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Auwaldzecke, Anopheles-Mücke und Tigermücke

18 Mai 2013 3 Kommentare

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Jetzt kommt sie wieder, die Zeit der Mückenstiche und Zeckenbisse! Aber Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose waren gestern. Bedingt durch die fortschreitende Klimaerwärmung steht bereits die nächste Generation von Plagegeister vor unserer Tür: Die Asiatische Tigermücke und der Japanische Buschmoskito haben Deutschland erreicht..!

Und die können nun unter Umständen richtig gefährliche Erreger an Bord haben, denn sie übertragen Denquefieber, Chikungunyafieber und das West-Nil-Virus. Und die bereits eingbürgerte Anopheles-Mücke, so wie die ebenfalls schon heimisch gewordene Auwaldzecke, zusätzlich auch noch Malaria, das Q-Fieber und die Hundemalaria (Babesiose).
Zusammen mit FSME und der Borreliose sind das also insgesamt schon 7 ernstzunehmende Krankheiten, mit denen wir uns inzwischen zu Hause(!), über Mückenstiche oder Zeckenbisse, infizieren können. Die Babesiose (Nr. 8) betrifft zwar vorwiegend nur Hunde, verläuft aber unbehandelt meist innerhalb nur weniger Tage tödlich!

Diese neuen Gefahren dürfen nun aber auf gar keinen Fall ein Grund sein, gleich in Panik zu verfallen und künftig gar auf Ausflüge und Wanderungen zu verzichten. Daher kann es auch nicht schaden, etwas mehr über sie zu wissen. Und man sollte künftig vielleicht auch bei seinem vierbeinigen Freund, mal etwas öfter nach Zecken suchen..!

Zur Infektionsgefahr:

Man möchte eigentlich sagen: „Alles halb so wild..!„, denn grundsätzlich kommt jede Stechmücke und jede Zecke zuerst einmal völlig steril und absolut keimfrei auf diese Welt. Sie ist somit also noch frei von allen Krankheits-Erregern, die sie (später) auf uns übertragen könnte.
Und es ist auch längst nicht jeder Moskito, oder jede Schnake ein Blutsauger. Lediglich ihre Weibchen sind nach der Begattung auf eine Blutmahlzeit angewiesen, da sie unbedingt fremdes Protein benötigen, um Eier bilden zu können. Die Aufnahme von Blut ist somit also unverzichtbar für ihre Fortpflanzung. Bei den Zecken-Arten saugen hingegen beide Geschlechter Blut.

Anopheles_gambiae_mosquito_feeding_1354.p_loresAber erst mit einer solchen Blutmahlzeit können von einem Wirt, Krankheits-Erreger aufgenommen werden: Viren, Bakterien, und auch ein-, oder mehrzellige Parasiten. Und diese Erreger vermehren sich anschließend in der Mücke/Zecke, und gelangen so auch in ihre Speicheldrüsen.

Dafür muß sich eine Mücke/Zecke aber unbedingt erst einmal selbst infizieren! Und die sind bei weitem nicht gegenüber jeder Infektions-Krankheit anfällig, weshalb dann später auch nicht jede Mücke/Zecke, jeden x-beliebigen Erreger auf uns übertragen kann! (Und ganz oben ist aufgezählt, welche das jeweils sind!)

Außerdem hat auch jede Mücke/Zecke eine sogenannte extrinsische Inkubationszeit, die etwa 10 bis 14 Tage dauert. Sticht, oder beißt sie uns noch vor Ablauf dieser Zeit, kann sie damit auch noch keine Erreger an uns weitergeben. Denkbar wäre allenfalls eine Kontamination des Stechrüssels mit Erregern, wenn beispielsweise eine Stechmücke bei ihrer Blutmahlzeit auf einem infizierten Wirt gestört wird, und dann gleich auf einem anderen, noch nicht infizierten Wirt weitersaugt!
In der Praxis ist für eine solche Infektion jedoch eine erhebliche Menge von Erregern erforderlich, die auf diese Weise nur schwerlich erreicht werden kann. Daher wird diese epidemiologische Übertragungsart, z. B. für das HI-Virus, von Experten auch stark bezweifelt.

Daher noch einmal ganz deutlich: Damit uns beispielsweise die Anopheles-Mücke mit Malaria infizieren kann, muss sie sich zuvor selbst bei einem mit Malaria infizierten Wirt angesteckt haben! Ohne diese Eigeninfektion kann nämlich keine noch so stechwütige Anopheles-Mücke eine Malaria-Infektion an uns weitergeben!
Und auch keine Asiatische Tigermücke kann uns mit Denquefieber oder
Chikungunyafieber infizieren, wenn sie sich nicht zuvor selbst, bei einem Träger dieser Krankheiten, infiziert hat! Und die sind in Deutschland – Gott sei Dank – noch recht selten! Also, Ruhe bewahren..!

Sollte es aber vielleicht doch einmal passieren, und zu einer Infektion mit einer dieser Krankheiten kommen, müsste man eigentlich leicht misstrauisch werden können, denn alle diese Krankheiten äußern sich durch hohes Fieber und (meist starke!) Grippe-ähnliche Symptome – was im Sommer-Halbjahr ja recht auffällig ist! Und selbst dann sind schwere Verläufe mit hämorrhagischem Fieber bei Denquefieber und Chikungunyafieber, recht selten. (Für Ärzte und Heilpraktiker ist diese Verlaufsform meldepflichtig!)

Und dann wäre da zum Abschluss ja auch noch die alte, einfach nicht tot zu kriegende Mär, dass sich Zecken von Bäumen auf ihre Opfer herab fallen lassen:
Mit Verlaub, das ist absoluter Quatsch! Zecken lassen sich von potentiellen Wirten vielmehr von ihrem Ansitz abstreifen. Und dazu müssen sie sich natürlich auch auf der „Höhe“ ihrer üblichen Opfer (Kaninchen, Füchse, Rehe) befinden. Sie sitzen also immer ziemlich tief – auf Gräsern, und niederen Sträuchern.

Und wie schützt man sich nun eigentlich am Besten gegen all‘ diese „Gefahren“?

Der beste Schutz gegen alle Übergriffe ist immer die Vorbeugung durch das möglichst lückenlose Bedecken der Haut. Nach Waldspaziergängen beruhigt uns (neben einer FSME-Impfung!) zusätzlich auch ein gegenseitiges Absuchen der Haut nach Zecken. Beliebte Plätze sind: Kopfhaut, Schritt und Achselhöhlen, bei Frauen auch die Unterbrustfalte.
So kurz nach dem Befall haben die unerwünschten Besucher dann auch meist noch gar keine geeignete Stelle gefunden, um sich endgültig festzubeißen. Bereits festgebissene Exemplare sind jedoch sehr leicht mit einer Zeckenzange (Apotheke) zu entfernen.
Auf gar keinen Fall sollte man aber Wachs, oder Klebstoff zum Abtöten auftragen! Das führt nämlich zu einem regelrechten „Erbrechen“ von Erregern, im Todeskampf der Zecke!

Noch ein wichtiger Hinweis: Bei Ringförmiger Rötung nach mehreren Tagen, um die ursprüngliche Zecken-Biss-Stelle, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen: Dabei kann es sich nämlich unter Umständen um die sogenannte Wanderröte, ein Borreliose-Warn-Zeichen handeln! Eine Antibiotika-Therapie schafft hier Abhilfe.

Und wie unterscheidet man nun eigentlich eine ganz normale Zecke (gemeiner Holzbock), von einer neudeutschen Auwald-Zecke? Ganz einfach: Siehe Fotos unten: Links eine normale Zecke, rechts eine Auwald-Zecke. (Immer auf das „Leopardenmuster“ achten!) Außerdem ist die Auwaldzecke auch etwas größer.

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3 Kommentare »

  • Frank sagt:

    Hallo Rainer,
    sehr informativer Bericht – vielen Dank dafür.

    Die Bilder waren aber doch hoffentlich kein Selbstversuch 🙂

    Liebe Grüße auch an Claudia
    Frank

  • Jörg Rapp sagt:

    Letzten Sommer war ich ein paar Tage Wandern entlang des schwäbisch-fränkischen Limes. Und hab mir einen Infekt geholt am rechten Oberschenkel. Das Ergebnis war kein kleiner roter Punkt oder ein Kreis,
    sondern gleich eine ganze Fläche von DIN A 4 Größe, etwa 1 cm dick geschwollen. Die Ursache dazu haben wir nicht gefunden. Der Arzt verordnete ein Antibiotikum, über 2-3 Wochen weg. Möglicherweise holte ich mir das beim Stöbern in hundsaltem vertrockneten Schichtholz in einem Garten mit viel niederen Sträuchern, denn ich wollte ein Feuer in Gang kriegen zum Grillen. Wahrscheinlich habe ich dabei auch jede Menge Erreger mit verbrannt. Der positive Effekt des Antibiotikums war meine Grippefreiheit über das Winterhalbjahr.

  • Erik sagt:

    Wirklich ganz schlimm aktuell wieder. Wir waren vor 3 Wochen in Bayern. Dort waren wir auch im Umland spazieren und natürlich auch in den Nahen Wäldern. Ich war total verstochen, und das trotz Abwehsprays.

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