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Auf dem Zweitälersteig, 4. Etappe

18 Mai 2011 Kein Kommentar

Kapfhütte – Oberprechtal-Wittenbach – Finsterkapf – Biereck – Höhenhäuser; 26,0 Kilometer, 893 Höhenmeter im Anstieg, 1.056(!) im Abstieg.

Wir hatten auch in dieser Nacht wieder richtig Glück mit dem Wetter, denn das bereits von den Vogesen herannahende Gewitter, hat sich erneut verzogen..!
Als dann der Alarm des Garmin losgeht, krieche ich aus dem Schlafsack und verlasse die Kapfhütte leise, um nach dem Wetter zu sehen. Claudia stellt sich auch heute erst mal wieder noch etwas „tot“. Sie weiß natürlich, dass ich sie rechtzeitig zum Frühstück wecken werde.

Jetzt, um Sieben, ist draußen noch alles grau. Aber trotzdem ist es eigentlich schon viel zu „warm“. Der Himmel ist jedoch bedeckt und es sieht verdächtig nach Regen aus. Aber eigentlich hatten wir auf dieser Tour ja ohnehin schon viel zu lange Glück mit dem Wetter gehabt und die letzten drei Tage waren für die Jahreszeit ja ohnehin viel zu heiß..!

Ich setze Wasser auf und mache uns Kaffee. Dann decke ich einen der Tische vor der Hütte und wecke Claudia: Frühstück!
Auch sie wirft zuerst mal einen skeptischen Blick zum Himmel und geht erst mal wortlos zum Zähneputzen. Ausgiebige Wäsche gibt es draußen für uns meist nur abends. Morgens hingegen stauben wir uns dann bloß noch ab – Katzenwäsche eben..!

„Taucheranzug..?“, fragt Claudia dann einsilbig, als beim Kaffee-Trinken die ersten, stärkeren Windstöße aufkommen. (Unter „Taucheranzug“ verstehen wir Regenjacken, Regenhosen und die Raincover für die Rucksäcke. Ist dann auch noch die Kapuze oben, witzeln wir immer vom Wandern im Taucheranzug..!)
Aber ganz ernst: Ja, es wird wohl gut sein, heute auf einen kräftigen Guss von oben vorbereitet zu sein, denn der Himmel hängt voller „Geigen“. Daher ziehen wir die Regenklamotten auch gleich an.

Wir packen zusammen und beseitigen auch noch kurz unsere Spuren in, und vor der Hütte. Dann noch ein dankbarer Eintrag ins Hüttenbuch und wir ziehen los.
Der Weg führt nun von der Hütte aus, gleich ziemlich steil hinunter, ins Tal. Schon bald tun uns daher auch wieder die Knie weh und in den Regenklamotten wird uns zudem schnell (zu) warm. Und als dann auch noch die Sonne herauskommt, müssen wir die „Taucheranzüge“ schnellstmöglich ausziehen.

Unten, in Oberprechtal-Wittenbach angekommen, wechseln wir dann hinüber, auf die andere Talseite und ziehen über einen asphaltierte Weg, in das liebliche Tal hinein.
Aber wie sollte es anders sein: Kaum haben wir die Regenklamotten weggepackt, fängt es natürlich auch schon wieder an. Die Regenmenge ist jedoch so gering, dass das Wasser auf den bloßen Unterarmen schneller verdunstet, als Neues von oben nachkommt.
Da würden wir unter den Regenklamotten – nur vom Schweiß – wohl schnell nasser werden, als vom Regen selbst und warten daher lieber erst mal ab. Und kaum sind wir wieder im Wald und damit im Schutz der Bäume angekommen, können wir vom dem Bisschen Regen auch überhaupt nichts mehr wahrnehmen!

Im Gegenteil! Ganz schnell wird uns nun so richtig warm, denn ein schmaler Pfad führt uns, in engen Serpentinen, steil aufwärts. Am Hirzdobel treffen wir dann wieder auf einen alten Bekannten, der sehr schöne Wander-Erinnerungen in uns weckt: Der Westweg!
Gemeinsam mit ihm und dem Schwarzwald-Querweg Rottweil Lahr, trifft hier der Zweitälersteig auf einen (sehr!) breiten Wirtschaftsweg zusammen.

„Ganz schön breit..!“, meint Claudia dann auch sofort etwas verständnislos, zu der offensichtlichen Überbreite dieses Weges.
„Klar..!“,übe ich mich etwas in Sarkasmus. „Darauf müssen ja schließlich auch drei Fernwanderwege nebeneinander Platz haben..!“

Ich mache noch ein Beweis-Foto von dieser Autobahn, dann erreichen wir die Abzweigung zum Huberfelsen. Am Vesperplatz nehmen wir die Rucksäcke ab und ziehen Landjäger, Brot uns Senf heraus. Dazu gibt’s den obligatorischen Tee.
Auch hier kommen wieder Bilder unseres Westweg-Trek’s vom letzten Frühjahr in uns hoch. Denn damals haben wir auch schon auf dieser Bank gesessen und ebenfalls Landjäger gevespert!

Nach dem Essen lassen wir die Rucksäcke einfach stehen (Claudia: „Die nimmt uns keiner weg, die sind viel zu schwer..!“) und besuchen noch kurz den Aussichtsfelsen. Vom Huberfelsen aus hat man wieder einmal einen phantastischen Blick hinunter, ins obere Prechtal. Aber auch hinüber zur Kapfhütte, wo wir letzte Nacht geschlafen haben.
Anschließend holen wir noch unser Gepäck und ziehen auf der breiten Wanderautobahn weiter.

Inzwischen hat sich das Wetter anscheinend wieder stabilisiert. Sogar die Sonne scheint jetzt und es ist noch wärmer geworden.

Bald wird der Weg dann aber wieder schmaler und führt uns, teilweise recht steil und vor allem sehr(!) steinig hinauf, zur Hirschlachschanze. Und auch hier kommen Claudia sofort wieder Westweg-Erinnerungen hoch – von hier ist es nämlich nicht mehr sehr weit, bis zum Farrenkopf!

„Na, wie wär’s mit einem kleinen Abstecher..?“
„Nein Danke..!“, quittiere ich ihre Anspielung lachend und winke ab. „Heute nicht..!
„Und morgen wohl auch nicht gleich, oder..?“ ergänzt sie mit einem Schmunzeln. Und wer den Hammer-Aufstieg zum Farrenkopf hinauf kennt, der wird diesen kleinen Dialog wohl ganz gut nachvollziehen können!

Erneut betreten wir eine Viehweide durch eines dieser schmalen Gatter, und folgen anschließend einem lieblichen Wiesenpfad. Dann führt uns der Wegweiser aber schon wieder recht steil abwärts, hinunter zum Pfauenfelsen – einem kleinen Aussichtsfelsen mit Kreuz.
Hier ist für nun auch für uns ‚mal absolutes Neuland. Daher nehmen wir auch kurz die Rucksäcke ab und genießen dieses herrliche Fleckchen Erde für ein paar Minuten auf einem Bänklein.

Danach geht es dann noch weiter abwärts, bis der idyllische Pfad den Höhenkamm völlig verlässt und – nun wieder etwas breiter – durch die Halde hinüber zum Landwassereck, einem Berggasthof quert.
Wen es interessiert: hier verläuft die Grenze zwischen dem mittleren, und dem südlichen Schwarzwald.

Wir überqueren vor dem Gasthof die Straße und folgen dann dem breiten Wirtschaftsweg auf der anderen Seite gleich wieder aufwärts. Und kaum haben wir den Westweg verlassen, stößt hier auch schon der nächste, ruhmreiche Weg zu uns: Der Jokobsweg.

„Na, etwas Pilgern gefällig..?“ frotzelt Claudia auch gleich, als sie das Wegezeichen mit der stilisierten Jakobs-Muschel sieht.
„Nicht wirklich..!“, spiele ich mit. „Glaubt uns ja ohnehin keiner..!“
Claudia lacht nur!

In diesem Bereich führt der Zweitälersteig nun hauptsächlich über breite Wirtschaftswege. Aber auch vorbei an einer wirklich liebevoll ausgestatteten Schutzhütte – sogar mit Vorhängen und Tischtuch. Und Claudia spricht wieder mal aus, was ich denke:
„Hoffentlich wissen das auch alle zu schätzen..!“
Meist werden solche Kleinode nämlich von irgendwelchen Idioten schneller kaputt gemacht, als sie von bedürftigen Wanderer – in Wetternot – in Anspruch genommen werden können!

Bald folgt unser Zweitälersteig aber wieder den geliebten Trampelpfaden des Höhenkammes, nun aber bereits auf der nördlichen Seite des Prechtales. Inzwischen haben wir nämlich auch schon den am weitesten entfernten Punkt, unserer Fünftage-Rundwanderung hinter uns gelassen und nähern uns ganz langsam wieder Elzach und Waldkirch.
Die unmittelbar vor uns liegende Strecke führt uns nun über Kirchberg, Holzerkopf und Finsterkapf, danach dann weiter, über Rotebühl und Biereck, nach Höhehäuser, unserem geplanten Etappenziel.

Am Finsterkapf machen wir erneut eine kurze Pause. Die Luft scheint inzwischen wieder zu stehen und am Himmel braut sich erneut etwas zusammen. Es ist wieder unglaublich schwül geworden und jede Bewegung treibt uns nur noch so den Schweiß aus den Poren! Wenn heute wieder kein Gewitter kommt, wann wohl dann..? Und noch etwas spricht für baldigen Regen: Die Bauern jauchen überall die gemähten Weiden!

Durch die Windstille stinkt es überall ganz penetrant nach Gülle. Und wenn von einen ein derartig, intensiver Gestank, plötzlich (wie von Körpergeruch) überall hin begleitet wird, dann hat man irgendwann das Gefühl, dass man selbst so stinkt – einfach widerlich..!
Aber die Etappe ist trotz des Gülle-Gestankes toll und irgendwann fangen wir sogar noch mal einen wunderschönen Blick hinüber, zum Hörnleberg, ein.

An einer Bank nehme ich dann den Rucksack aber doch noch mal ab und ziehe meine 50.000er Karte heraus. Wenn das Gewitter heute nämlich zu früh (also noch vor dem geplanten Etappen-Ende in Höhehäuser) kommen sollte, dann könnten wir erneut Probleme mit dem Trinkwasser bekommen!
Ein langer, prüfender Blick zum Himmel und eine kurze Absprache mit Claudia – dann beschließen wir, es zu riskieren! Wenn wir uns sputen, müssten wir unser Etappenziel eigentlich doch noch vor dem Eintreffen des Gewitters erreichen können! Und Wasserfassen dann natürlich auch erst kurz davor, am Biereck.

Wir schultern die Rucksäcke und ziehen los! Nun natürlich auch wieder mit richtig Schmackes, was Claudia dann auch prompt zu einer Bemerkung veranlasst:
„Und da ist er auch schon wieder – der ganz normale, all-abendliche Wahnsinn..!“ Sie meint damit den inzwischen schon fast zur Gewohnheit gewordenen Endspurt, einer jeden Tagesetappe.

Wir überqueren bei Pfaus die B 294 (Aufpassen, ist schlecht einsehbar!) und ziehen dann auch gleich wieder in den Wald hinein. Allerdings folgen wir nun einem breiten, teilweise geteerter Fahrweg. Er soll uns nach etwa drei Kilometern zum Biereck, unserer Wasser-Tankstelle bringen. Nach einiger Zeit dürfen wir dann aber doch noch einmal auf angenehmere Wald-Pfade wechseln, die uns erst unmittelbar vor dem Biereck, einer hübschen Wandergaststätte mit tollem Biergarten, wieder auf die Straße zurück bringen.

Eine sehr(!) freundliche Bedienung erlaubt mir dann im Lokal auch sofort, unsere Wasserflaschen aufzufüllen. Ich darf es sogar selbst an der Theke machen, was für uns wirklich keine Selbstverständlichkeit ist! Hier daher auch noch einmal unseren ausdrücklichen Dank dafür!

So versorgt ziehen wir gleich anschließend weiter, denn das (Un-)Wetter sitzt uns immer noch im Nacken. Nun suchen wir nur noch nach einem geschützten Plätzchen, für unser Zelt.
Noch einmal geht es gewaltig aufwärts und oben sind wir sogar recht froh, diesen Aufstieg nicht gleich morgen früh vor uns zu haben!

Kurz vor Höhehäuser sind in der 50.000er Karte einige Schutzhütten verzeichnet, die allesamt nicht mehr existieren. So ziehen wir zwangsläufig noch einmal etwas weiter und finden dann, geschützt von einer tiefausladenden Kiefer, ein wunderbares Plätzchen auf einer Weide. Dort, direkt am Waldrand, schlagen wir unser Zelt auf.
Die Wahl dieses Plätzchens für unser Zelt ist wohlüberlegt und war (im Nachhinein!) dann goldrichtig gewesen: Die Bauern güllern nämlich – überall um uns herum – noch weiter, bis zum Einbruch der Dunkelheit..!

Im Schutz des Zeltes kehrt bei uns dann schnell wieder Routine ein: Waschen, Tee-kochen, essen und schlafen. Und nur von ganz weit weg höre ich im Schlafsack noch das Grummeln des Gewitters, das aber auch während dieser letzten Nacht im Zelt, nicht mehr kommen sollte…

Unser Fazit: Auch die vierte Etappe ist überraschend anspruchsvoll: 26,0 Kilometer und 893 Höhenmeter im Anstieg fordern Körner! Damit aber nicht genug, denn vor allem die 1.056 Höhenmeter im Abstieg gehen ordentlich in die Knie!

Kapfhütte – Oberprechtal-Wittenbach – Finsterkapf – Biereck – Höhenhäuser;

Technisch ist diese vierte Etappe nicht übermäßig anspruchsvoll, aber auch für sie empfehlen wir Wanderstöcke und eine gewisse Grundkondition! Wer die besitzt, der wird auch auf dieser Strecke wieder hervorragende Aussichten genießen können.

Achtung: Unbedingt auch hier wieder an Wetter- und Sonnenschutz denken (Auch ein Sonnenhütchen gehört ins Gepäck)!

Einkehr: Unten im Prechtal (Gasthaus) und am Landwassereck. Dann erst wieder beim Überschreiten der B 294 und am Biereck! Daher auch auf dieser Etappe unbedingt wieder an genügend Flüssigkeit für unterwegs denken und auch ein Vesper einpacken!

Die von uns abgewandelte Strecke: Kapfhütte – Oberprechtal-Wittenbach – Finsterkapf – Biereck – Höhenhäuser; 26,0 Kilometer, 893 Höhenmeter im Anstieg, 1.056(!) im Abstieg.

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-598-3,

so wie Freizeitkarte 506, Titisee-Neustadt – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000 ISBN 978-3-89021-599-0

Empfohlener Wanderführer: Internet Portal Zweitälersteig. Dort findet Ihr alle wichtigen Infos, sogar mit interaktiver Tourenkarte, zum Ausdrucken – sehr empfehlenswert!

 

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



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