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Auf dem Zweitälersteig, 2. Etappe

16 Mai 2011 Kein Kommentar

Zweribachfälle – Wildgutach – Teichschlucht – Hintereck – Obersimonswald – Simonswald: 19,5 Kilometer mit 880 Höhenmeter im Anstieg und 1.064 im Abstieg.

Die Nacht war sehr ruhig und friedlich gewesen. Außer dem regelmäßigen Rufen eines Käutzchens und dem leisen, monotonen Gurgeln des Bächleins, direkt vor unserem Zelt, hat man kaum etwas gehört.
Mit Tagesanbruch ändert sich das jedoch immer, denn dann beginnen die Vögel ihr unglaubliches Früh-Konzert. Schön, wenn man da dann noch etwas weiterschlafen darf und alles nur so nebenher, ja fast schon wie von ganz weit weg, wahrnimmt.

Um halb Acht holt mich dann aber der Wecker des Garmin aus dem warmen Schlafsack und ich sehe erst mal ganz vorsichtig aus dem Zelt hinaus.
Der Himmel ist auch heute wieder wolkenlos blau und die Sonne scheint bereits ebenfalls. Ich setze uns Wasser für den Kaffee auf und ziehe nebenher die Karte mit der heutigen Strecke heraus. Claudia stellt sich derweil noch etwas „tot“..!
Die heutige Tagesetappe wird es wohl erneut wieder so richtig in sich haben und ich bin froh, dass wir gestern noch etwa 8 Kilometer von der eigentlichen Gesamt-Strecke abgeknabbert haben. Trotzdem bleiben uns nun immer noch knappe 20 Kilometer, mit etwa 900 Höhenmetern davon übrig. Außerdem ist heute ja auch noch der berühmte, zweite Tag unserer Wanderung und das war bisher auf jeder Mehrtagestour, der absolute, konditionelle Durchhänger gewesen! Mal sehen, wie es heute werden wird.
Als das Wasser kocht, wecke ich Claudia und wir frühstücken gemütlich: Pulverkaffee mit Kondensmilch und Zucker, Brot und Streichkäse. Nebenher mache ich uns gleich noch den Tee für unterwegs.
Danach ist dann schon wieder alles Routine: Anziehen, Einpacken, Aufbrechen..!

Wie jeden Morgen, staksen wir anfangs noch etwas ungelenk, den steilen Wanderweg nach Wildgutach hinunter. Die Muskeln tun heute aber ganz besonders weh und müssen erst wieder behutsam zum Leben erweckt werden – Tag Zwei halt..!

Unten, im Tal angekommen, hat sich das dann aber bereits wieder normalisiert und wir folgen einem idyllischen Wiesenweg zu einem schmalen Steg, über die Wilde Gutach. Drüben halten wir uns gleich rechts und überqueren nach kurzer Zeit auch noch die Landstraße (Vorsicht!).

Nun führt uns die grüne Raute in der wildromantischen Teichschlucht, steil aufwärts und wir beginnen – trotz des steilen Aufstieges – ganz überraschend zu frieren.
Gerade eben haben wir unten im Tal noch kräftig geschwitzt, und nun weht uns plötzlich ein wirklich eisiger Wind entgegen, der eigentlich gar nicht so recht zu den augenblicklichen Wetterbedingungen passen möchte – blauer Himmel und Sonnenschein!

Dann erinnere ich mich aber plötzlich an den Feldberg. Dort habe ich dieses Phänomen auch schon einmal erlebt: Die Kältespeicherung innerhalb einer Blockhalde!

Auch hier bestehen die steilen Hänge aus großen, übereinander liegenden Felsbrocken, die wohl durch Frostverwitterung entstanden sind. Und diese Blockhalde speichert nun – tief unter sich und den ganzen Sommer hindurch(!) – die Kälte des Winters und kühlt so die dazwischen stehende Luft immer auf eisige Temperaturen herunter.
Und diese kalte, und damit schwerere Luft fließt nun, ganz ähnlich wie Wasser, durch die enge Schlucht abwärts, ins Tal! Einfach nur Pech, dass wir ihr nun gerade entgegen gehen müssen!
Früher haben die Schwarzwaldbauern diesen Effekt übrigens dazu benutzt, um kühle Milchkeller anzulegen.

Je höher wir nun aber kommen, umso mehr lässt dieses Phänomen auch wieder nach und bald haben wir diese Kälte völlig hinter uns gelassen. Oben ist uns dann schon bald wieder recht warm und wir legen unter einem großen Felsen eine erste, kurze Pause ein.
„Abenteuerwanderweg“ steht auf einem kleinen Schild, direkt unterhalb des eigentlichen Wegweisers.
„Noch mehr (Abenteuer)..?“, fragt Claudia nur und schmunzelt dabei.

Unser nächstes Zwischenziel ist nun das Hintereck (2,4km), mit der Hintereck-Hütte, einem Wanderheim des Schwarzwaldvereins. Wir vermuten jedoch, dass es unter der Woche wohl geschlossen sein wird, was für uns aber kein Nachteil ist, da wir ja ohnehin alles notwendige mit uns führen.

Dafür wird nun der Weg aber wirklich so richtig abenteuerlich: Eine steile Halde querend, führt uns unser schmaler Pfad durch ein phantastisches Bannwaldgebiet. Urwüchsiger kann der Schwarzwald wohl kaum mehr sein, denn was hier umfällt, das bleibt auch tatsächlich liegen. Nur gerade mal den schmalen Wanderpfad hält man hier so weit offen, dass er gerade eben noch „passierbar“ bleibt. Einfach nur traumhaft schön zu gehen!
Gerade war man dann noch auf diesen schmalen Trampelpfaden unterwegs, da klettert man urplötzlich wieder über wilde Felspfade, nur um dann anschließend auch gleich noch eine steile Geröllhalde auf einem Weg zu durchqueren, der eigentlich nicht einmal mehr die Bezeichnung „Pfad“ verdient hätte! Klasse, so lieben wir das..!

Abenteuerwanderweg..? Doch, ja – ganz eindeutig ein richtiger Abenteuerwanderweg..!

Dann verlassen wir dieses Bannwaldgebiet wieder. Das bemerken wir aber eigentlich nur deshalb, weil an seinem Ende ein weiteres Schild „Bannwald“ steht. Der Wald verändert sich dadurch in seinem wilden Charakter aber nicht wirklich. Er bleibt auch weiterhin ausgesprochen urwüchsig!

Wir ziehen nun immer steiler aufwärts und überqueren dann irgendwann eine Straße, deren Verkehr wir schon eine ganze Weile vernommen haben. Ein breiter Forstweg führt uns drüben aber rasch wieder von ihr weg, weiter hinauf, in Richtung Hintereck.

Und dann wird es plötzlich richtig spannend, denn nun kommt ein Anstieg, der sich durchaus mit dem Farrenkopf in Hausach messen kann! Er ist schmal und steil, und wenn ich hier „steil“ sage, dann meine ich auch „steil“, denn dieser Anstieg zieht nun mit kontinuierlichen 30% aufwärts! Das sind pro 10m Strecke 3 volle Meter Anstieg!
Er macht das nun aber nicht nur über eine kurze Zehnmeterstrecke, sondern hält diese unglaubliche Steigung dann gleich einen ganzen Kilometer lang durch! Und so klettern wir auf diesen eintausend Metern dann auch volle 300 Höhenmeter aufwärts – nämlich von 650müM bis auf 950müM!

So fällt es dann oben wohl auch jedem schwer, noch über das Schild: „So, häsch gschwitzt?„, lachen zu können. Aber belustigend ist es natürlich allemal..!

Über den schmalen Wiesenpfad erreichen wir dann auch gleich darauf das Hintereck mit dem Wanderheim und lassen dort nur noch unsere Rucksäcke zu Boden gleiten.
Wie bereits erwartet, ist das Lokal leider nur an Wochenenden geöffnet, dafür versorgt aber ein Brunnen den durstigen Wanderer ganzjährig mit köstlichem, eiskaltem Quellwasser.

Wir kühlen uns am Brunnen nur kurz Handgelenke, Stirn und Nacken, dann lassen wir uns zu einem ausgedehnten Vesper, auf einer der gemütlichen Bänke im Garten nieder.
Von hier aus hat man jetzt wieder eine phantastische Aussicht, hinüber auf die „Platte“, über die wir gestern Abend noch zu den Zweribach-Wasserfällen, abgestiegen sind.

Es ist inzwischen erneut wieder brütend heiß geworden und wir müssen ganz zwangsläufig viel trinken. Und da wir nicht wissen, wann wir das nächste Mal wieder zum Wasser-Tanken kommen, nütze ich die Chance und koche uns hier auch gleich noch zwei weitere Liter frischen Tee, für unterwegs. So versorgt, sind wir nun in jedem Fall auf der sicheren Seite!

Als wir aufbrechen, sorgt dann erneut wieder ein Wegeschild für gute Stimmung: Ab jetzt sind wir nämlich auf dem Wildsauweg unterwegs! Ein schmaler Pfad, der uns einmal mehr durch ausgesprochen urwüchsige Schwarzwald-Halden führt! Noch nie habe ich diesen bisher so natürlich und so wild belassen erlebt wie hier, hoch über dem Simonswälder Tal!

Dann wird die Bergflanke aber erneut etwas steiler, und der Pfad scheint sich daher auch noch enger in die Halde hinein zu schmiegen. Wildsauweg.., doch irgendwie passt das. Inzwischen ähnelt er nämlich wirklich schon fast einem schmalen Wildwechsel und dort, wo er noch völlig neu angelegt ist, muss man manchmal wirklich schon genauer hinsehen, um seinen weiteren Verlauf auf Anhieb erkennen zu können!

Beim nun folgenden Abstieg wird es dann erneut noch einmal felsiger und wir erreichen kurz darauf den unteren, Spitzen Stein. 873m steht auf einem Schild und wir können uns so den verbleibenden Abstieg leicht ausrechnen: Über 550m Höhenmeter müssen noch „vernichtet“ werden, bis wir wieder unten sind!
Ohne Rucksäcke statten wir dem Felsen noch einen kurzen Besuch ab, und genießen auch von dort aus wieder eine tolle Aussicht, hinunter nach Simonswald.

Von hier aus führen nun sehr schmale Pfade, wirklich steil(!) abwärts. Dieser Bereich ist wieder mit großen Felsen durchsetzt und der dazwischen verlaufende Verbindungsweg,  wurde völlig neu in die Halde hinein gearbeitet!
Hier ist bestimmt viel Schweiß geflossen, bis dieser Abstieg fertig war, trotzdem empfehlen wir Euch hier dringend die Verwendung von Wanderstöcken. Sie geben uns in diesem steilen, selbst bei Trockenheit(!) überaus rutschigen Bereich, einfach noch einmal zusätzliche Sicherheit!

Bald kochen uns dann aber auch die Fußsohlen von diesem unglaublich steilen und zudem nicht enden wollenden Abstieg, so dass ich bei der nächsten Pause einfach Wanderstiefel und Strümpfe ausziehe, und meine Füße im feuchten Gras kühle!
Dann werden die Wege aber endlich wieder flacher und auch breiter. Wir erreichen die Talsohle bei Obersimonswald und folgen nun immer nur noch der Wilden Gutach, bis nach Simonswald, dem eigentlichen Hauptort des Simonswälder Tales.

Eine große Ringelnatter, die plötzlich unmittelbar vor mir über den Weg flüchtet, weckt mich dann wieder aus meiner Lethargie, in die mich wohl die Monotonie des „Spazieren-Gehens“, hier unten im Tal, gebracht hat!
Schade, dass ich sie nicht früher bemerkt habe, denn ein derart großes Exemplar, habe ich schon lange nicht mehr gesehen!

Dann erreichen wir endlich die Häuser von Simonswald und durchqueren das idyllische Städchen. Hier müssen wir nun unbedingt noch einmal Wasser bunkern, um erholsam über die Nacht zu kommen und auch für morgen ausreichend mit Tee versorgt zu sein.
Wer sich tagsüber so verausgabt, der muss auch später (wenn die Anstrengung vorbei ist) noch ausreichend trinken. Und so bereite ich uns abends am Zelt dann immer noch einen Liter Roiboosh-Tee zu, mit dem wir den Tag jeweils gemütlich ausklingen lassen.

Aber dafür benötigen wir nun eben zuerst einmal das Wasser! Das Problem erledigt sich aber fast schon wie von selbst, als wir bei zwei netten Damen vorbei kommen, die gerade ihren Garten gießen. Selbstverständlich dürfen wir bei ihnen auch unsere Wasserflaschen auffüllen und einen Liter Mineralwasser gibt’s sogar noch obendrauf, als kostenlose Zugabe!

So versorgt, ziehen wir dann auf der anderen Seite von Simonswald gleich wieder bergauf, in Richtung Hörnleberg und genießen dabei auch noch einmal einige wunderschöne Blicke zurück, auf das idyllische Schwarzwald-Städtchen.

Dann suchen wir aber im Sonnenuntergang nach einem lauschigen Plätzchen für die Nacht und werden am Rand einer Hochweide fündig. Rasch ist nun das Zelt aufgeschlagen und ich finde sogar noch die Zeit, um einige tolle Fotos vom Sonnenuntergang zu schießen.

Anschließend genießen wir den herrlichen Abend bei einer heißen Tasse Suppe und unserem Tee, bevor wir total erschöpft, aber auch genauso zufrieden, in die Schlafsäcke kriechen.

Unser Fazit: Erneut eine richtig tolle Tagesetappe, die aber mindestens genauso anstrengend, wie schön ist! Der steile Aufstieg durch die wilde Teichschlucht wird immer wieder durch phantastische Panoramen belohnt! Wunderschöner Vesperplatz mit toller Aussicht an der Hintereck-Hütte (am Wochenende bewirtschaftet).

Achtung: Es ist erneut eine gute Grundkondition und absolute Trittsicherheit erforderlich! Personen mit körperlichen Gebrechen sollten diese Etappe lieber meiden! Unbedingt auch wieder an Wetter- und Sonnenschutz denken (Sonnenhütchen)! Wanderstöcke sollten für diese Etappe zwingend zur Grund-Ausrüstung gehören!

Einkehr: Nur in Wildgutach und im Simonswälder Tal. Unbedingt an genügend Flüssigkeit für unterwegs denken und auch ein Vesper einpacken! An Wochenenden ist die Hintereck-Hütte bewirtschaftet, dort ist auch ein Brunnen mit frischem (trinkbarem) Quellwasser!

Die von uns abgewandelte Strecke: Zweribachfälle – Wildgutach – Teichschlucht – Hintereck – Obersimonswald – Simonswald: 19,5 Kilometer mit 880 Höhenmeter im Anstieg und 1.064 im Abstieg.

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 505, Freiburg im Breisgau – Naturpark Südschwarzwald 1:50.000

ISBN 978-3-89021-598-3

Empfohlener Wanderführer: Internet Portal Zweitälersteig. Dort findet Ihr alle wichtigen Infos, sogar mit interaktiver Tourenkarte, zum Ausdrucken – sehr empfehlenswert!

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


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