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Auf dem Zweitälersteig, 3. Etappe

17 Mai 2011 3 Kommentare

Simonswald – Hörnleberg – Rohrhardsberg – Gschasikopf – Dorfer Kapf (Kapfhütte); 21,6 Kilometer, 990 Höhenmeter im Anstieg, 686 im Abstieg.

Wir haben auch in dieser Nacht wieder gut und erholsam geschlafen, denn sie war ruhig und mild gewesen. Auch die von uns bereits befürchteten Gewitter kamen nicht mehr.
So ist dann auch unsere Ausrüstung trocken geblieben und war nach dem Frühstück rasch gepackt. Gegen Neun sind wir abmarschbereit und brechen auf.

Nun geht es erst mal in Richtung Hörnleberg (905m). Mit seiner kleinen Wallfahrts-Kapelle obendrauf hat der es gleich wieder so richtig in sich, wie wir natürlich längst wissen. Muss Wallfahren eigentlich immer so weh tun..?

Aber auch schon der Weg dorthin kennt eigentlich nur eine Richtung: nämlich aufwärts! Ab und zu bleiben wir stehen, um – neben dem notwendigen Verschnaufen – auch noch die herrliche Aussichten hinunter, ins Simonswälder-Tal, in uns aufnehmen zu können.
Aber auch die phantastische Ginsterblüte entlang unseres Weges ist es durchaus wert, dafür hin und wieder mal stehen zu bleiben.

Noch bevor wir den Hörnleberg erreichen, ist bereits unsere erste Flasche Tee leer. Petrus meint es heute wohl wieder ganz besonders gut mit uns, denn wir haben jetzt schon wieder knapp 20°C, und es ist noch nicht einmal 10.00Uhr – und das Anfang Mai..!

Wir wuchten unsere Rucksäcke dann nur noch diesen ekligen Leidensberg zur Kapelle (sausteil!) hinauf, um dann eine längere Pause zu machen. Dann erleben wir oben aber eine kleine Überraschung: Hier parken – für einen Wochentag – nämlich eindeutig viel zu viele Autos! Manche tragen zudem die Aufkleber von ZweiTälerLand-Tourismus, der für den Zweitälersteig zuständigen Tourismus-Gesellschaft.

Als wir an der Kapelle ankommen, macht mich Claudia sofort auf eine schlanke, junge Frau aufmerksam, die gerade aus ihrem Auto aussteigt und dann zielstrebig auf uns zusteuert:
„Ihr seid bestimmt Rainer und Claudia..!“, meint sie fröhlich.
„Ja..!“, lacht Claudia. „Und Sie sind wohl die Frau Schneider, von ZweiTälerLand..!“

Klar, war sie es – aber was für ein Zufall: Wir kannten uns bisher schon vom Telefon und diversen E-Mails und hatten auch von unterwegs schon engeren Kontakt per „Waldfunk“, da Frau Schneider unsere aktuellen Bilder und Berichte von unterwegs ebenfalls schon die ganze Zeit auf der Facebook-Seite des Zweitälersteiges „online“ stellt! Nur persönlich haben wir uns bisher noch nie getroffen.

Ich hole uns nur noch schnell zwei Ascho’s, um unsere Tee-Vorräte zu schonen, dann erklärt uns Frau Schneider den Hintergrund der heutigen Zusammenkunft, hier oben:
Anlässlich des Internationalen Tag des Waldes war eine große Bank gestiftet worden, die nun hier oben, unmittelbar vor der Kapelle, aufgestellt worden ist. Und zur feierlichen Übergabe ist heute natürlich auch alles hier, was im Umkreis irgendwie Rang und Namen hat.

So wissen wir dann auch gar nicht so recht wie uns geschieht, denn plötzlich sind die „zwei Wanderer des Zweitälersteiges“ nicht nur Bestandteil dieser kleinen Feierlichkeit, sondern zudem auch gleich noch mittendrin. Denn als Herr Bürgermeister Clemens Bieniger (Gemeinde Winden) in seiner Rede begeistert erwähnt, dass er es ganz besonders toll findet, dass wir beide unterwegs sogar „draußen im Wald zelten„, ist dann auch der Kreisleiter Forst, Herr Martin Moosmeyer, hellauf begeistert..!

Aber genau diese Bemerkung des Herrn Bürgermeisters führt dann im Nachhinein noch zu einem sehr wertvollen Gespräch mit den Forstleuten:
„Zelten im Wald ist zwar (offiziell) verboten, aber im Gebirge ist es inzwischen längst üblich, mit dem Zelt unterwegs zu sein! Auch wir werden diesbezüglich wohl lernen müssen, langsam umzudenken..!“, ist der einstimmige Tenor der Forstleute.

Nach dem offiziellen Teil werden wir vom Bürgermeister dann noch zu Wienerle und Weckle eingeladen. Dann bedanken wir uns artig und verabschieden uns auch noch von Uli Schneider, mit der wir inzwischen ebenfalls per Du sind.

Und auch der steile Weg hinunter ist dann wieder ein echter Leidensweg, denn unten brennen uns bereits wieder ordentlich die Fußsohlen. Aber nun ziehen wir beide doch schon etwas zielstrebiger durch den Wald, denn die am Hörnleberg genommene Auszeit – fast zwei Stunden – wird uns heute Abend, zum Ende der Tages-Etappe, ganz bestimmt fehlen!

„Das war es mir aber allemal wert..!“, lacht Claudia nur und ich muss ihr beipflichten.

Nun haben wir den berühmten Rohrhardsberg (1.163m) im Visier, eigentlich auch ein kleiner „Angstberg“ des Zweitälersteiges. Von der Hörnlekapelle aus konnten wir bereits den gesamten Höhenrücken übersehen, der nun vor uns liegt, einschließlich seiner höchsten Erhebung und die ist mal wieder recht beeindruckend und durchaus respekteinflößend!

Aah wah..!“, winkte vorhin aber einer der Gäste an der Kapelle, dazu nur ab und meinte in bestem Badisch: „Wenna erscht ämohl obbe sinn, uff’m Kamm, dann ischs nur noh halb so wild..!“

Ok, wir lassen uns natürlich gerne überraschen, denn im Augenblick kennt unser Weg wieder mal nur noch eine Himmelsrichtung: nämlich aufwärts!
Dann verändert sich aber plötzlich der Weg selbst und wir ziehen endlich wieder mal über ganz idyllische, schmale Trampelpfade! Auch das ist zwar immer noch recht anstrengend, nun aber zusätzlich wieder mit einem Hauch von Lustwandeln gewürzt..!

Immer wieder mal lösen felsige Bereiche die liebliche Waldpfade ab und wo es auch nur kurz mal etwas freier wird, haben wir auch sofort phantastische Tiefblicke, hinunter in die Täler beiderseits unseres Höhenrückens: In das Elztal (links) und auch hinunter nach Haslachsimonswald (rechts).
Ganz besonders beeindruckend ist aber der Tiefblick vom Drachenflieger-Startplatz am Tafelbühl! Hier hat es zudem ein paar Bänke, die im Schatten zum Verweilen einladen.

Kurz darauf passieren wir eine kleine Hütte mit Feuerstelle und folgen dem Pfad daran vorbei, zum Braunhörnle (1.134m). Am Gipfel befindet sich ein großes Holzkreuz mit Gipfelbuch, in das Claudia einträgt:
Rainer und Claudia waren hier zur kurzen Rast auf unserer Zweitälersteig-Tour. Tolle Tour auf traumhaften Pfaden. Bericht mit vielen Fotos wie immer unter www.rainerundclaudia.de

Wir für einen Augenblick nehmen wir auf einer der Bänke Platz und genießen so den Blick hinunter, nach Elzach und über das Elztal hinaus. Dann drängt uns aber doch wieder die heute morgen verlorene Zeit!

Endlich erreichen wir die Kuppe des Rohrhardsberges und damit auch wieder freie Hochweiden. Saftige Grasmatten, die nun keinen Blick mehr einschränken. So haben wir auch von hier oben teilweise traumhafte Fernsichten, selbst über etwas weiter entfernte Höhenzüge des Schwarzwaldes.

Hier oben ist eine Gaststätte, die Schänzle-Hütte, an der wir eigentlich geplant haben, unsere Wasservorräte zu ergänzen. Leider, und ich hatte es insgeheim schon befürchtet, ist auch diese nur am Wochenende geöffnet. Und da leider auch kein Brunnen am Haus ist, ziehen wir rasch weiter, nun aber auf der ständigen Suche nach einem Bauernhof, bei dem wir vielleicht doch noch Wasser tanken könnten.

Da wir heute überhaupt nicht wissen, wie weit wir (wegen des Wetters) noch kommen werden, dürfen wir das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn auch heute wird wieder vor schweren Gewittern im „Südwesten“ gewarnt und ein kurzer Blick zum Himmel genügt, um das zu bestätigen: Immer mehr Gewitterberge bauen sich am Horizont auf!

Auch Claudia bemerkt wohl meinen besorgten Blick: „Heute bekommen wir wohl ’ne richtige Packung ab, mhm..?“, formuliert sie vorsichtig und ich kann als Antwort nur nicken.

Hier oben folgen wir nun erst einmal dem geteerten Wirtschaftsweg, dann führt uns aber bald schon wieder ein Pfad über Viehweiden hinunter, in Richtung eines nahen Bauernhofes.
„Na also.., das passt doch..!“, schmunzelt Claudia da nur und zwängt sich vor mir elegant durch das enge Gatter für Wanderer, das Kühe auf der Weide zurückhalten soll. Mit den großen Rucksäcken passen wir da gerade noch so hindurch.

Vor dem Schänzlehof spielen Kinder und eine junge Frau bringt uns sofort zu einer gefassten Quelle, innerhalb des Hauses. Dort dürfen wir unsere Wasserflaschen auffüllen und mir ist sofort wohler. Eiskalt kommt das Quellwasser hier aus der Leitung und fließt dann über einen rustikalen Spülstein ab.

Nachdem unsere Wasserreserven aufgefrischt sind, bin ich natürlich meine größte Sorge los und kann den weiteren Verlauf der Wanderung nun auch etwas befreiter genießen. Das Beschaffen von Wasser ist nämlich meine Aufgabe und so ist es manchmal schon eine kleine Belastung, wenn man nicht so recht weiß, wo man es her bekommen kann. Hätte ich bei der Wasserbeschaffung nämlich keinen Erfolg, dann müsste schließlich auch Claudia darunter leiden.

Von hier aus folgen wir nun wieder dem leichtem Auf und Ab des Höhenrückens, in Richtung Gschasikopf (1.045m). Der freundliche Herr am Hörnleberg hatte tatsächlich Recht: Ist man erst einmal hier oben, dann geht es sich eigentlich recht angenehm!

Am Gschasikopf findet sich dann noch einmal eine kleine Schutzhütte auf einem Felsvorsprung, von dem aus man erneut einen wunderschönen Blick hinunter werfen kann, nach Elzach! Aber nun auch einmal zurück zum Hörnleberg, mit der Kapelle! Zum ersten Mal können wir nun auch dort hinüber sehen, wo wir noch heute morgen, mit Uli gestanden haben.

Wir verweilen aber auch hier nur kurz, da wir unbedingt noch den Kapffelsen (876m) des Dorferskapf erreichen wollen. Dort ist eine weitere Schutzhütte eingezeichnet die Claudia schon auf einem Foto gesehen hat. Und vielleicht haben wir ja diesmal Glück, und sie ist offen?

Noch einmal hängen wir uns daher so richtig rein und erreichen diesen Aussichtfelsen, über Oberprechtal, in der Abenddämmerung. Inzwischen hat auch schon der Wind etwas aufgefrischt und es „riecht“ buchstäblich nach einem Gewitter!
Claudia steuert sofort die Hütte an und zieht an der Türe: Sie ist offen – Gott sei Dank!

Aber damit noch nicht genug, direkt neben der Hütte ist eine gefasste Quelle und weiter hinten im Wald ist sogar eine (sehr saubere!) Toilette (Plumps-Klo). Vor der Hütte befindet sich eine gemauerte Feuerstelle. Es scheint also fast so, als ob wir heute mal wirklich das große Los gezogen hätte.

Da kann uns das aufziehende Gewitter nun auch keine große Angst mehr machen, zumal die Hütte sogar mit einem Blitzableiter versehen ist. Einziger Wermutstropfen: Der Dachboden ist leider verschlossen, sonst hätten wir unsere „Betten“ wohl oben gemacht.
Aber das ist kein wirkliches Problem: Claudia richtet sich ihr Nachtlager oben, auf dem großen Tisch ein, und ich schlafe quer davor, am Boden.

Während Claudia wieder mal „die Betten“ macht, ziehe ich noch rasch los, um uns im Wald etwas trockenes Holz zu suchen. Das eilt, denn es wird bereits dunkel.

Dann waschen wir uns pudelnackig am Brunnen (wer soll uns auch jetzt noch strören?), bevor ich uns ein kleines Feuer mache und eine heiße Suppe zubereite.
Während wir am Tisch essen, sehen wir hinunter, ins Tal. Mit dem Dunkelwerden erscheinen unten nun immer mehr Lichter. Wir sehen aber auch die Scheinwerfer der Autos, die das Elztal entlang fahren.
Aber auch die von den Ausläufern Freiburgs sind zu sehen. Und natürlich auch das nun immer näher kommende Wetterleuchten, drüben, in den Vogesen!

„Ich glaube…“, sagt Claudia dann irgendwann ganz leise, „die meisten Leute wissen gar nicht, wie wunderschön es bei uns im Schwarzwald ist..!“

Unser Fazit: Auch die dritte Etappe ist genauso erlebnisreich, wie anstrengend! Vor allem der Hörnleberg, und der anschließende, lange Aufstieg zum Rohrhardsberg brauchen Kraft und eine gehörige Portion Grundkondition.
Technisch ist die dritte Etappe nicht mehr so anspruchsvoll, wie die ersten zwei Etappen. Trotzdem empfehlen wir die Wanderstöcke auch hier wieder zur Grundausrüstung. Erneut genießen wir phantastische Panoramen, verteilt über die gesamte Etappe!

Achtung: Unbedingt auch wieder an Wetter- und Sonnenschutz denken (Auch ein Sonnenhütchen gehört ins Gepäck)!

Einkehr: Nur an Wochenenden am Hörnleberg und am Rohrhardsberg! Daher unbedingt an genügend Flüssigkeit für unterwegs denken und auch ein Vesper einpacken! Unterwegs befinden sich auf dieser Etappe keine Trinkwasserquellen!

Die von uns abgewandelte Strecke: Simonswald – Hörnleberg – Rohrhardsberg – Gschasikopf – Dorfer Kapf (Kapfhütte); 21,6 Kilometer, 990 Höhenmeter im Anstieg, 686 im Abstieg.

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000

ISBN 978-3-89021-598-3

Empfohlener Wanderführer: Internet Portal Zweitälersteig. Dort findet Ihr alle wichtigen Infos, sogar mit interaktiver Tourenkarte, zum Ausdrucken – sehr empfehlenswert!

 

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



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3 Kommentare »

  • Jörg Rapp, Bezirkswegewart des SWV im Zweitälerland sagt:

    Hallo Claudia und Rainer,
    zur Ergänzung des Wasservorrats liegt ca. 500 m unterhalb des Wegweiserstandorts Rohrhardsberg-Heiliggeistloch an der linken Schulter des Passeck der Martinsbrunnen, eine Waldquelle, die gutes Wasser hat.
    Man müsste die Rucksäcke oben lassen und nur mit den Wasserflaschen
    etwas umständlich hinuntergehen und natürlich wieder hoch auf den Weg.
    Aber durch euren Bericht kennt der Wanderer jetzt die „Zapfstelle“ Schänzlehof. In ariden Gebieten wär der Waldbrunnen eine willkommene
    Einladung, auch für eine schattige Rast. Es gibt noch weitere „Vorräte“, die nur die Jäger kennen. – An der „Yacher Höhe“ (West), mit guter Fernsichtlücke, fehlt ein Wegweiserstandort, der anfänglich geplant war, aber dann irgendwie vergessen wurde. Er muss diesen Sommer nachgeholt werden. Nochmaliger Gruß, Jerg.

  • Rainer sagt:

    Hallo Jörg, herzlichen Dank für den Tipp! Wie wertvoll solches Insider-Wissen ist, weiß man meist erst zu schätzen, wenn man richtig Durst (und kein Wasser) hat!

    Lieben Gruß, Rainer

  • Matthias sagt:

    Hallo,

    bin am Sonntag die 3. Etappe gelaufen und habe am Martinsbrunnen Wasser aufgefüllt. Die Lage ist wie oben beschrieben, ist auch ausgeschildert.
    Danke für den Tip!

    Gruß, Matthias

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