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Bärlauch sammeln – ohne „Reue“..!

27 April 2010 4 Kommentare

Es ist jedes Frühjahr wieder dasselbe: man freut sich auf ganz frische, am Besten selbst gepflückte Kräuter, zur Verfeinerung von Salaten, Suppen und allerlei Fleisch-Gerichten. Einerseits kommt man dabei endlich wieder mal „raus“, andererseits übt schon alleine die Suche ihren Reiz auf uns aus. Und hat man damit dann auch noch Erfolg, ist das natürlich immer ein „Tüpfelchen“, auf dem „I“..!

Ein ganz besonders begehrtes Kräutlein, ist wohl immer der Bärlauch. Er ist nicht nur einer der ersten, sondern zudem auch noch ein sehr wohlschmeckender und vielseitig verwendbarer Frühlingsbote! Man sollte ihn jedoch auch ganz genau kennen und sicher bestimmen können, denn Verwechslungen können tödlich sein!

Nein, dieser Bericht soll keine Angst machen und natürlich auch niemand vom Pflücken, frischen Bärlauchs, abhalten. Trotzdem möchte ich ihn aber mit einem leicht „erhobenen Zeigefinger“ schreiben!

Mit dem Bärlauch verhält es sich wie mit den Pilzen: kaum ist die Sammel-Saison eröffnet, häufen sich in den Notaufnahmen der Krankenhäuser die Fälle mit akuten Vergiftungs-Erscheinungen. Und wie bei den Pilzen, verlaufen leider auch hier, trotz rascher, ärztlicher Hilfe, nie alle glimpflich..!

Ihre überwiegende Ursache: die Verwechslung des Bärlauchs mit Bättern von Maiglöckchen, Aronstab und Herbstzeitlose.

Einige werden nun ganz sicher schmunzeln, Bärlauch verwechseln? Wie soll denn das funktionieren, so penetrant wie der nach „Knoblauch“ stinkt? Nun genau in dieser falschen Sicherheit begründen sich wohl viele Vergiftungs-Fälle. Früher empfahl man nämlich, einfach an den Blättern zu riechen, um den Bärlauch eindeutig zu identifizieren. Aber schon nach dem Pflücken nur weniger Blätter, haben bereits auch die Finger den intensiven Knoblauch-Geruch angenommen. Und wer mit dieser Hand nun ein Maiglöckchen-Blatt, auf den Geruch hin, kontrollieren möchte, der wird wohl immer nur die eigenen (Knoblauch-)Finger riechen!!!

Fazit: Grundsätzlich immer alle Sinne einsetzen, um den Bärlauch sicher zu bestimmen und dabei niemals in der Konzentration nachlassen!

Eigentlich sind die Blätter des Aronstabes (optisch) kaum mit den Blättern des Bärlauches zu verwechseln, da sie eine völlig andere Form aufweisen. Wer es aber trotzdem schafft, der hat entweder „gepennt“, oder nicht „Blatt für Blatt“ gepflückt! Und Vorsicht, der Aronstab ist so giftig, dass es alleine schon, nur durch das bloße Berühren der Pflanze, zu Hautreizungen und Blasenbildung kommen kann!

Aber das wahllose Abreißen ganzer Pflanzen schadet nicht nur der Population der Pflanzen, durch das häufige Ausreisen mit der ganzen Wurzel, sondern erschwert zudem auch noch oft die sichere Bestimmung! Denn wer dabei dann versehentlich auch noch ein paar Maiglöckchen-Blätter von ihrem langen Stil (sicheres Unterscheidungs-Merkmal, siehe Bild oben!) rupft, der hat eigentlich schon verloren! Oder könntet Ihr sie nun vielleicht noch von Bärlauch-Blättern unterscheiden? Ach ja, am Geruch…

Der letzte, giftige Kandidat, mit dem der Bärlauch noch zu verwechseln wäre, ist eigentlich mehr theoretisch: die Herbstzeitlose. Schon ihre Blätter unterscheiden sich deutlich, von den hier beschriebenen Pflanzen. Zudem wachsen sie wohl nur recht selten nebeneinander, weswegen wir hier auch kein Foto abbilden können. Aber sie entwickeln sich zeitgleich, womit die Chance einer Vergiftung, zumindest Theoretisch, schon gegeben wäre. Unser Fazit daher: Immer aufpassen und Pflanzen niemals leichtfertig einsammeln! Zudem stets nur das mitnehmen, was man auch ganz sicher bestimmen kann! Genau, wie bei den Pilzen!

Das Verbreitungsgebiet des Bärlauchs: Ganz Süddeutschland, vor allem in den Rheinauen, aber auch im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb.

4 Kommentare »

  • Manu sagt:

    Wie immer mit ganz viel Liebe zum Detail geschrieben ;-). Und Du hattest doch Recht (ja wie immer) das rote T-Shirt wirkt auf dem Bild deutlich besser. Ich freu mich schon auf’s nächste mal. Liebe Grüße aus Reichenbach, Dodd’l

  • Rainer sagt:

    Hallo Rainer,
    frei nach My fair lady: Es grünt so grün, wenn Bärlauchs Blätter blühen. Deine Berichte machen Lust auf mehr. Lust auf weiter gute Recherchen durch Dich und Lust auf Gerichte in denen Bärlauch verarbeitet ist.
    Bis die Tage
    Rainer und Annerose

  • Rainer (author) sagt:

    Liebe Freunde, per Mail erhielt ich diese wertvollen Infos zum Bärlauch-Pflücken und gebe sie hier natürlich gerne weiter:

    … Dabei bin ich vorhin auf den Bärlauch gestossen, und da ich mich früher nebenberuflich viel mit Pflanzengiften und Vergiftungsproblemen beschäftigt habe (und immer noch), zu dem Problem ein paar Bemerkungen:
    1. Mit Aronstab kann man sich kaum vergiften, denn man kriegt ihn schon gar nicht runter: die Araceae enthalten Oxalsäure gebündelt in Raphiden, d.h. Kristallnadelbündeln, die beim Zubeissen in die Mundschleimhaut schiessen, nach wenigen Sekunden fühlt man „Tabasco fortissimum“. drum heisst die Dieffenbachie, eine Zimmerpflanze in fast jedem Haus und Büro, auch „Schweigrohr“, weil im Ursprungsland Mittelamerika geschwätzige Dienerinnen das Zeug kauen mussten: sofort schwillt der Mund für mehrere Stunden zu- –

    2. Maiglöckchen ist zwar toxisch, doch sind die Glycoside schwer resorbierbar und demzufolge sind keine schweren Vergiftungen bekannt.

    3. Das Problem ist Herbstzeitlose, davon sind ca. 35 Gramm Blätter tödlich, und das passiert laut Statistik der Vewrgiftungszentralen fas jedes Jahr 1- mehrere Male. H. kommt doch nicht selten mit Bärlauch zusammen vor, besonders im Waldrandbereich . Wenn man sich merkt, dass das Bärlauchblatt einen langen Stil besitzt, Herbstzeitlose aber gar keinen, weil die Blätter ineinander geschäftet sind (beim Maiglöckchen auch) kann das nicht mal ein Blinder verwechseln.Wie Sie zutreffend beschreiben, ist der Geruch kein Kriterium, denn einmal Bärlauch an der Hand riecht von Ahorn bis Zitterpappel alles nach Knoblauch.

    Dr. Christoph Höltzel

  • freed sagt:

    der Aronstab scheint nicht vegan zu sein

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