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Atemberaubend.., „Sentier des Roches“!

2 Juli 2010 2 Kommentare

Col de la Schlucht – Ferme-Auberge Frankenthal – Le Hohneck – Col de la Schlucht, unterwegs auf dem wohl anspruchsvollsten Felsenpfad der Vogesen.

V o g e s e n . . ? Vogesen!

Ja, ich weiß! Etwas weiter oben steht irgendwo etwas, von unseren Exkursionen, im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb! Aber die Vogesen haben uns eigentlich schon lange gereizt! Außerdem sind sie ja nur einen „Katzensprung“ vom Schwarzwald entfernt und haben zudem auch noch den selben Ursprung. Und was wir dort inzwischen erlebt durften, möchten wir Euch auf gar keinen Fall vorenthalten!

Zugegeben, wir haben bisher über die Vogesen genauso „viel“ gewusst, wie die meisten Schwarzwald-Wanderer: nämlich, dass sie im Westen, hinter dem Rhein liegen und französisch sind. Und manchmal sieht man sie ja auch, im Dunst des Horizontes. Daher haben wir uns einfach den entsprechenden Rother Wanderführer besorgt und erst mal „ausführlich“ geschmökert.

Doch, Claudia verbringt sogar gleich mehrere Vorrunden-Spiele der Fußball-WM damit, sich „drüben“ etwas zu orientieren, kann sich danach aber immer noch nicht entscheiden, wo unsere erste Vogesen-Tour hinführen soll. Eine schnelle Durchsicht des Wander-Führers, in Daumenkino-Manier, bringt mich natürlich auch nicht wirklich weiter, dafür aber die Rückseite des Büchleins: hier sind nämlich alle, in ihm beschriebenen Wanderungen, auf einer Karte eingezeichnet. Insgesamt 51, davon drei Schwarze! Ich schlage die schwarze Nummer 38 auf und lese dort: der gesicherte Felsenpfad zählt zu den anspruchsvollsten Wanderungen der Vogesen und verlangt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit!

Die wenigen Bilder geben dann auch den Ausschlag: „Hier, schau mal..!“, teile ich Claudia das Ziel unserer ersten Vogesen-Wanderung mit. (Das nächste Vorrunden-Spiel wird ja gleich beginnen!) Und nachdem sie auch dieses Fußballspiel wieder mit dem Vogesen-Führer teilt, ist sie mit meiner Wahl nicht nur völlig einverstanden, sondern geradezu davon begeistert! (Und Claudia ist – wie schon des Öfteren erwähnt – absolut nicht Schwindelfrei!) Ein kurzer Anruf bringt dann auch noch Annerose und Rainer ins Boot – zu viert wollen wir es morgen wagen.

Die Anfahrt ins Elsass erfolgt über BreisachNeuf BrisachMunster, in Richtung Geradmer – eine gute Stunde ab Freiburg.

Am Col de la Schlucht parken wir und folgen der Straße etwa hundert Meter zurück, dann führt rechts ein schmaler Weg, steil bergab. Die Tour ist sehr gut ausgeschildert, eine vorherige Gelände-Orientieren mit einer 50.000er-Karte, könnte jedoch zusätzlich hilfreich sein! So weiß man nämlich immer, in welcher Himmelsrichtung man, z. B. an Abzweigungen, weitergehen muss.

Wir empfehlen zudem, der Beschreibung des Rother Wanderführers zu folgen, wenn auch die Zeitvorgabe von 3,15 h (reine Gehzeit!), absolut illusorisch ist! Wir benötigen dafür insgesamt, allerdings auch recht gemütlich und mit vielen Fotostopps, über 8(!) Stunden! An Sonn-, und (französischen) Feiertagen würden wir diese Tour jedoch unbedingt ganz meiden, da sie dann völlig überlaufen ist! Selbst donnerstags ist sie recht gut begangen.

Der Abstieg beginnt mit einer unangenehmen Überraschung: der Weg ist an der ersten Abzweigung (wegen Ausbesserungs-Arbeiten), schon nach wenigen hundert Metern gesperrt. Jetzt umdrehen? Nein!

Ich habe mein Wörterbuch im Auto gelassen..!„, schlägt Claudia vor, sich doof zu stellen und wir versuchen ein Durchkommen. Nach etwa einem halben Kilometer erreichen wir dann die Baukolonne, fünf Männer in unserem Alter. Der Erste, wahrscheinlich der „Capo“,  ist sehr dominant und kann plötzlich perfekt deutsch, als wir versuchen, uns dumm zu stellen! Als wir ihre Arbeit loben, beruhigt ihn jedoch ein anderer und winkt uns freundlich durch die Baustelle (Sie erneuern die Geländer!) hindurch!

Kanal-Wackes..!„, schmunzelt Rainer anschließend (in keiner Weise abwertend!) nur und meint damit Elsässer, die auch heute noch, meist zweisprachig aufwachsen.

Eine persönliche Anmerkung dazu: im Allgemeinen halten wir uns immer an solche Hinweise/Verbote und waren auch jederzeit darauf vorbereitet, vielleicht umdrehen zu müssen. Uns sind zu diesem Zeitpunkt jedoch schon Wanderer entgegen gekommen und später haben wir gesehen, dass der Weg von der anderen Seite her, nicht(!) gesperrt war, sondern dort lediglich auf Ausbesserungsarbeiten hingewiesen wurde!

Der Sentier des Roches führt nun, teils etwas ausgesetzt, über kleine Brücklein und Stege – (aber niemals ungesichert!) – immer weiter hinunter, ins Tal und bietet uns herrliche Aussichten, über Felsmassive und Steilhänge. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs nur um kurze, abenteuerliche Passagen, sondern um einen langen Abenteuer-Steig, auf dem man sich über Stunden(!) hinweg, immer am Abgrund bewegt! Und wer erst einmal richtig „drin“ ist, der muss auch durch (oder irgendwann umdrehen, was aber nicht wirklich einfacher ist!)!

So richtig gefährlich, weil rutschig, wird dieser Felsenpfad aber bei Nässe, und wohl absolut lebensgefährlich, bei einem heranziehenden Gewitter! Die vielen Eisengeländer im Fels, stellen bestimmt hervorragende „Blitzableiter“ dar! Ein kurzer Blick auf die Wettervorhersage, könnte für diese Tour also wohl nicht schaden..!

An den etwas ausgesetzteren Stellen, dort, wo man über den Baumkronen der unter uns wachsenden Bäume ist, hat man hervorragende Ausblicke auf die umliegenden Gipfel und Täler. Aber auch zurück, auf die Pass-Straße, hinauf zum Col de la Schlucht.

Wir sind inzwischen schon ziemlich ausgepowert, können uns aber trotzdem kaum satt sehen, an dieser wilden Natur. Immer wieder finden wir auch interessante Pflanzen. Der Rote Fingerhut fängt hier jetzt gerade an zu blühen und auch der Gelbe Enzian treibt bereits seine Blütenkerzen aus. „Dreistundenundfünfzehnminuten..!“, hallt es immer wieder in mir nach! Was diese „Irren“ wohl davon überhaupt noch mitbekommen..?

Achtung, Meeenschen..!„, frotzelt Claudia dann irgendwann leise und macht Platz. Ein sportlicher, junger Mann, mit Rucksack, hastet – mit einem freundlichen: „Bonjour..!“ – an uns vorbei.

Der hat bestimmt auch den Rother Wanderführer!„, meint Rainer nur trocken und ich verstehe nicht gleich..! „Und jetzt will er wissen, ob die Tour wirklich in drei Stunden und fünfzehn Minuten machbar ist..!„, ergänzt er daher verschmitzt. (Diesen trockenen Humor liebe ich an ihm!)

Am Ende des Felsensteiges mündet der Pfad auf einen Weg, hinauf zur Ferme-Auberge Frankenthal. Hier kann man beschaulich rasten und sich nebenher auch noch vom friedlichen „Kling-Klong„, der Kuhglocken berieseln lassen.

Nun gilt es aber, die auf dem Felsenweg abgebaute Höhe wieder zurück zu gewinnen. Steil geht es daher hinauf, vorbei an der Grotte Dagobert, zum Col du Schaeferthal. Wo der schmale Pfad aus dem Wald tritt, hat man einen wunderschönen Blick zurück, auf die Ferme-Auberge Frankenthal und auch hinüber, auf die Felsen der Martinswand.

Wir machen noch eine kurze Stippvisite an einen aussichtsreichen Felsen, dann ziehen wir – über ausgedehnte Hochweiden – hinüber, zum Petit Hohneck. Claudia sieht kurz hinunter, zu einem kleinen Stausee und träumt von einer Abkühlung, dann kämpfen wir uns aber vollends hinauf, zum Hohneck-Gipfel (1.363 m).

Auch hier hat man noch einmal die Gelegenheit, gepflegt einzukehren. Uns zieht es aber gleich weiter, über die weiten Wiesenwege, hinüber zum Col de la Schlucht. Unterwegs sehen wir sogar noch eine Gämse, bevor uns der Buchenwald wieder Schatten spendet und uns zurück begleitet, zum Pass und dem Auto.

Unser Fazit: Eine Abenteuer-Tour, die im Schwarzwald ihresgleichen sucht, aber nicht wirklich finden kann! Mit dieser Wildheit kann selbst der Alpine Steig, am Feldberg, nicht mehr mithalten!

Seht Euch – vor einer geplanten Nachahmung – aber unbedingt die Bilder unseres Berichtes an und wenn Ihr dabei auch nur die kleinsten „Bedenken“ findet, solltet Ihr diese Tour lieber auslassen!

Auch für trittsichere Kinder (ohne Höhenangst!), die schon über etwas Kondition verfügen, möglich! Sie aber unbedingt an der „ganz(ganz!) kurzen Leine halten“! (Absturzgefahr!) Ich würde mir diesen Weg mit einer Kindertrage (vom Gewicht her) vielleicht zutrauen, die Verantwortung dafür aber niemals übernehmen!

Genügend Getränke in Plastikflaschen (kein Glas!!!) mitnehmen und auch an ausreichendes Vesper denken (Unterzuckerung!).

Google Map  

2 Kommentare »

  • Rainer sagt:

    Hey Rainer,
    treffend geschrieben und auch gut mit Bildern hinterlegt, zeigt Dein Bericht wie schön wild aber auch gefährlich dieser Felsenweg sein kann. Aber trotz allem es war mal wieder eine tolle Wanderung mit Euch.

  • heinrich ginader sagt:

    bin diese strecke schon gelaufen. super .

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