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Crêtes des Vosges – 10. Etappe

4 November 2010 Kein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 10 von 19 in der Serie Der Vogesenkamm-Weg

Obwohl es gestern Abend noch völlig sternenklar war, regnet es auch in dieser Nacht einmal kurz. Wir schlafen auf dem weichen Nadelboden aber wie im siebten Himmel und erst der Wecker holt uns aus dem Schlaf – es ist dreiviertel Sechs! Draußen ist es noch dunkel, als ich uns ein kleines Frühstück zubereite und Claudia einen heißen Kaffee reiche. Dazu gibt es den Rest Baguette von gestern, heute ausnahmsweise mal mit französischem Streichkäse.

Es ist auch noch völlig dunkel, als wir unsere Ausrüstung packen. Schon im ersten Morgengrauen brechen wir dann auf und als wir den Andlau-Wasserfall (Cascade de l’Andlau) passieren, ist es immer noch so düster, dass ich die Kamera auf dem Geländer auflegen muss, um überhaupt ein Foto schießen zu können. Auch Claudia steht dazu als „Fotomodell“ wieder einmal bewegungslos neben dem Bachbett. Aus dem kleinen Rinnsal, das wir gestern Abend frei gegraben haben, ist inzwischen ein stattlicher Bach geworden.

Unser Ziel für heute ist es, etwas an „Strecke“ aufzuholen, um unser Ziel – den Crêtes des Vosges in 18 Tagen zu bewältigen – doch noch zu erreichen. Dazu müssen wir heute aber unbedingt über Barr hinaus wandern. Es gilt, bis nach Masevaux, noch einen ganzen Wandertag aufzuholen, denn derzeit hängen wir sogar etwas hinter den Vorgaben des Rother-Wanderführers zurück, der die Vogesen-Tour in 19 Tagesetappen beschreibt. Da unser Garmin – mit dem wir alle Tagesetappen aufzeichnen – aber nur in der Lage ist, 18(!) Tracks zu speichern, wollen wir das Abenteuer unbedingt auch in dieser Zeit schaffen. Zu Beginn unserer Trekking-Tour haben wir, bedingt durch das schlechte Wetter, leider doch viel mehr Zeit verloren, als uns lieb ist.

Aber noch ist alles im „grünen Bereich“ und wir sind recht guter Dinge, diese verlorene Zeit – verteilt auf die verbleibenden 9 Tage – wieder aufzuholen. Inzwischen hat sich auch unser Körper schon viel besser an die Strapazen gewöhnt und es fällt uns daher auch deutlich leichter, die dazu erforderlichen, größere Tagesetappen zu bewältigen.

Nach einem Abstieg von 300 Höhenmetern, passieren wir das kleine Städtchen Le Hohwald, einen hübschen Bergurlaubsort, und machen uns dahinter dann gleich wieder auf den langen Anstieg, hinauf nach Mont Sainte-Odile, einem bekannten Kloster.

Der Weg führt uns – über Welschbruch und Kleinberg – sofort wieder 200 Höhenmeter bergauf, bevor er dann, in leichtem Auf und Ab hinüber zieht, zum Kloster.

Auch wenn die Pfade hier recht angenehm zu gehen sind, spüren wir unsere Muskeln doch deutlich. Allerdings werden wir immer wieder abgelenkt, von bizarren Sandsteinformationen, die hier überall „verstreut“ liegen. Leider ist das Licht wieder einmal so, dass man die Kamera eigentlich lieber gar nicht erst heraus holen möchte!

Wir beratschlagen auch bald, wie wir uns am Besten auf einen möglichen Schauer vorbereiten. Beide blicken wir inzwischen nämlich immer häufiger zum Himmel hinauf, der immer grauer wird. Was in Saverne geschah, wollen wir lieber kein zweites Mal erleben und so legt sich jeder – in Gedanken – seine Handgriffe zurecht, mit denen er einem Regenguss begegnen möchte.

Das ist schon irgendwo amüsant, schließlich könnte man die Regenkleidung ja auch gleich anlegen und wäre dann auf alles vorbereitet. Aber nein, es ist ziemlich schwül und darunter würde man ja auch wieder heftiger schwitzen und wäre dann vielleicht bald genauso nass, wie in einem richtigen Regenschauer! Also lieber wachsam bleiben und die ersten Anzeichen von Regen abwarten.

Und dabei haben wir dann auch einmal so richtig Glück: Wir treffen gegen halb zwei, oben im Kloster Mont Sainte-Odile ein und schließen gerade die Türe des Restaurantes hinter uns, als draußen der Himmel seine Schleussen öffnet. Hinter uns schüttet es wie aus Kübeln!

Lachend nehmen wir uns gegenseitig die Rucksäcke ab und werden dann von unseren holländischen Wanderfreunden begrüßt, die hier ebenfalls gerade Pause machen. Wir holen uns an der Selbstbedienungstheke Bratwürste, Pommes und Salat „uuund“: Ein großes, natur-trübes Bier – das Erste auf der ganzen Tour! Dann setzen wir uns mit den Tabletts zu ihnen und tauschen – neben dem Essen her – unsere bisherigen Erlebnisse aus.

Die Würste sind zwar nichts Besonderes, die Pommes nur lauwarm und der Salat auch schon etwas „lahm“, aber es ist unsere erste, richtige Mahlzeit, seit wir unterwegs sind und mein Bier wiegt das ohnehin alles auf!

Anschließend riskiere ich einen prüfenden Blick hinaus und entscheide mich lieber noch für zwei Tassen Kaffee mit Croissants. Die waren dann auch original französisch und mal so richtig gut!

Herz, was willst du mehr..?„, frage ich Claudia lachend und bekomme natürlich sofort die richtige Antwort: „Dass der Regen aufhört..!

Aber selbst Petrus scheint nun ein Einsehen mit uns zu haben, denn ich sehe draußen – im Klosterhof – plötzlich keine Schirme, und auch keine hochgezogenen Kapuzen mehr. Es hat tatsächlich aufgehört!

Claudia möchte noch kurz in die Kloster-Kapelle sehen und ich erfülle ihr diesen Wunsch. Dann trennen sich unsere Wege wieder, denn unsere holländischen Wanderfreunde wollen von hier aus einen anderen Weg wählen. Aber wir werden uns unterwegs noch einmal treffen, wissen wir, um uns von ihnen zu verabschieden.

Dann machen wir uns an den Höllenabstieg, hinunter nach Barr. 730 Höhenmeter gilt es nun zu „vernichten“ und das auf nur 6,8 Kilometer Strecke! 10,7 Höhenmeter pro einhundert Meter Strecke, rechne ich mir nebenher aus, das sind volle 10,7% Gefälle, über fast 7 Kilometer!

Schon seltsam, über was man unterwegs manchmal so nachdenkt. Aber man kann seine Gedanken ja auch nicht einfach abschalten!

„Petite Kiosk“, heißt die hübsche Abris, an der wir uns dann noch einmal wiedersehen. Sie hat sogar eine eigene, gefasste Quelle und wäre wirklich verführerisch gut, um in ihr zu übernachten. Aber meine Augen begegnen Claudia’s fragenden Blick mit einem deutlichen: „Nein!“ Wir müssen unbedingt unser Tagesziel erreichen – denn die 18 Tage sitzen uns im Nacken!

In Barr angekommen, kochen uns dann unsere Fußsohlen wieder mal mächtig! Aber mit diesem Abstieg noch nicht genug, haben wir nun gleich auch noch einige Kilometer Asphalt vor uns: Von Barr aus geht es  nämlich – über Mittelbergheim – durch die Weinberge, hinüber nach Andlau!

Wir durchqueren das hübsche Städtchen Barr auf seinen Kopfsteinpflaster-Sträßchen und finden eine kleine Bäckerei, mit einer sehr freundlichen Inhaberin. Die verkauft Claudia (ebenfalls gelernte Bäckerei-Verkäuferin) nicht nur ein frisches Baguette, sondern füllt ihr auch gleich noch alle Wasserflaschen auf! Grenzüberschreitend kollegial!

Dann ziehen wir wieder los und sind – endlich in Andlau angekommen – so kaputt, dass wir das Weinstädtchen nur noch verlassen und schon wenige hundert Meter außerhalb, auf einer Wiese am Waldrand, unser Zelt aufschlagen. Aber wir haben immerhin unser heutiges Etappenziel erreicht und das ist ein schönes Gefühl!

Waschen und umziehen, dann essen und noch eine heiße Tasse Tee. Anschließend schlafen  – mehr liegt heute nicht mehr an..!

Unser Fazit aus dem zehnten Tag: Le Hohwald – Mont Sainte-Odile – Barr – Andlau; 28,2 Kilometer / 544 Höhenmeter.

Trekking-Touren stets langsam angehen um dem Körper Gelegenheit zu geben, sich an die ungewohnte Anstrengung zu gewöhnen. Nach wenigen Tagen kann man dann auf seine volle Leistungsfähigkeit zurückgreifen. Wichtig ist dafür aber auch die Körperpflege: Täglich das Salz von der Haut waschen um Entzündungen zu vermeiden und die Füße mit Fett eincremen. Blasen schon im Ansatz(!) mit Basenpflaster behandeln und drückende Zehnägel regelmäßig nachschneiden (sie wachsen unterwegs sehr schnell!). Und auch noch ein Tipp aus Bundeswehr-Zeiten: Morgens niemals frische Socken anziehen, das gibt todsicher Blasen! (Also immer ein Paar bereits einmal getragene in Reserve haben!)
Nagel-Knipser, eine kleine Nagel-Zange und ein Hornhaut-Hobel gehören genauso ins Gepäck, wie eine kleine Hautschere (Blasen!), Blasenpflaster und Fußcreme! Diesbezüglich lieber nicht am falschen Ende Gewicht sparen wollen!

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7 (Achtung! Die im Führer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind sie nicht einmal annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karten: Club Vosgien Carte N 4/8, 1:50.000


Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


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