Home » Allgemein

Auf Schneeschuhen über das große Spießhorn

14 Februar 2012 4 Kommentare

Direkt neben der Straße in Richtung Bernau legen wir die Schneeschuhe an und ziehen los. Erst dann bemerken wir, dass wir uns ja gar nicht dort haben absetzen lassen, wo wir ursprünglich eigentlich wollten! Wir waren nun nämlich immer noch viel tiefer im Menzenschwander Tal, als geplant und mussten daher auch erst mal völlig umdisponieren..!

Anfänger..!„, schimpfe ich über mich selbst und ziehe die Karte heraus, um mich neu zu orientieren. Links herum, anstatt rechts wie eigentlich ursprünglich geplant!
Dann finde ich aber schnell den Aufstieg von der Nordseite her und gehe voran. Etwas weiter oben werden wir so bald wieder auf den richtigen, von Süden heraufführenden, Pfad stoßen.

Trotzdem grolle ich noch eine ganze Weile über meine eigene Dummheit und setze so zumindest genügend Adrenalin frei, um die eisige Kälte nicht zu bemerken: Auch heute hat es wieder knackige -15° C, trotz Sonnenschein und blauem Himmel!

Über einen Waldpfad ziehen wir aufwärts und haben bald jungfräulichen Schnee unter den Lightnings. Naja.., fast: Ein paar Füchse waren schon vor uns unterwegs, aber die zählen ja eigentlich nicht!
Dann kommt uns von oben aber ein Wanderer-Pärchen entgegen – ohne Schneeschuhe und ohne Gamaschen. Claudia wirft mir nur einen kurzen, diskreten Blick zu und ich weiß, was sie denkt: Kalte, nasse Füße..!
Mit jedem Schritt versinken die Beiden nämlich bis über den Rand ihrer Wander-Stiefel im Harsch. Das ist dann nicht nur verdammt anstrengend zu gehen, sondern bei jedem Schritt rieselt einem von oben auch noch etwas Schnee in den Schuh! Und was nützt der beste GoreTex-Stiefel, wenn man das Wasser oben in ihn hinein kippt..? (Zur Erinnerung: Wir haben minus 15° C!)

Dann wird der Pfad etwas schmaler und führt uns zur bereits erwarteten Abzweigung. Ab hier sind wir nun wieder auf dem richtigen Weg und ein Schild zeigt uns: Noch 5,5 Kilometer bis zum Spießhorn, dem höchsten Punkt unserer heutigen Tour.
Ab hier wird der Weg nun aber richtig eklig. Als schmaler Felsenpfad windet er sich im steilen Waldhang aufwärts und hat – weil vom Wind verblasen – eigentlich viel zu wenig Schnee für die Schneeschuhe. Immer wieder kratzen sie laut über Steine und Felsen, die nur noch gerade so von Schnee bedeckt sind.
Mehrfach bin ich versucht, die Lightnings auszuziehen um sie zu schonen, da nimmt die Schneehöhe endlich wieder zu.

Bald wird der Pfad dann auch wieder etwas breiter und ist nun wieder recht angenehm zu gehen. Allerdings führt er unentwegt aufwärts, ohne einem auch nur die geringste Pause zu gönnen. Irgendwann stoßen wir dann auf eine weitere Schneeschuh-Spur und folgen ihr. Da der Schnee in dieser Spur noch zusätzlich verdichtet ist und so mehr Halt bietet, versuche ich für einen Augenblick, genau im Schritt des „Kollegen“ zu gehen. Das gebe ich aber rasch wieder auf, denn das sind ja wahre „Riesenschritte“, da vor mir!

Claudia, die ihrerseits hinter mir immer versucht, in meinen Tritten zu gehen, lacht dann auch nur. Sie hat meine Bemühung natürlich sofort bemerkt, da sich meine Schrittlänge dadurch ebenfalls vergrößert hat.

Irgendwann lasse ich sie vor, um von hinten noch ein paar schöne Fotos vom Aufstieg zu schießen. Dabei fällt mir dann wieder mal ein Phänomen auf, auf das ich schon ein paar Mal aufmerksam geworden bin: Ich habe nämlich den Handschuh ausgezogen, ohne dabei überhaupt Kälte zu empfinden. Im Gegenteil, plötzlich fühlt sich alles so an, als ob um uns herum richtiges „Tauwetter“ herrschen würde! Ja, sogar der Schnee kommt mir plötzlich etwas sulzig vor!
Dass das aber alles nur Quatsch ist, zeigt mir schon  ein kurzer Blick auf den Kragen meiner Jacke: Dort ist der Hauch gefroren und auch in meinem Bart sind richtige Eiszapfen! Und als ich einen Schneeschuh kurz in die Luft trete, zerstäubt der Pulverschnee dort sofort zu feinstem Puder..!

Das ist ein Effekt der neuen Texapore-Jacken von Jack Wolfskin: Die sind derart atmungsaktiv, dass einem beim Aufstieg zwar immer mollig warm ist, ohne dass man dabei jedoch fühlbar schwitzt. So hat man immer wieder mal kurz das Gefühl, dass es „draußen“ warm wäre, was natürlich nicht stimmt..!

Dann erreichen wir eine kleine Lichtung, die uns einen freien Blick hinüber gewährt, zum Feldberg und bleiben kurz stehen. Ganz deutlich ist von hier aus der alte Fernsehturm am Seebuck zu erkennen. Und „Feldbergblick“ steht dann auch auf einem hölzernen Schild.
Claudia nützt die Gelegenheit, um sich die Thermoskanne mit dem heißem Tee aus der Außentasche meines Rucksacks zu angeln.

Ich versuche mich unterdessen kurz zu orientieren und vermute, dass wir nun bald auf dem Rabenstock ankommen werden. Dort sollten wir dann eigentlich den dichten Hochwald verlassen und eine freie Weidefläche erreichen. Allerdings ist das nur eine Vermutung von mir, denn wir befinden uns hier mal wieder auf „Neuland“, und nun auch noch die Karte heraus zu fummeln, habe ich keine Lust..!

Aber ich sollte doch Recht behalten; schon kurz darauf erreichen wir den Waldrand und treten auf eine endlose Fläche, von völlig unberührtem Schnee hinaus! Atemberaubend..!

Ist das schön..!„, schwämt Claudia laut. „Zum Niederknien, würde wohl Klaus jetzt wieder sagen..!

Dieser Ausspruch von Klaus Gülker (SWR4) hat es ihr derart angetan, dass sie ihn in solchen Situationen immer wieder gerne zitiert. Aber er passt ja auch!

So wunderschön das Ganze auch ist, ich habe nun erst mal kurz die Orientierung verloren, denn die Spuren, denen wir bisher gefolgt sind, verabschieden sich hier gerade nach rechts, in den Wald. Und dort wollen wir schließlich nicht hin!

Aber ein kurzer Blick auf den Garmin hilft:
Immer nur am Waldrand entlang..!„, rufe ich Claudia zu und „schieße“ ihr dann noch ein paar Mal mit dem Tele hinterher.
Eine ganze Weile ziehen wir so nun schon über freie Hochweiden und sehen nur ab und zu, ein Wegzeichen. Die blaue Raute mit dem weißen Strich führt uns aber sicher, und den Rest erledigt wieder mal der Garmin.

Bitte erlaubt mir hier vielleicht einmal ein paar ganz persönliche Worte dazu: Eigentlich bin ich kein Freund von Elektronik in der freien Natur, denn früher gings es ja auch ohne GPS! Allerdings sehe ich den Garmin inzwischen schon als großen Schritt nach vorne an, wenn es beispielsweise darum geht, unterwegs unsere Routen aufzuzeichnen um sie dann anschließend – für den Bericht – in einer Googlemap darstellen zu können.
Wo ich mich aber ebenfalls langsam sehr mit ihm anfreunde, ist das Schneeschuh-Geghen im Hochschwarzwald. Hier hilft er einem doch immens, wenn Wege unter einer Meterdicken Schneeschicht verborgen sind und sich zudem auch noch viele Wegezeichen unter Raureif-Fahnen und Eis verbergen. Aber auch bei schlechter Sicht, wie z. B. bei Schneefall, Nebel und Whiteout, bietet er einem einfach das Quentchen Sicherheit mehr, das einen dann auch solche Touren noch genießen läßt, ohne dass man dabei Angst haben müsste, sich zu verlaufen. Man weiß – Dank seiner Hilfe – einfach immer, wo man gerade ist! Und wer das alles gerne auch ohne GPS schaffen möchte, der kann ihn ja auch einfach nur in die Tasche stecken – bis er ihn vielleicht doch mal braucht..!

Ein tief im Schnee steckender Wegweiser zeigt dann uns noch drei Kilometer, bis zum großen Spießhorn. Und der „Weg“ führt uns auch weiterhin aufwärts, in Richtung Waldrand. Allerdings lädt uns dort oben eine kleine Schutzhütte zur Rast, was wir dankbar anzunehmen gedenken. So sitzen wir bald in ihrem Windschatten, in der Sonne und fühlen uns wieder mal völlig „alleine auf der Welt“. Claudia packt die tollen Vesperbrote aus, die sie schon heute morgen für uns gerichtet hat, dazu gibt es heißen Tee. Herz was willst du mehr..?

Ein Tipp vielleicht auch noch zu den Vesperbroten: Wer bei diesen Temperaturen, 5 bis 6 Stunden unterwegs ist, der sollte seinem Körper auch unterwegs etwas Brennstoff zuführen. Bei dieser Kälte empfiehlt es sich jedoch nicht, Äpfel, oder gar Bananen einzupacken, denn die würden unterwegs gefrieren. Besser ist es da, richtige Vesperbrote zu streichen (Fett!) und diese in Alufolie (glänzende Seite nach innen!) einzupacken. Dann kommt außenrum noch ein dickes Handtuch, das sie noch einmal zusätzlich vor Kälte schützt. So sind die Brote dann nach einigen Stunden zwar ebenfalls kalt und die Gurkenscheiben darauf vielleicht etwas „bissfester“, aber eben nicht völlig gefroren!

Von der Schutzhütte aus geht es dann wieder durch einen tief verschneiten Winterwald und immer noch weiter aufwärts. Nun brauchen wir jedoch nur noch der breiten Schneeschuhbahn zu folgen, die sich hier durch die Bäume zieht. Klar, es ist Sonntag und das Spießhorn ist natürlich schon ein ganz besonderer Anziehungspunkt. Irgendwann kommen uns dann auch die ersten Gleichgesinnten von oben entgegen und wir machen Platz, um sie in der Spur vorbei zu lassen.
Der Verkehr nimmt nun spürbar zu, je näher wir dem Gipfel kommen. Am kleinen Spießhorn ist der Wald dann sogar so mit Spuren übersäht, dass ich kurz den Garmin herausholen muss, um die weiterführende Richtung festzustellen.
Claudia fragt unterdessen zwei Skitouren-Geher höflich nach dem Weiterweg zum Spiesshorn und erhält von ihnen eine sehr unfreundliche Antwort: Richtige Bergfreunde sind da heute wieder mal unterwegs..!

Nun, wir finden den Gipfel natürlich auch alleine und machen dort auch nur ein paar schnelle Fotos, da hinter uns schon wieder eine größere, geführte Schneeschuh-Gruppe heraufkommt.
Nichts wie weg..!„, stöhnt Claudia auf, als die Horde dann den kleinen Gipfel (1.349m) erreicht. Hier hat man kaum noch Platz zum Stehen.

Nun ist die weiterführende Richtung erst mal klar und auch nicht zu übersehen. Wir gehen auf die andere Seite des  Gipfels und werfen so auch noch einen kurzen Blick hinüber, zum Feldberggipfel (Phantastisch!). Dann ziehen wir zügig hinunter, in Richtung Krunkelbach-Hütte, wo wir uns nun auf einen heißen Jagertee freuen. Den haben wir uns jetzt aber auch verdient!

Irgendwann fällt mir im Wald dann auf, dass die breite, ausgetretene Spur nun immer weiter nach Westen dreht und so wohl zurück führt, zum Wegekreuz. Dort wollen wir aber nicht hin, sondern direkt über die Weide (hier ist kein Naturschutz-Gebiet!) hinunter, zum Gasthof. Als eine Skispur die breite Schneeschuh-Spur nach rechts verlässt, folgen wir ihr steil abwärts und erreichen so kurz darauf den Waldrand.

Links ‚rum..!„, ruft Claudia von hinten.
„Ja, ich weiß..!“, antworte ich. Dann queren wir auch schon den Hang und erreichen kurz darauf, direkt am großen Holztrog (Hot Pot für Hausgäste!) die Krunkelbach-Hütte.

Hier ist die „Bude“ brechend voll. Viele haben wohl die Pistenbulli-Fahrt aus dem Tal herauf gebucht, um so mal etwas zu erleben, ohne sich dabei groß anstrengen zu müssen. Wir ergattern trotzdem zwei Plätze und sitzen dann auch bald vor unseren höllisch heißen Jagertees.
Bleibt vielleicht noch zu erwähnen, dass Claudia und ihre Nachbarin plötzlich feststellen, dass sie wohl um „tausend Ecken“ herum sogar verwandt sind, dann ziehen wir wieder weiter.

Draußen wird es dann rasch wieder still um uns herum. Den Gipfel des Herzogenhorns vor uns, folgen wir kurz der breit gewalzten Wander-Piste dort hinüber, wo wir am Donnerstag den Winterwanderweg verlassen haben, um zum Gipfel aufzusteigen.
Ab hier folgen wir nun einfach nur noch genau dem Aufstieg, heraus aus dem Krunkelbachtal. Nur geht es für uns heute nur noch (steil) bergab, was uns inzwischen sehr recht ist. Dann ziehen wir unten dem Krunkelbachtal entlang – ebenerdig – nach vorne, bis zum Skilift. Und pünktlich ist hier auch schon der eisige „Menzenschwander Wind“ wieder da.
Und als wir ins Auto steigen, das wir bereits am Morgen hier geparkt haben, zeigt uns das Außenthermometer dann auch schon wieder unsere minus 15° C. Doch, ganz langsam gewöhnen wir uns daran..!

Unser Fazit: Eine wunderschöne, aber recht anstrengende Schneeschuh-Tour für routinierte Geher. Langer Aufstieg und ein teilweise sehr steiler Abstieg verlangen etwas Kondition und Erfahrung! Nach Neuschnee und bei schlechter Sicht sollte etwas Orientierungsvermögen vorhanden sein. Nicht ohne Kompas und Karte losziehen!

Strecke 13,3 Kilometer  –  559 Höhenmeter im Anstieg  – Dauer: ca 6,0 Std. 

Einkehr: Krunkelbach-Hütte

Download Track[urldisplaymode=nomap]


Größere Kartenansicht 

4 Kommentare »

  • andi sagt:

    Tach ihr beiden!
    Dann seid ihr uns doch entgegen gekommen, im Wald Richtung Kl. Spiesshorn, wir kamen grad wieder runter. Ich habs doch gewusst, rote Puschelmutze und gelbe Jacke. Und der Herr mit Bart ,-)
    Bis bald mal!
    Grüße von Ilo und Andi

  • Ilona sagt:

    Das ist witzig, da sind wir aneinander vorbeigelaufen. Ihr seid an uns vorbei und habt dann mit dem Pärchen, das direkt nach uns kam, geredet.
    Und wir haben den ganzen Runterweg überlegt, ob ihr nun „die“ Rainer und Claudia mit dem Blog wart oder nicht.

  • Rainer (author) sagt:

    Hallo Ilona, das ist wirklich sehr schade! Inzwischen werden wir unterwegs immer häufiger angesprochen, was uns natürlich immer sehr freut! Das nächste Mal solltet Ihr Euch unbedingt trauen!!! Ganz liebe Grüße, Rainer u. Claudia

  • Hanspeter sagt:

    Hallo Rainer und Claudia,
    auch wir waren erstaunlicherweise an diesem Sonntag genau dort unterwegs. Allerdings sind wir entgegengesetzt gelaufen. Vom Kurhaus in Richtung Skilift dem Wanderweg folgend und später über einen Trail in Richtung Krunkelbachhütte. Übers große Spießhorn zurück nach Menzenschwand / Kurhaus.
    Leider haben wir uns nicht getroffen. Eine ganz tolle Tour war es dennoch, besonders auf dem Spiehorn.
    Viele Grüße von Heidi und Hanspeter

    ps
    Siehe Facebook unter Hans Peter oder Heid Weber

Schreibe doch einen Kommentar!

Schreibe hier einen Kommentar, oder Trackback von Deiner eigenen Website. Du kannst auch diese Kommentare als RSS-Feed abonnieren.

Du kannst folgende Tags verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Auf dieser Seite können Gravatars verwendet werden. Um deinen eigenen Gravatar zu bekommen, registriere Dich auf Gravatar.