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Auf dem Zweitälersteig, 5. Etappe

19 Mai 2011 Kein Kommentar

Höhenhäuser – Hünersedel – Kreuzmoos – Gscheid – Waldkirch; 25,0 Kilometer, 475 Höhenmeter im Anstieg und 902 im Abstieg.

Man mag es ja fast nicht glauben, aber auch in dieser Nacht hat sich das Gewitter wieder verzogen und es ist erneut trocken geblieben! Noch auf keiner Trekking-Tour haben wir bisher unser Zelt morgens immer trocken einpacken können – eine echte Premiere!

Heute liegt nun die letzte Tages-Etappe des Zweitälersteiges vor uns und wir freuen uns natürlich auf ein heißes Bad und ein gutes Abendessen..!

Rasch ist alles verpackt und wir sind abmarschbereit. Das Wetter scheint ja ebenfalls noch einmal mitzuspielen, so dass wir unsere Regenjacken und Regenhosen auch gleich im Rucksack verstauen. Aber – leider – zu früh gefreut..!
Kaum sind wir losgelaufen, zieht es nämlich vollends zu und im Wald wird es immer düsterer. Bald fegen dann auch schon die ersten Windböen durch die Baumkronen.
„O-oooh..!“, meint Claudia zweistimmig (aber immer noch fröhlich!), „Da kommt wohl ‚was Größeres auf uns zu..!“
Sie hat wohl Recht, denn inzwischen hören wir auch schon fernen Donner grummeln.

Ein kleiner, erhöhter Absatz des verdichteten Wegrandes dient uns als improvisierte Bank, damit wir uns zum Anziehen der Regenhosen kurz hinsetzen zu können.
Noch ist der Boden trocken und ich lasse den Rucksack einfach nach hinten umfallen, bevor ich Claudia helfe.
Rasch ziehen wir die Goretex-Jacken, die Regenhosen und die Raincover für unsere Rucksäcke heraus, und legen sie an. Dann schultern wir – jetzt mal wieder im „Taucheranzug“ – unser Gepäck erneut und verlassen den schützenden Wald.

Draußen empfängt uns dann gleich kräftiger Regen. Großen Tropfen prasseln auf die ausgetrockneten Felder und Wege nieder – und das war eigentlich schon längst überfällig gewesen..!

Für Außenstehende mag sich das nun vielleicht etwas verrückt anhören, aber auch die Wander-Stimmung bei einem kräftigen Landregen „hat was“..!

Man muss einfach mal erlebt haben, wie sich draußen – mit dem Einsetzen des Regens – plötzlich die ganze Stimmung ändert: Man hört das fallende Regen-Wasser nämlich schon von oben „heran-rauschen“, noch bevor es den Erdboden berührt. Und dieser (sehr kurze) Augenblick, bevor es ihn erreicht und dann auch auf die Regenkapuze prasselt, der ist eigentlich nur sehr schwer zu beschreiben. Dafür aber wunderschön.
Als ob plötzlich alle normalen Geräusche um uns herum, von etwas Großem verschluckt werden. Selbst die Vögel halten da mit ihrem Konzert für einen Augenblick inne! Und erst danach hört man dann das monotone Prasseln des Regens, das wohl jeder kennt.

Aber bei aller Begeisterung , irgendwann stößt natürlich auch unsere Natur-Verbundenheit an ihre Grenzen, und heute war mal wieder so ein Tag (was wirklich nur ganz selten vorkommt)!

Ein breiter Wirtschaftsweg führt uns an einem Waldrand entlang, der hier von einer Seite etwas Wetterschutz bietet. Und so wage ich es auch – trotz des vielen Wassers – ein paar Regen-Fotos zu machen. Es herrscht gerade eine unglaubliche Stimmung, die ich sehr gerne einfangen möchte, denn nur wenige Meter von uns entfernt sehen wir die Regenfahnen stärkerer Regenfelder, an uns vorbei ziehen.

Dann führt unser Weg wieder in ein Waldstück hinein, das uns inzwischen natürlich keinerlei Schutz mehr bietet. Dafür regnet es inzwischen einfach viel zu stark.
So ziehe ich auch auch noch das Raincover der Fototasche auf, denn im Augenblick ist an Wanderfotos ohnehin nicht mehr zu denken. Zudem ist es inzwischen so düster geworden, dass man nur noch mit einem Stativ und sehr langen Belichtungszeiten arbeiten könnte – indiskutabel..!

So gibt es von diesem Vormittag der letzten Etappe nun leider auch nur sehr wenige Fotos. Und der Regen legt dann sogar noch einmal zu. So stapfen wir bald auch nur noch wortkark vor uns hin, und spulen so die Kilometer herunter.

Ein schöner Landregen ist das Eine, vor ihm kann man sich nämlich mit guter Regenkleidung schützen. Ein kräftiger Wolkenbruch hingegen, der dann plötzlch zum nichtaufhörenwollenden Landregen mutiert, macht hingegen keinen Spaß mehr. Vor ihm schützt auf Dauer nämlich keine, auch noch so gute, Regenkleidung.
Und wie sollte es anders sein, heute finden wir auf unserer Strecke natürlich noch nicht einmal eine kleine Schutzhütte, in der wir vielleicht mal für ’ne halbe Stunde hätten unterstehen können. Was für ein Sch..ßtag..!

Inzwischen habe ich auch längst keine Ahnung mehr, wo wir gerade sind. Die Karte steckt unter der Regenhose und ist ohnehin längst aufgeweicht. Und auch Schilderbäume mit Wegweisern, kommen schon seit einer ganzen Weile keine mehr. Nur noch unsere grüne Raute mit dem roten Herzchen begleitet uns treu!

Doch, dieses Kompliment muss man den zuständigen Wegwarten des Schwarzwaldvereines trotz des augenblicklichen Sauwetters machen: Der Zweitälersteig ist wirklich hervorragend ausgeschildert – unser Kompliment zu dieser Leistung!
Daß wir uns dann aber doch noch verlaufen, liegt auch nicht an der Ausschilderung, sondern vielmehr daran, dass wir nur noch mit gesenktem Kopf, lustlos vor uns hinstapfen und natürlich auch nicht mehr richtig aufpassen! Und so verpassen wir dann am Kreuzmoos, direkt vor dem Wanderheim des Schwarzwaldvereins, die Abzweigung nach rechts und trotten einfach auf dem Kandelhöhenweg (geradeaus) weiter.

Nach wenigen hundert Meter bemerken wir dann aber das Fehlen des „Herzchens“, neben den anderen Wegzeichen und drehen wieder um!

Langsam macht dieses Starkregen-Wandern nun wirklich keinen Spass mehr und das Einzige was inzwischen nachzulassen scheint, ist die Dichtheit unseres Regenschutzes!
Es beginnt mit meinen Zehen links, die nämlich plötzlich kalt – also nass – werden.
Damit hätte ich aber eigentlich zuletzt gerechnet, da ich ziemlich teure Goretex-Trekking-Stiefel von HANWAG trage! Aber die heutigen Bedingungen sind ja wohl auch eher für Gummistiefel prädestiniert, als für Wanderstiefel. Das Wasser steht teilwis so hoch auf den Wegen, dass wir sie teilweise verlassen, und um ganze „Seenplatten“ herumgehen müssen!

Als nächstes wird dann mein rechter Oberschenkel (außen) kalt und als ich sehe, wie das Raincover der Cullmann-Tasche das Wasser aufsaugt, anstatt es abzuführen, reiße ich die Kameratasche auf und bin endgültig „begeistert“: Die Kamera liegt nämlich ebenfalls  in völlig von Wasser getränkten Polstern!

Ok, an diesem Punkt ist nun also auch meine ganz persönliche Naturverbundenheit zu Ende! Und das Beste an der Situation ist dann auch, dass ich im Augenblick überhaupt nichts daran ändern kann! Es schüttet nämlich immer noch, wie aus Kübeln..! Hoffentlich übersteht das die Kamera, das ist im Augenblick meine größte Sorge..!

Schlagartig kommen mir dann aber ein paar „nasse“ Erinnerungen an meine Zwölfjährige Bundeswehrzeit bei den Fallschirmjägern „hoch“:
„Dumm, dreckig, wasserdicht und geländegängig..!“, murmle ich schmunzelnd in den Bart hinein, aber Claudia hat mich gehört und so natürlich auch sofort den tieferen Sinn hinter den Worten verstanden! So haben wir uns nämlich früher, als Luftlandesoldaten, immer gerne selbst bezeichnet!
„Und heute ist dann wohl auch mal wieder so richtig tolles Fallschirmjäger-Wetter.., hm..?“, setzt sie gleich noch einen obendrauf. Das war nämlich immer der dumme Spruch unseres Brigade-Kommandeurs (BrigGen O. Biemann) gewesen: „Fallschirmjäger kämpfen immer erst dann, wenn alle anderen schon längst (wegen des Wetters) damit aufgehört haben!“
Claudia hat diese Zeit damals ja hautnah miterlebt und kann sich daher auch noch ganz gut daran erinnern!
Aber irgendwie ist es trotzdem verrückt, was einem unter diesen Wander-Bedingungen plötzlich so alles im Kopf herumgeht!

Und noch etwas erinnert ich mich an früher: Irgendwann ist einem nämlich plötzlich alles egal..! Schon fast stoisch setze ich mich daher irgendwann dann auch einfach mit meiner Regenhose auf einen nassen Baumstamm, und ziehe Landjäger, Brot und die Teeflasche heraus. Ich habe inzwischen nämlich richtig Kohldampf bekommen und noch nasser werden.., das kann ich ohnehin nicht mehr! Zumindest das Brot im Plastikbeutel ist trocken geblieben, stelle ich zufrieden fest!
Claudia setzt sich dann auch ganz spontan neben mich und streckt fordernd die Hand nach den Landjägern aus. Und lachen tut sie auch schon wieder.!

Es ist das allererste Mal, dass wir heute unser schweres Gepäck abnehmen, um uns etwas zu entlasten.

Um die Mittagszeit herum lässt der Regen dann doch (sehr!) langsam nach. Es dauert aber noch lange, bis er völlig aufhört. Erst in Gscheid hängen wir die Regenklamotten dann wieder mal hinten, an den Rucksack und wandeln endlich wieder auf trockenen Wegen. Dafür aber immer noch mit nassen Socken in den Schuhen – Waldkirch, wir kommen..!

Kurz vor der Kastelburg kommt dann sogar wieder etwas die Sonne heraus. Ein würdiger Abschluss, den wir doch ganz bestimmt verdient haben.
Wir machen noch schnell ein paar Bilder von dem alten Gemäuer, dann folgen wir dem „Ritterweg“ hinunter, ins Städchen. Entlang dieses Weges sind sehr viele, geschnitzte Ritterfiguren aus Holz, immer mit spannenden und wirklich interessanten Erklärungen daneben.

Dann noch mal ein letztes Foto aus dem Aussichts-Pavillon, und wir ziehen vollends hinunter, zum S-Bahnhof, wo wir am Sonntag unser Auto geparkt haben.

Hier geht nun eine ganz tolle Trekking-Tour zu Ende, die uns in jeder Hinsicht begeistert hat und Claudia beginnt ihre persönliche Aufzeichnung dann auch mit dem Werbeslogan dieser Wanderung:

Zweitälersteig wo Dein Herz aufgeht

Wie treffend..!

Ein unglaubliches Abenteuer, eine echte Herausforderung! Sie bringt Dich an Deine Grenzen und manchmal auch darüber hinaus!
Tolle Wegführung – schmale, alpine Pfade – hohe Berge – tiefe Schluchten mit tollen Wildbächen – unglaubliche Fernsichten und Blicke auf liebliche Wiesentäler, die allesamt süchtig machen..!
Wie winzig klein ist doch die Welt da unten, wie fern schon der Alltag. Und wie intensiv das Wandern auf dem Steig!

Dem habe ich wirklich nichts mehr hinzu zu fügen..!

Unser Fazit: Auch die fünfte Etappe ist zum Abschluss der Tour noch einmal recht anspuchsvoll: 25,0 Kilometer und 475 Höhenmeter im Anstieg sind ordentlich! Und auch die Schlussetappe geht mit 902 Höhenmeter im Abstieg noch einmal ordentlich auf die Knie!

Höhenhäuser – Hünersedel – Kreuzmoos – Gscheid – Waldkirch; 25,0 Kilometer, 475 Höhenmeter im Anstieg und 902 im Abstieg.

Technisch ist diese fünfte und letzte Etappe ebenfalls nicht mehr übermäßig anspruchsvoll, aber auch für sie empfehlen wir Euch Wanderstöcke und eine gewisse Grundkondition! Wer die besitzt, (und mit dem Wetter etwas mehr Glück hat, wie wir!) der wird auch auf dieser Strecke wieder hervorragende Aussichten genießen können.

Achtung: Unbedingt auch hier wieder an Wetter- und Sonnenschutz denken (Auch ein Sonnenhütchen gehört unbedingt ins Gepäck)!

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-598-3,

so wie Freizeitkarte 506, Titisee-Neustadt – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-599-0

Empfohlener Wanderführer: Internet Portal Zweitälersteig. Dort findet Ihr alle wichtigen Infos, sogar mit interaktiver Tourenkarte, zum Ausdrucken – sehr empfehlenswert!

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


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Auf dem Zweitälersteig, 4. Etappe

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