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Abenteuer Wutachschlucht: 1. Etappe

27 Juli 2010 Ein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 1 von 4 in der Serie Abenteuer Wutachschlucht

Kappel – Höllochfelsen – Rechenfelsen – Stallegger Tanne – Räuberschlössle – Schattenmühle – Lotenbachklamm: 10,5 km (Garmin).

Wir unternehmen diese Tour mit zwei Autos und parken das Erste auf dem Wanderparkplatz, am oberen Einstieg der Lotenbachklamm, dem Ende dieser Etappe. Dann fahren wir mit dem zweiten Wagen nach Kappel. Dort stellen wir ihn am Waldrand, ganz in der Nähe des ehemaligen Bahnhofes, ab und folgen der rot-weißen Querweg-Raute. Entlang der alten Bahntrasse, geht es zunächst einmal recht bequem dahin. Ein breiter Forstweg folgt der Haslachschlucht, hält sich dabei aber immer am Rande des Plateaus, hoch über dem Fluss. An einer Sitzbank führt dann jedoch ein Trampelpfad steil hinab, zur Haslach und ein Schild warnt ziemlich eindeutig. Wir bekommen auch gleich einen kleinen Vorgeschmack auf das, was da wohl noch so auf uns zukommen wird, denn die Felsen sind noch nass, vom Tau und daher auch ziemlich rutschig. Sie verlangen uns volle Aufmerksamkeit ab und nur gut, dass wir Stöcke dabei haben! Noch bevor wir den Grund der Schlucht erreichen, führt uns der Pfad jedoch zum Höllochfelsen, einer Geländer-gesicherten Aussichtskanzel. Zum ersten Mal können wir von hier aus hinunter sehen, auf die Haslach, tief unter uns. Der ausgewaschene Pfad führt nun, in vielen Spitzkehren, steil hinunter und nur die angenehme Kühle des Morgens verhindert ein noch stärkeres Schwitzen. Inzwischen ist uns nämlich schon recht warm geworden und je tiefer wir hinunter kommen, um so „schwüler“ scheint es zu werden! Von unten steigt uns, inzwischen deutlich fühlbar, richtig feucht-warme Luft entgegen! Dann erreichen wir endlich den Talgrund und stehen am Ufer der Haslach. Hier sind alle Alltagsgeräusche ausgesperrt und man hört nur noch das Wasser und Vögel. Plötzlich bleibt Claudia so abrupt stehen, dass ich fast auf sie auflaufe: „Schau mal..!“, sagt sie leise und ich folge ihrem Blick. Direkt vor ihr sitzt ein großer Grasfrosch mitten auf dem Weg und erst als ich ihm mit der Kamera zu nahe komme, sucht er das Weite.

Der Pfad folgt nun vorerst immer dem Ufer der Haslach und ist recht angenehm zu gehen. Immer wieder bleiben wir aber stehen, um diese herrliche Urwüchsigkeit in uns aufzunehmen. Schon der Pflanzenreichtum ist hier wirklich überwältigend! Man sollte sich daher Zeit lassen und – ab und zu – auch mal genauer hinsehen, denn es lohnt sich! Selbst die Blätter der Pestwurz erreichen hier beeindruckende Ausmaße.

Die ganze Wutachschlucht ist Bannwald-Gebiet und damit Urwald. Was hier „umfällt“, bleibt „liegen“ – nur der schmale Wanderpfad wird frei gehalten. Ganz besonders idyllisch wirkt das natürlich hier unten, am Talgrund.

Dann wird das Engtal urplötzlich zur Schlucht. Hier pressen sich – nach kräftigen Unwettern – auch die Hochwasser der Haslach, zwischen den engen Felswänden einer Klamm hindurch. Für unvorbereitete Wanderer, manchmal nicht ganz ungefährlich! Heute ist jedoch alles ruhig und wir können das Schauspiel am Rechenfelsen, in aller Ruhe genießen. (Persönliche Anmerkung: Nur wenige Stunden, nachdem wir diese Bilder gemacht haben, überstieg das Hochwasser eines Unwetters, den Pfad entlang der Haslach, um mehr als einen Meter!) Inzwischen ist es hier unten noch wärmer geworden und aufsteigender Dunst versetzt uns zunehmend in eine schon fast tropische Landschaft. Auf dem Bild rechts ist diese Schwüle als feiner Nebel, über dem Wasser, deutlich zu sehen. Wir bewegen uns inzwischen recht gemächlich, um in dieser „Waschküche“ nicht all zu sehr ins Schwitzen zu kommen und wer über eine Tagesetappe von „nur“ 10,5 Kilometern hier vielleicht milde lächelt, der sollte bei der Planung seiner eigenen Tour vielleicht auch an solche, völlig unerwartete „Banalitäten“ denken. Außerdem möchte man ein derart ausgefallenes Wandererlebnis doch auch – ohne jede Hast – richtig genießen können! Ein kurzer, steiler Aufstieg bringt uns dann hinauf, auf den ebenfalls Geländer-gesicherten Rechenfelsen. Hier hat man wieder beeindruckende Tiefblicke, direkt hinunter, in die Klamm. Wir gehen weiter und sehen – schon vom Weg aus – Gruppen großer Pfifferlinge im Wald stehen. Aber bitte nur anschauen, denn die gesamte Wutachschlucht, einschließlich ihrer Nebenschluchten, ist Naturschutzgebiet!

Der schmale Weg bleibt nun erst einmal oben und zieht sich durch die steile, linke Halde, der Schlucht. Immer wieder hat man daher beeindruckende Tiefblicke, hinunter auf die Haslach und wo es vielleicht doch einmal „kritischer“ wird, ist man immer durch ein Geländer, oder durch Stahlseile gesichert. Bald erreichen wir den Zusammenfluss von Haslach und Gutach. Ab hier heißt das Flüsslein nun Wutach, was nicht von ganz ungefähr kommt. Der Name leitet sich ab von „der wütenden Ach„! Und wer sich nun auch noch das nächste Bild anschaut, der weiß spätestens jetzt, wie schnell das Wetter in der Schlucht völlig kippen kann! Aus dem „Nichts“ heraus, erleben wir nun nämlich einen gewaltigen Wolkenbruch! Und wer erst einmal so tief in der Schlucht drin ist, wie wir, der muss halt auch durch! „Abkürzungen“ gibt es (fast) keine, daher unbedingt – auch bei schönem Wetter – immer an entsprechende Regenbekleidung denken! (Ein Handtuch einzupacken, kann auch kein Fehler sein, haben wir festgestellt!) Und noch ein ganz persönlicher Tipp: Natürlich ist es schön, in leichten Schuhen zu „wandeln“. Darauf solltet Ihr in der Wutachschlucht aber vielleicht lieber verzichten, denn wenn es hier einmal richtig nass wird, dann versinkt Ihr, an manchen Stellen, wirklich im Schlamm! Also unbedingt immer(!) hohe Wanderstiefel tragen! Regen hin, Regen her, wir folgen der Wutach am linken Ufer weiter und passieren die Mündung des Rötenbaches, das alte E-Werk mit der Staumauer und natürlich auch die gewaltige Stallegger Tanne. Ein wahres „Ungetüm“ von Baum, das bereits 250 Jahre alt ist und inzwischen einen Stammumfang von immerhin 4,24 m(!) erreicht hat! Bald darauf erreichen wir die Stallegger Brücke, eine überdachte Holzkonstruktion. Hier finden wir den einzigen, wirklich trockenen Platz und beschließen daher, kurz zu rasten. Dann ziehen wir weiter, hinauf zum Räuberschlössle. Ein letztes Foto noch, und ich bringe die Kamera – für heute – endgültig in Sicherheit. Es regnet einfach zu stark und zu anhaltend, um noch weiter fotografieren zu können. Mit strammen Schritt marschieren wir daher zum ersten Auto, das wir heute morgen, am Ende der Lotenbachklamm, geparkt haben. Unterwegs beratschlagen wir noch, wie wir diese Fototour wohl am Besten zu einem positiven Ende bringen können und beschließen dann, sie einfach – an einem schöneren Tag – ab dem Räuberschlössle fortzusetzen. Trotzdem möchten wir Euch auch dieses letzte Regenfoto nicht vorenthalten, denn auch eine solche Stimmung hat etwas..! Das Bild zeigt Claudia, im Räuberschlössle, hoch oben, über der Wutach. Ein paar Tage später wiederholen wir die Tour dann und schießen die noch fehlenden Fotos nach. So können wir Euch hier nun auch noch Bilder vom Stauwehr und der Stallegger Tanne nachreichen. (Unten!)

Wieder ist es herrlich warm und Claudia nutzt daher bald jede Gelegenheit, um sich etwas zu erfrischen. An der Sandbank der Rötenbachmündung kühlt sie sich kurz die Handgelenke und auch das über eine Kalktuff-Barriere herab rinnende Quellwasser ist dazu herzlich willkommen. Hier wird vom Wasser – ähnlich, wie in einer Tropfsteinhöhle – Kalk abgelagert.

Als wir dann endlich wieder am Räuberschlössle ankommen, ist es dort schon ziemlich voll. Der beliebte Pausenplatz bietet nämlich einen grandiosen Tiefblick, hinunter auf die Wutach. Leider können wir daher auch keinen, der idyllischen „Fensterplätze“ mehr ergattern und beschließen deshalb, nur schnell etwas zu essen und dann gleich wieder weiter zu ziehen. Trotzdem gelingt es mir, noch ein schnelles Foto, hinunter zur Wutach, zu schießen. Es lässt die Tiefblicke wohl erahnen, die man von hier aus genießen kann (Siehe Foto rechts!).

Gerade, als wir aufbrechen wollen, sehe ich plötzlich einen Großen Schillerfalter auf dem Geländer sitzen, den – außer mir – wohl niemand zu bemerken scheint. Er bleibt sogar ganz still sitzen, um sich fotografieren zu lassen, weigert sich jedoch strikt, auch nur einmal kurz die Flügel zu öffnen, um seine metallic-blaue Oberseite zu zeigen. Die sehe ich leider erst wieder, als er davon fliegt. Schade, aber trotzdem bin ich happy, denn schließlich sieht man einen Großen Schillerfalter nicht alle Tage..! Meine letzte Begegnung mit einem, dieser sehr seltenen Kleinode, liegt bestimmt schon 15 Jahre(!) zurück und ich weiß sogar heute noch ganz genau, wo das war!

Nach dem Räuberschlössle entfernt sich der Weg leider etwas von der Wutach und verliert auch zunehmend an Romatik. Erst kurz vor der Brücke, an der Schattenmühle, geht es wieder steil hinunter, bevor wir die Wutachbrücke überqueren.

Über den Parkplatz (Ausgangspunkt der zweiten Etappe!) wandern wir abschließend in die kühle

Lothenbachklamm hinein. Hier wird es nun noch einmal richtig idyllisch. Steile Treppen, urige Stege und viele, romantische Brücklein führen uns hinauf, zum oberen Ende der Klamm, mit dem Parkplatz. Hier sollte man immer etwas vorsichtig sein, da es zwischen den Felsen immer feucht und daher auch entsprechend rutschig ist! Aber die Lothenbachklamm ist noch einmal ein echtes Highlight und so auch wunderschöner Abschluss dieser Tour, die wirklich nicht mit vielen Kilometern aufwarten kann. Dafür bietet uns aber fast jeder einzelne Meter von ihr, ein richtiges Wander-Erlebnis. Das Abenteuer Wutachschlucht..!

Strecke: 10,6 Kilometer

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HD-Wutachschlucht1

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Abenteuer Wutachschlucht: 2. Etappe

Ein Kommentar »

  • Rainer sagt:

    Schön wie Du die Stimmungen dieser Wanderung eingefangen hast. Ich freue mich schon auf Deine Berichte zur 2. und 3. Etappe.

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