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Crêtes des Vosges – 1. Etappe

18 Oktober 2010 2 Kommentare

Nächster Halt – Weißenburg..!„, ist die ausschließlich deutsche Durchsage im Regionalzug und man hat auch sonst kaum das Gefühl, in Frankreich zu sein! Um halb neun steigen wir aus und schultern unser Gepäck.
Die ersten Hinweisschilder auf den Vogesenkammweg GR 53/GR 5 (Rotstrich), finden wir gleich vor dem Bahnhof! Er ist anders markiert, als der Westweg, aber keinesfalls schlechter. Theoretisch könnte man ihn auch völlig ohne Karte absolvieren (Was wir jedoch nicht empfehlen möchten!).

Die ersten 30 Minuten führen uns durch Wissenbourg hindurch und damit ganz zwangsläufig über Asphalt. Trotzdem erkennt man schon hier die Bemühung, die Wegführung immer möglichst interessant verlaufen zu lassen (Parks/Festung).

Noch innerhalb von Wissembourg steigt der Weg kontinuierlich an und zieht am Ortsende dann zielstrebig durch Streuobst-Wiesen hinauf, zu den Kammwäldern, oberhalb des hübschen Patricier-Städtchens.

Leider verlaufen diese ersten Kilometer immer in Hörweite einer Straße, die heute (Sonntag) jedoch nur spärlich befahren ist. Aber schon hier gibt es viele Esskastanien-Bäume (Elsässisch: Kästen), die jetzt im Herbst brechend voll sind. Bald wird unser Weg dann jedoch zum Pfad und führt in den Wald hinein und das freundliche „Bonjour..!“ vieler Jogger bestätigt uns, dass wir endgültig in Frankreich angekommen sind!

Bald sind wir völlig begeistert von den tollen Trampelpfaden, die uns durch ausgedehnten Kiefernwälder führen. Zudem wachsen hier massenhaft Pilze! Genau so hatten wir uns den Crêtes des Vosges gewünscht! Und als wir dann auch noch eine erste Abri (Refuge de la Scherhol) des Clubs Vosgien erreichen, ist Claudia völlig aus dem Häuschen und trägt uns spontan ins Hüttenbuch ein:
Rainer & Claudia waren hier..!“ So eine tolle, trockene Unterkunft würden wir uns natürlich auch für heute Abend wünschen. Aber es sollte anders kommen..!

Wir folgen nun dem Weg bis hinauf, zum Col du Litschhof, wobei ein gutes Stück der Strecke leider wieder über die schmale, geteerte Bergstraße führt. Hier trennt sich der Vogesenkammweg dann aber von der Straße und führt uns hinauf, zu den Ruinen Hohenburg und Loewenstein. (Auf die Holzschilder achten!)

Noch haushalten wir nicht allzu sehr mit unseren Kräften und besteigen daher auch noch das beeindruckende Buntsandsteinriff der Ruine Loewenstein. Leider ist oben die Aussicht heute jedoch durch die Bewölkung etwas begrenzt, trotzdem haben wir einen tollen Blick auf die kommenden Gipfel, und auch zurück, in die Pfalz.

Der Abstieg führt dann, vorbei an einem kleinen Fischweiher (Baden verboten!) wieder hinauf, in Richtung Froensbourg. Dort ist eine Abri in der Karte verzeichnet, die unser heutiges Tagesziel sein soll. Neben dem Zufluss des Fischweihers sind in der 50.000er Karte zudem auch noch einige Quellen eingezeichnet, an denen ich schon vorab geplant habe, unsere Wasservorräte zu ergänzen.

Nachdem ich das schwere Gepäck abgelegt habe, suche ich nach ihnen und werde schnell fündig. Nur ein paar Meter neben dem Weg sprudelt (von unten!) klares, eiskaltes Quellwasser in einen flachen, sauberen Sandtrichter. Obwohl der Durchmesser des natürlichen Beckens nur etwa einen Meter beträgt, ist der Wasserdruck aus dem Boden so stark, dass ständig neue Sandblasen am Quellgrund entstehen. Fast sieht es so aus, als ob das Wasser dort unten kochen würde!

Mit der Hand vergrößere ich den Abfluss-Kanal etwas, damit Blätter und Mulch von der Strömung mitgezogen werden, dann fülle ich unsere Pet-Flaschen mit kristallklarem und sehr wohlschmeckendem (weil chlorfreiem!) Quellwasser. Claudia, die so etwas noch nie erlebt hat, ist völlig fasziniert. Leider war dort das Blätterdach der Bäume jedoch so dicht, dass es – in Verbindung mit der dichten Bewölkung – ein Fotografieren unmöglich machte!

Mit 4 Liter Wasser zusätzlich bepackt, machten wir uns dann an den Aufstieg, hinauf in Richtung Froensbourg, zur Schutzhütte. Die Zeit haben wir dabei recht gut kalkuliert, denn wir erreichen die Ruine in der Dämmerung. Leider war ist aber die angestrebte Schutzhütte, die eigentlich schon vor der Burgruine eingezeichnet ist, nicht (mehr?) vorhanden. Einen Augenblick lang überlegen wir noch, ob wir innerhalb der Ruine zelten sollten, denn der Platz wäre sehr geeignet – weich und eben. Zudem ist hier oben – um diese Zeit – wohl auch niemand mehr zu erwarten!

Claudia plädiert jedoch für die zweite Schutzhütte, zu der (laut Rother Wanderführer) „der Rotstrich bequem hinüber leitet..!“

Pardon, aber einen solchen Blödsinn habe ich bisher in noch keinem Wanderführer gelesen, denn nach anderthalb Stunden – inzwischen mit Stirnlampen auf einem gefährlich schmalen Pfad durch eine steile Halde balancierend – geben wir die Suche auf und schlagen unser Denali II eben direkt neben einem breiten Forstweg auf. Inzwischen sind wir beide nämlich völlig fertig! (Zur Info: Von hier aus benötigten wir am nächsten Tag dann nochmal eine volle, weitere Stunde, um die beschriebene Hütte endlich zu erreichen!)

Nach einer warmen Suppe schlüpfen wir in die Schlafsäcke und schon kurz darauf bin ich eingeschlafen. Wir haben das Zelt auf einem dicken Laub-Teppich errichtet und schlafen daher warm und weich gepolstert. Claudia erzählt mir am nächsten Morgen nur, dass irgendwann wohl noch zwei Jäger am Zelt vorbei gelaufen sind, ohne sich an uns zu stören! Ich habe sie nicht mehr gehört..!

Unser Fazit: Ein toller Einstieg in den Vogesenkammweg/GR 53. Der Crêtes des Vosges ist im Norden als GR 53, in den mittleren und südlichen Vogesen dann als GR 5 ausgeschildert. Schon gleich zu Beginn wird – durch die teilweise kräftigen Anstiege – eine gute(!) Grundkondition gefordert! Zudem muss – vor allem bei Nässe – Trittsicherheit zwingend vorhanden sein! Unbedingt auch an ausreichend Vesper und Getränke denken, da unterwegs kaum Einkehr-Möglichkeit besteht!

Achtung: Wer diese Strecke als Trekking-Tour unter die Füße nimmt, der muss unbedingt dazu bereit sein, Wasser auch aus Quellen und Brunnen zu trinken, da man sonst kaum ausreichend Wasser findet! Und nicht vergessen: Der Vogesenkammweg ist (aufgrund der immensen Höhenmeter in Anstieg und Abstieg!) als „schwarze Tour“ ausgewiesen und diesbezüglich auch nicht mit dem Westweg im Schwarzwald vergleichbar!

1.Etappe: Wissembourg – Fleckenstein – Obersteinbach

27,0 Kilometer – 999 Höhenmeter im Anstieg – 774 Höhenmeter im Abstieg

Empfohlener Wanderführer: Rother, Vogesen. ISBN 978-3-7633-4018-7 (Achtung! Die im Führer und auf Schildern an der Strecke angegebenen Wanderzeiten sind mit „Vorsicht“ zu genießen! Wir dachten manchmal, dass diese Zeiten wohl beim „Joggen“ ermittelt worden sind, denn mit großem Gepäck sind sie meist nicht annähernd zu erreichen!

Empfohlene Karte: Club Vosgien Carte N 2/8, 1:50.000


Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


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Crêtes des Vosges – 2. Etappe

2 Kommentare »

  • Susanne Alexi sagt:

    Hallo Claudia und Rainer,
    nachdem ich schon lange Fan eurer Wanderberichte bin, lese ich diesen hier heute nochmal mit besonderer Rührng, weil gerade zurück vom Teilstück Wissembourg-Saverne :-). Mein Freund ist weiter unterwegs bis Masevaux, so verfoge ich quasi anhand eurer Berichte seine vor im liegende Strecke :-). Ich kann jeden Satz von euch nur unterstreichen und es ging uns ganz genauso… was das große Gepäck betrifft, haben wir dabei allerdings ordentlich abgespeckt, statt Zelt Ultraleicht-Tarp, leichte Schlafsäcke usw. Aber mit Verpflegung kommt natürlich trotzdem einiges zusammen und unsere Bruttogehzeiten waren auch länger, als die im Reiseführer angegeben, den ich trotz alledem lesenswert und hilfreich fand :-). Für eure zukünftigen Touren alles Gute und einen ganz herzlichen Dank für euren tollen Blog!

    LG, Susanne

  • Bernhard Haarhaus sagt:

    Hallo Claudia und Rainer,

    wir waren bis gestern auf dem Treck von Wissenbourg nach Sarverne unterwegs. Von 2010 bis heute hat sich die Tour um einiges geändert. Wir waren zu dritt und mit einem Hund Rotherführer und GPS Gerät unterwegs. Unser Gepäck bestand aus einem Einmannzelt,einem Zweimannzelt sowie Verpflegung für 5 Tage. Für die Strecke haben wir uns genügend Zeit gelassen (7 Tage) und somit empfanden wir die von Euch beschriebenen Anstiege/ Abstiege als normale Schwarzwaldanstiege. Unsere Laufzeit begann um ca.9:00 Uhr enthielt eine Mittagspause und endete um ca. 18:00-19:00 Uhr. Die von Euch nicht gefundene Schutzhütte bei der Ruine Froensbourg gibt es, wir haben Sie von der Ruine aus gesehen und sind nochmal 10 Minuten zurück gelaufen und haben super darin übernachtet.
    Es gibt zwar ein paar Unstimmigkeiten zum Führer und der jetzigen Route aber da sollte sich der Rotherverlag mit dem Vosges Club zusammensetzen.
    Im großen und ganzen haben wir die Strecke mit unseren 15 Kg Rucksäcken problemlos gemeistert und können eurem Blog nicht ganz zustimmen.

    Gruß Bernhard

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