wegen abgehoben sind, oder suche markante Geländepunkte vergeblich, weil sie überhaupt nicht eingezeichnet sind!

Die 1:25.000er Karten des Club Vosgien sind da deutlich genauer und vor Allem auch viel aktueller(!), wie ich inzwischen feststellen durfte. Damit benötigt man jedoch auch die doppelte Anzahl an Karten für die gesamte Strecke, was dann nicht nur deutlich teurer, sondern auch doppelt so schwer ist, weil man natürlich auch viel mehr Papier mit sich schleppen muss! 

Aber hier noch ein ganz persönlicher Tipp: Auch wenn der Vogesenkamm-Weg durchweg gut beschildert ist, auf gar keinen Fall völlig auf Karten verzichten!

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7 (Achtung! Die im Führer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind die nicht einmal annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karten: Club Vosgien Carte N 4/8, 1:50.000


Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


Größere Kartenansicht 


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