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Bei den Smaragdeidechsen am Kaiserstuhl

6 Mai 2013 7 Kommentare

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Es ist allgemein bekannt, dass es am Kaiserstuhl noch eine relativ große Population von Smaragdeidechsen gibt. Und wer weiß, wo er nach ihnen zu suchen hat, wird wohl auch in den meisten Fällen fündig werden. Nur warm muss es dazu sein, und man sollte natürlich unbedingt auch vor dem großen Rann, der Ausflügler vor Ort sein. Denn streifen die erst einmal durch die sonnigen Hänge, ziehen sich die scheuen Tiere rasch zurück..!

P1060576Es ist Sonntag und der erste, wirklich warme Tag im Mai. Ich habe Claudia versprochen, mit ihr an den Kaiserstuhl zu fahren und im Gegenzug dafür ihr Okay erhalten, dort auf (Foto-)Pirsch nach Smaragdeidechsen zu gehen. Sie liebt diese Kleinode unter den einheimischen Reptilien ebenfalls, vor allem jetzt, wo die Männchen ihre ausgeprägte Hochzeitsfärbung tragen: Den intensiv blaugefärbten Kopf. Schon lange schwebt mir vor, darüber einmal in unserem Blog zu berichten.
Wer wandern geht, der möchte zu Fuß gerne von A nach B kommen, und das natürlich möglichst zügig. Verlegt man die Priorität unterwegs jedoch auf Fotos von scheuen Echsen, dann ist es mit dem üblichen Kilometer-Schruppen rasch vorbei: Vielmehr geht man nun ganz langsam an den exponierten Plätzen vorbei, die Kamera mit dem großen Tele und Stativ immer schußbereit! Und ist ein Tier ausgemacht, wird man noch vorsichtiger:

IMG_1558 Jetzt nur keine hastigen Bewegungen mehr machen und unbedingt darauf achten, dass nicht aus Versehen der eigene Schatten auf das Tier fällt! Ganz langsam, wie in Zeitlupe nehme ich die Kamera von der Schulter und klappe das Stativ auf. Läßt mich die Echse dabei gewähren, dann habe ich meist gewonnen, denn mit dem 100-400mm-Tele hole ich sie mir nun formatfüllend heran, ohne sie dabei noch weiter zu bedrängen!
IMG_1554Morgens, wenn die wechselwarmen Tiere noch etwas steif von der Kühle der Nacht sind, dann bleiben sie erfahrungsgemäß länger liegen als später, wenn sie bereits genügend Wärme getankt haben, um aktiv zu sein. Und da kommen dann auch noch die immer neugierigen „Wander-Freunde“ hinzu, die sich gerne und möglichst immer in ganzen Trauben, hinter jedem aufgestellten Stativ versammeln, um dann – am Liebsten auch noch alle gleichzeitig – mit durch das Okular der Kamera zu sehen. Dann ist es mit der Fotopirsch eigentlich vorbeit:

Hach Martha, da war gerade noch eine ganz große Eidechse – jetzt ist sie aber weg..!

Solche, oder ähnliche Sprüche bringen mich immer nur dann zum Schmunzeln, wenn ich schon alles im Kasten habe! Also: Einfach nur früher da sein, wie die „Wanderfreunde“ – dann hat man dafür stets lange genug Zeit!

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Trotz aller Vorsicht und Mühe, finden wir am Badberg heute morgen aber nur zwei Smaragdeidechsen. Dann wird es auf den Wegen bereits zunehmend voller und am zweiten, uns bekannten Standort, ist (später, als wir ihn erreichten) schon viel zu viel Betrieb, um noch auf weitere Echsen hoffen zu können!
IMG_1537Das liegt einfach daran, dass wir unterwegs immer wieder aufgehalten werden. Wer hier nämlich, mit offenen Augen durch die Natur streift, der findet auch immer wieder Dinge, mit denen er eigentlich gar nicht gerechnet hat! So sehe ich beispielsweise in einem Erdloch, in dem ich eigentlich eine Eidechse vermutete, eine Bewegung und bin dann hocherstaunt, als da plötzlich „nur“ eine große Feldgrille hervor gekrabbelt kommt! Und da ich bereits schußbereit bin, drücke ich natürlich auch ab..!
Und dann sind da auch noch die unzähligen Blüten, Pflanzen, (Mai-)Käfer, Raupen und Schmetterlinge, die ich hier aus Platzgründen gar nicht alle aufzeigen kann. Aber ich vermag vielleicht doch den Einen oder anderen Leser darauf aufmerksam zu machen, dass es vielleicht auch einmal sehr interessant sein könnte, unterwegs mal kurz innezuhalten und etwas genauer hinzusehen, als immer nur Kilometer zu „machen“!

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Wir folgen vom Parkplatz am Badweg aus dem breiten Weg, vorbei an der kleinen Thermal-Quelle (direkt links neben dem Weg!), nach Vogtsburg. Hier ziehen wir links hinauf, halten uns dann an der Wegegabel aber rechts, in der Hoffnung, hier noch weitere Eidechsen zu finden. Leider ist uns dabei jedoch kein Glück mehr beschieden, so dass wir recht zügig das Ende des lieblichen Tales erreichen und dann über den oberen (mittleren!) Weg wieder zurück-streifen, zum hübschen Rastplatz mit Tisch und Bänken. Von hier oben aus können wir nun sowohl nach Vogtsburg, als auch direkt zum Winzerörtchen Schelingen hinunter sehen. Ein paar Minuten Rast und ein Schluck von Claudia’s Tee weckt wieder frische Lebensgeister.

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Allerdings beobachte ich inzwischen schon mit ziemlich zwiespältigen Gefühlen die großen Wandergruppen, die oben über die „Schellinger Alpen“ ziehen, wie dieser Teil des Kaiserstuhls auch gerne genannt wird. Dort, wo viele (laute) Menschen sind, da hat es (im Allgemeinen) nur noch wenig Tiere. Ausnahmen bestätigen aber natürlich auch hier die Regel. IMG_1674Oben am Badberg angekommen, fällt mir nämlich sofort der große, zartgelbe Schmetterling auf, der direkt zwischen den einzelnen Wanderern herumflattert, und den komischerweise niemand zu beachten scheint: Ein wunderschöner Schwalbenschwanz!
Als ich bemerke, dass die Wanderer gerade alle im Begriff sind abzuziehen, lasse mir von Claudia das große Telezoom (100-400mm) aus meinem Rucksack reichen. Etwas neben dem Weg warte ich dann ruhig ab, und beobachte nur noch diesen wunderschönen Schwalbenschwanz.
Standorttreu flatter er zuerst noch eine Weile hin und her, dann habe ich das Glück des Tüchtigen: Er fliegt direkt auf mich zu und setzt sich dann, nur etwa zwei Meter von mir entfernt, ins Gras. Ich nehme die Kamera hoch und sehe ihn nun fast formatfüllend im Sucher. In diesem Moment öffnet er die Flügel und bleibt dann genau so vor mir sitzen! Was für ein Motiv..! (Bild unten!)

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Ich bin überglücklich! Die minimale Unschärfe in seinen Flaum-Hährchen kann ich mir verzeihen. Sie kommt durch den Wind, der hier oben immer recht frisch weht. Und auch, dass mich dann ein etwas sehr belehrend auftretender „Freizeit-Naturschützer“ des Schwarzwaldvereins die zwei Meter auf den Weg zurück-zitiert, kann mich nun nicht mehr belasten! Ein freundlicher Biologe, der den Vorfall beobachtet hat, schüttelt auch nur still den Kopf und fragt mich dann anschließend höflich, ob er die Bilder vieleicht mal sehen darf. Dann klopft er mir auf die Schulter und schmunzelt still vor sich hin.

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Nun halten wir uns links und verlassen somit die „Rennbahn“ über den Kamm. Wir folgen dem steilen Wanderpfad hinunter, in Richtung Wassertret-Stelle. Auf halber Höhe folgen wir dann aber gleich wieder dem extrem steilen Hohlweg, rechts hinauf, zum Querweg nach Oberbergen. Dort angekommen, muss ich dann erst mal kräftig durchatmen und auch Claudia ist ordentlich am „Pumpen“! Dieser Stich hat es wirklich in sich! Dafür geht es nun aber fast eben über einen wunderschönen Graspfad weiter. Auch hier hat es erfahrungsgemäß viele Smaragdeidechsen. Heute tummeln sich hier aber eher die Botaniker und machen uns auf etwas ganz anderes aufmerksam, das noch viel seltener ist, als Smaragdeidechsen: Brand-Knabenkraut und „Affen-Knabenkraut„!

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Ich kann zunächst überhaupt nichts mit diesem Begriff anfangen, bis mich eine Biologin auf die Form der einzelnen Blütenblätter dieser Orchidee im Detail aufmerksam macht. Und die haben doch tatsächlich die Silhuetten von Affen – Kopf, Arme, Beine und Schwanz, alles ist dran! (Siehe rechtes Bild, oben!)
Nun sind wir so richtig satt! Diese Raritäten wiegen die fehlenden Smaragdeidechsen natürlich bei Weitem auf! Und wie sooft, kommt es manchmal eben ganz anders, als man denkt! Aber auch dieser Tag war wieder ein unglaubliches Erlebnis für uns…

Unser Fazit: Der Kaiserstuhl hat Naturfreunden in jeder Jahreszeit viel zu bieten, wenn man sich nur die Mühe macht, genauer hinzusehen. Und manchmal braucht man halt auch ein wenig Glück, oder jemanden, der einen auf bestimmte Details aufmerksam macht!

Strecke: „Nur“ 6,6 Kilometer mit 312 Höhenmeter in Anstieg und Abstieg, Zeit: ??? (Das muss hier jeder für sich selbst entscheiden!)

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]

HD-Kaiserstuhlrunde


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7 Kommentare »

  • Elke sagt:

    Sehr schön, dass ihr außer der Echse auch noch diese Seltenheit gefunden habt. Demnach hat sich eure Tour mehr als lohnend erwiesen.

    Sehr schöne Aufnahmen, etwas neidvoll auf das Objektiv schiel 🙂

    Liebe Grüße
    Elke

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Elke, ja wir hatten wohl das Glück des Tüchtigen! 🙂 Und zugegeben, das Objektiv macht wirklich Spaß, ist aber auch entsprechend schwer im Rucksack..!

  • Jörg Rapp sagt:

    In ihrem Buch „Im Zeichen der Stille“ beschrieb eine französische Kulturwissenschaflerin, welchen Kult Chinesen mit Grillen haben.
    Sie halten diese förmlich für Singwettbewerbe in kleinen Käfigen und gehen mit diesen spazieren.

    Wer jetzt aufmerksam ist, kann anhand von Bewegungen an der Feldoberseite frisch bearbeiteter Flächen erkennen, dass sich darunter nicht nur Badische Lumpe (Lubrici badensis), unsere Riesenregenwürmer entlangwinden, sondern auch ab und zu eine Werre orten, eine Maulwurfsgrille, die wiederum Jagd auf Würmer macht.

  • Ulrike sagt:

    Wow der Kaiserstuhl ist wirklich ein interssantes Wandergebiet !

    Heute war ich auf dem Badberg wollte doch mal die kleinen scheuen Tiere wie die Smaragdeidechsen entdecken doch das Wetter war zu kühl aber die tolle Aussicht habe ich genossen. Von Ihringen bin ich gestartet ins Liliental- Lilienhof von dort aus ging es auf den Neunlindenturm mit grandioser Aussicht in die Vogesen, Rheinebene, Schwarzwald und sogar bis nach Straßbourg, weiter über Scheibenbuck nach Badberg. Dort angekommen war ich Happy denn es hat auf dem ganzen Wanderweg nicht geregnet, ab und an hat sich die Sonne blicken lassen.
    Dann ging es nach Oberrotweil zum Bahnhöfle mit der Kaiserstuhlbahn wieder nach Hause *feu*.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Ulrike,
    ja der Kaiserstuhl hat es als Wandergebiet (in jeder Beziehung) in sich! Noch nie hatten wir einen solchen Muskelkater, wie nach der Krater-Umrundung..! 🙂

  • Frank sagt:

    Hallo Rainer,

    sehr schöne Aufnahmen! besonders von der Maulwurfsgrille. Vielen ist überhaupt nicht bewußt, welche Meisterbauwerke diese Grillenart erschaffen kann. Leider wird sie oft nur als „Plage“ gesehen.

    Ich würde mich sehr interessieren, ob du weitere Nahaufnahmen der gemacht hast. Ist zwar schon etwas länger her dein Beitrag.

    Aber ich bin mir sicher, dass Du deine Aufnahmen gut archivierst.
    Bezüglich der Smaragdeidechsen muss ich gestehen, dass ich nicht wußte, dass es noch Landschaften gibt diese dieses sehr schöne Tier beherbegen. Wunderbare Fotos, werde mich mal gleich schlau über diese Tierart machen.

    Danke für den tollen Beitrag

    Gruß

    Frank

  • Heinz Lutz-Kretzberg sagt:

    ….. wie sagt man … der frühe Vogel fängt den Wurm (macht die guten Bilder )

    Ich war so um 2000 mehrmals da, aber mehr Beruflich, hatte eigentlich nur in der Feierabendzeit zeit für die Natur… aber die Erinnerung bleibt.
    wieder mal ein schöner und interessanter Bericht.

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