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Abenteuer „Schluchtensteig“ – 5. Etappe

23 April 2011 Kein Kommentar

Die Nacht im Bachbett der jungen Wehra war ruhig gewesen, trotzdem habe ich schlecht geschlafen. Immerzu träumte ich von irgendwelchen Hochwassern, die durch die steile Schlucht herunter kommen könnten.
Natürlich sollte man eine solche Gefahr nicht unterschätzen, aber an unserem Biwak-Platz hätten wir selbst bei einem schnell steigenden Hochwasser noch genügend Zeit gehabt, in aller Ruhe unser Zelt abzubauen und zusammen zu packen!

Etwas „gerädert“ widme ich mich dann auch der Zubereitung des Frühstücks, nachdem uns der Garmin weckt. Draußen in der Schlucht ist noch alles triest und grau.
Neben dem Kaffee-Trinken besprechen wir dann noch den letzten, nun vor uns liegenden Tag, bevor das Packen wieder seinen gewohnten Gang geht – ganz entsprechend unserer Standard- Aufgabenverteilung.

Nach dem Aufbruch folgen wir dem Idyllischen Pfad durch die steile Schlucht hinunter, nach Todtmoos. Als wir eintreffen, kommt gerade Leben in das Städtchen – die ersten Passanten kaufen ein und einige Bauarbeiter wecken den Rest, der vielleicht noch nicht freiwillig aufstehen wollte, mit ihren Presslufthämmern.


Obwohl wir das Städtchen leider nur ganz kurz durchqueren stellen wir fest, dass es sehr gepflegt ist. Hier kann man sich bestimmt mal für ein paar Tage recht wohlfühlen.

Auf der anderen Talseite führt uns dann gleich ein breiter Wanderweg wieder spürbar aufwärts. Wir passieren die Klinik am Wehrawald, ein Reha-Zentrum der Deutschen Rentenversicherung und schauen noch einmal zurück, auf das liebliche Schwarzwaldstädtchen.

Anschließend folgen wir einfach nur noch dem breiten Wirtschaftsweg, weiter Wehra-abwärts. Dieser Teil der Etappe bietet eigentlich wenig Erwähnenswertes – außer, dass der Schluchtensteig (ohne eine ausgeschilderte Umgehung) wegen Forstarbeiten plötzlich gesperrt ist.

Hier ist nun guter Rat teuer: wir sind zwar – mit Karten und Garmin – orientierungstechnisch ganz gut ausgestattet, aber ohne zu wissen, wo genau wir wieder auf den Schluchtensteig zurück können, nützt uns das natürlich wenig! (Herr Förster mit Verlaub, da war ich richtig sauer!!!)

Und in dieser Götz-von-Berlichingen-Stimmung gingen wir dann auf dem gesperrten Weg auch einfach weiter. Irgendwie werden wir uns da schon durchmogeln, denken wir und auf den Mund gefallen sind wir ja schließlich auch nicht!
Der erste Waldarbeiter ist dann auch ganz erstaunt, als er uns so plötzlich sieht und noch mehr, weil keine Umleitung ausgeschildert ist: „Aber der Förster wollte das doch machen..?!“

Irgendwie kämpfen wir uns dann einfach durch, denn Baumfällarbeiten finden hier oben ja keine mehr statt, man ist eher am „Aufräumen“!

Nachdem wir das Ärgernis endlich überwunden haben, meldet sich erst mal mein Magen und wir nehmen eine Bank in der Sonne in Beschlag. Mit ein paar Landjägern, etwas Brot und einige Schlucken Tee habe ich dann wohl auch meinen Groll auf den Förster wieder hinunter geschluckt denn meine Fröhlichkeit kehrt nun rasch zurück.

Kurz darauf erreichen wir die Talsohle beim Sägewerk und überqueren dort Straße und Wehra. Wirtschaftswege führen uns noch nach Au hinein, dann folgen wir dem breiten Weg aber gleich wieder aufwärts.

Nun befinden wir uns auf der linken Talseite und zuerst ist eigentlich auch hier noch alles recht „langweilig“. Dann kommen wir jedoch an eine Gabelung und der Schluchtensteig beginnt ab hier seinem Namen wirklich alle Ehre zu machen: Auf mehreren Kilometern Länge zieht er nun als schmaler Pfad, durch die Steile Halde der Wehraschlucht – ein wahres Highlight des gesamten Schluchtensteiges!
Wer einen Blick in die Karte werfen möchte, dem wird wohl schnell auffallen, wie die Höhenlinien in diesem Bereich immer enger zusammenlaufen. Die Talflanken werden hier nämlich immer steiler und verdienen sich den Namen Wehra-„Schlucht“ so durchaus.

Ziemlich abenteuerlich werden wir jetzt – hoch oben – durch die Wand geführt und Claudia bekommt so auch wieder zunehmend Probleme, mit ihrer Höhenangst. Die sollte man auf diesem Pfad aber schon einigermaßen im Griff haben, vor allem während man den sogenannten „Hirschfelsen“ passiert. „Adlerfelsen“ wäre eigentlich irgendwie passender!

Hier wurde an wirklich exponierter Stelle ein Bänklein in eine schmale Nische drapiert. Und um dem Wanderer den Tiefblick auch ja zu garantieren, hat man abwärts dann gleich auch noch sämtliche Bäume entfernt, die ihn irgendwie einschränken könnten. So sieht man von hier aus dann auch wirklich ungehindert, richtig steil hinunter, bis zur Straße im Talgrund!

Eine tolle Vogelperspektive, ich bin richtig begeistert  – und Claudia natürlich „auch“! Daher kann ich hiervon leider kein Foto anbieten, da ich mich um Claudia kümmern muss. In dieser schmalen, sehr ausgesetzten Stelle hat sie wirklich Angst und ich führe sie daher auch langsam hindurch.

Nach dieser kurzen Passage zieht der Pfad dann wieder weiter abwärts und die Halde flacht sich immer weiter ab. Wir nähern uns nun der Wehrabrücke, wo wir unten erneut die Talseite wechseln werden.

Leider wird daraus aber nichts, weil der Weg durch die rechte Talflanke erneut wegen Baumfäll-Arbeiten gesperrt ist.
Das ist wirklich sehr schade, denn drüben führt der Schluchtensteig nun eigentlich durch die wunderschöne, steile Mettlerhalde, einem phantastischen Bannwaldgebiet hoch über der Wehratalsperre. Aber zumindest ist diesmal die „Umleitung“ hervorragend ausgeschildert. Klar, dass wir uns dann auch daran halten! Außerdem hören wir von drüben nicht nur die Kettensägen der Waldarbeiter herüberhallen, sondern auch das laute Brechen, umstürzender Bäume.

„Also gut, besuchen wir halt mal wieder das „Felsenhäusle“..!“, lacht Claudia etwas sarkastisch. Auch dort ist nämlich eine ihrer „Angst-Passagen“ dieser Etappe.

Aber zuerst führt unser Weg nun wieder mal kräftig aufwärts und dann irgendwann durch zwei, in den Fels geschlagene Tunnel hindurch. Das ist leider auch schon die ganze Abwechslung, auf dieser Talseite. Zumindest bis zum Felsenhäusle.
Dort haben wir eigentlich wieder eine kurze Pause eingeplant, aber die schenken wir uns dann doch lieber: Ein eiskalter Wind lässt uns nämlich frieren, sobald wir die Rucksäcke abgenommen haben! So verschwitzt, wie wir vom Aufstieg hier herauf sind, könnten wir aber leicht krank werden und das wollen wir natürlich nicht riskieren.

(Den phantastischen Ausblick vom Felsenhäusle, hinunter ins Wehratal, seht Ihr auf dem ersten Bild oben! Es ist übrigens vom richtigen Weg, also von der anderen Talseite aus, ebenfalls wunderschön zu sehen. Dort steht sogar extra ein Bänklein mit einem Hinweispfeil „Felsenhäusle“!)

Also schießen wir nur schnell noch einige Fotos, dann ziehen wir rasch weiter. Auf dem breiten Wirstschaftsweg sind wir wenigstens etwas windgeschützt.

Was nun kommt, verfluche ich lautstark: Der langweilige Weg führt nur noch bergab. Zudem ist er mit unangenehm groben Schotter belegt, den man bei jedem Schritt – teilweise recht schmerzhaft – spürt! Und unsere schweren Rucksäcke schieben uns natürlich kräftig abwärts und wollen wieder mit jedem Schritt gebremst werden.
Das ist so richtig Sch…e! Immer öfters muss ich kurz anhalten, denn meine Fußsohlen brennen wie Feuer!

Ich kann nur jedem raten: Erkundigt Euch bitte unbedingt vorher, ob Ihr über diese Umleitung müsst! Sie ist wahrlich kein Ersatz für die tolle Wegstrecke, drüben auf der anderen Talseite und ihr einziges Highlight sind (neben den beiden Tunnel und dem Felsenhäusle) die kräftig schmerzenden Fußsohlen!

Irgendwann ist das Martyrium dann aber vorbei und wir erreichen die Wehratalsperre. Zwischen See und Bundesstraße führt uns die gelbe Raute noch zur Staumauer, wo von rechts jetzt wieder der eigentliche Schluchtensteig zu uns stößt.
Nun folgen wir wieder den vertrauten Wegzeichen, links der Straße hinunter nach Wehr und dann noch zum Busbahnhof, von wo aus wir mit Bus und Zug zurückfahren nach Stühlingen, zu unserem Auto.

Es sei ausdrücklich erwähnt, dass die auf der Info-Seite des Schluchtensteiges vorgeschlagenen Verbindungen wirklich prima sind!

Anderthalb Stunden später geht in Stühlingen dann wieder einmal ein tolles Wanderabenteuer zu Ende. Ein Abenteuer, das wir erneut mitten in Deutschland erlebt haben und das Ihr hier, auf Rainer & Claudia hoffentlich hautnah miterleben konntet.

Wir wünschen uns natürlich, dass es Euch ebenfalls gefallen hat und Euch so wieder einmal mehr zeigen konnte, wie schön doch unsere Heimat ist – der Hochschwarzwald!

Rainer und Claudia

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Unser Fazit: Eigentlich ein echtes Highlight des ganzen Schluchtensteiges, durch die temporäre Umleitung über die linke Talseite, im unteren Bereich, leider nur noch ein Schatten seiner selbst! Wir haben diesen Abschnitt schon im Herbst 2010 erwandert und haben ihn unter Im Bannwald der Wehrahalden ebenfalls online gestellt. Dort findet Ihr – neben der ausführlichen Beschreibung – auch viele Fotos über den hier leider fehlenden, westlichen Abschnitt. Bitte beachtet auch, dass wir die damalige Tour als Rundwanderung – im Uhrzeigersinn – (und damit genau anders herum!) absolviert haben.

Original(!) – eine wunderschöne, weil wirklich abenteuerliche Tour durch eine phantastische Landschaft des Südschwarzwaldes! Sehr anstrengend durch kontinuierliche Abstiege (1.302 Höhenmeter insgesamt)!

5. Etappe : Hohwehraschlucht – Todtmoos – Wehraschlucht – Wehr, 24,6 km mit 707 Höhenmeter im Anstieg / 1.302 m im Abstieg

Mit Kindertrage machbar, aber sehr, sehr anstrengend! Unbedingte Trittsischerheit erforderlich! Absolute Schwindelfreiheit ist nicht erforderlich, eine eventuell vorhandene Höhenangst sollte man jedoch bewältigen können!

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 508 Lörrach 1:50.000

ISBN 978-3-89021-601-3

Empfohlener Wanderführer: – keiner –

Detaillierte Info unter: http://www.schluchtensteig-schwarzwald.de

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]



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Abenteuer „Schluchtensteig“ – 4. Etappe

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