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Abenteuer „Schluchtensteig“ – 2. Etappe

19 April 2011 Ein Kommentar
 Dieser Artikel ist Teil 2 von 5 in der Serie Abenteuer "Schluchtensteig"

Unsere 2. Etappe, von Aselfingen bis zur Rötenbach-Mündung erstreckte sich über 23,1 km mit 896 Höhenmeter im Anstieg (708 m im Abstieg).

Nach einer ruhigen, erholsamen Nacht, weckt uns das Piepsen des Garmin – es ist 7.00 Uhr! Ein erster Blick hinaus und zum Himmel lässt nur Gutes verheißen: Blauer Himmel, und die Sonne scheint auch schon. Nur die Wiese ist noch völlig nass vom Tau.
Ich stelle Kaffee-Wasser auf und richte das Frühstück, während sich Claudia noch etwas „tot“ stellt. Als dann aber der frische Kaffee-Duft durch’s Zelt zieht, öffnet auch sie die Augen.

Wir frühstücken in aller Ruhe und besprechen nebenher den anstehenden Wandertag. Dann koche ich uns vom restlichen Wasser noch zwei Liter Tee, für unterwegs. Zusammen mit dem Rest von gestern Abend haben wir damit für heute leider nur zweieinhalb Liter zur Verfügung – anderthalb Liter weniger, als gestern! Wir werden sie uns vielleicht etwas einteilen müssen, denn Wasser werden wir erst wieder in der Schattenmühle ergänzen können!

Während Claudia drinnen die Betten „macht“ (Schlafsäcke, Luftmatratzen und Isomatten zusammenpacken), packe ich draußen beide Rucksäcke neu. Nur so bekommen wir wieder alles schön geordnet „unter“! Dann noch ein letzter, prüfender Blick, es darf am Lagerplatz nämlich nichts zurückbleiben, als niedergetretenes Gras! Jedes noch so kleine Stückchen Abfall ist sorgfältig eingepackt und wird bis zum nächsten Mülleimer mitgenommen – für uns eine Selbstverständlichkeit!

Auch heute ist es wieder kurz vor Neun, als wir die zweite Etappe unter die Füße nehmen. Unser nächstes Zwischenziel ist nun die Schattenmühle, ein Sägewerk am Eingang zur eigentlichen Wutachschlucht.
Direkt neben der Straße befindet sich dort ein Schilderbaum, auf dem auch der Jakobsweg ausgeschildert ist und Claudia lacht unvermittelt los:
„Schau mal, nach Santiago de Compostela sind es von hier aus nur noch 1.969 km..!“
„Oh, hast Du Dir ein neues Etappenziel ausgesucht?“, frage ich sie mit einem Augenzwinkern.
„Nein, nicht wirklich..!“, schmunzelt sie nur und geht gutgelaunt weiter.

Ich werfe erneut einen kurzen Blick zum Himmel. Heute wird es wohl noch wärmer werden, als gestern, das ist schon zu spüren! Selbst im Schatten der Schlucht hat es jetzt angenehm warme Temperaturen. Unter normalen Umständen müsste es hier – um diese Zeit – aber eigentlich noch ziemlich kühl sein!
Am Kanadiersteg stoßen wir wieder auf die Wutach und folgen ihr flussaufwärts. „Schattenmühle 13,0 km“ steht auf dem Wegweiser – bis dorthin wird unser Tee wohl allemal reichen.

Jetzt in der Vorsaison, und zudem auch noch montags, haben wir die Schlucht ganz für uns alleine. Nur das fröhliche Zwitschern der Vögel ist hier unten noch zu hören und natürlich das lebhafte Glucksen des Wassers. Alle anderen Alltags-Geräusche sind inzwischen längst ausgesperrt.

Langsam folgen wir dem felsigen Pfad in seinem lebhaften Auf, und Ab. Mal ist man ganz unten und nah am Wasser – dann auch wieder auf schmalen Galerien, recht weit darüber. Wir bewegen uns sehr leise und sind dabei ständig auf die Wutach fixiert: Vielleicht sehen wir ja heute mal einen der seltenen Eisvögel?

Leider haben wir damit auch heute wieder kein Glück, aber was wir sonst noch so alles sehen, wiegt das längst auf! Und irgendwann wird dann ganz bestimmt auch mal ein Eisvogel dabei sein – da sind wir uns völlig sicher!

Im Bereich des Wiederaustritts der Wutach genießen wir eine der schönsten Stellen der Schlucht. Auf schmalen Felsbändern bewegt man sich unter mächtigen Felswänden, direkt über dem Fluß. Wer sich hier Zeit nimmt und das Wasser (an der schmalsten, drahtseilgesicherten Wegstelle – man muss dort einen großen Schritt machen!) mal etwas aufmerksamer beobachtet, der kann deutlich sehen, wie es aus großen Spalten im Fels zurück fließt, in die Wutach. Es kommt – über einen unterirdischen Wasserlauf – von der Wutach-Versickerung (zwischen Schurhammerhütte und Rümmele-Steg) bis hierher.

Nach einer Weile wechselt der Pfad über einen Steg auf die andere Wutachseite und kurz darauf haben wir dann doch noch unser ganz persönliches „Aha“-Erlebnis: Wir sehen frisch angenagte Bäume, direkt am Wutach-Ufer – eine wohl recht eindeutige Handschrift. Dabei haben wir bisher noch nicht einmal gewusst, dass es in der Wutachschlucht überhaupt Biber hat. Nur durch das noch lichte Laub der Büsche direkt vor uns, konnten wir ihre Spuren entdecken, und so dann auch fotografieren! Aber Achtung: Bitte denkt an das Wegegebot im Naturschutzgebiet! (Die Bilder sind mit dem 400er Tele gemacht!)

Am Rümmelesteg überqueren wir die Wutach ein weiteres Mal und befinden uns dann wieder auf der ursprünglichen, linken Uferseite (Flussaufwärts gesehen). Hier zieht der Weg nun erneut hoch hinauf, in die Felsen der Schluchtwand und gibt so teilweise beeindruckende Tiefblicke, hinab auf die Wutach, frei! Dieses Erlebnis wird im Frühjahr natürlich durch das noch lichte Laub verstärkt und Claudia ist dabei nicht immer ganz wohl – der schwere Rucksack potenziert ihre Höhenangst etwas, die sie sonst eigentlich ganz gut im Griff hat!

Dieser, etwas ausgesetzte Bereich ist jedoch gut mit Drahtseilen gesichert. Allerdings gilt dafür das gleiche, wie bei allen seilgesicherten Steigen: Man sollte eigentlich Leder-Handschuhe als Schutz tragen.
Das macht hier natürlich keiner und so reißt sich Claudia auch prompt die rechte Hand an einem korrodierten Seil blutig! Kurze Pause – desinfizieren und verpflastern!

Dann geht es wieder hinab, auf das Niveau der Wutach und kurz darauf stehen wir vor der beeindruckenden Felsengalerie, im Bereich der (teilweisen) Versickerung. Auf einem breiten Schotterbett kann man etwas später direkt bis ans Ufer herantreten und die mächtige Felsengalerie auf sich wirken lassen. Außerdem bietet diese natürlich auch ein phantastisches Fotomotiv.

Inzwischen ist es noch wärmer geworden, und nicht einmal die Enge der Schlucht kann uns vor davor schützen! Beide träumen wir inzwischen nur noch von der verdienten Pause, an der Schurhammer-Hütte.
Noch einmal testet eine Holztreppe – die eigentlich mehr eine Leiter ist – unsere Kondition, dann sind wir endlich da. Ich bin inzwischen so platt, dass ich den schönen Trauermantel erst sehe, als er – unmittelbar vor mir – vom Boden auffliegt!

Die Wärme macht uns inzwischen gewaltig zu schaffen und obwohl wir beide recht viel trinken, hält unser Körper viel Wasser zurück! Ganz offensichtlich konzentrieren die Nieren immens, um jederzeit genügend Wasser zum Schwitzen zu haben! Denn pinkeln musste bisher noch keiner von uns.

Wir nehmen die schweren Rucksäcke ab und setzen uns im Schatten der Bäume auf die gemütlichen Bänke. Ich ziehe sogar die Schuhe aus und will erstmal nichts mehr wissen, nicht einmal vom Essen! Dafür habe ich jedoch einen gewaltigen Durst!
Claudia beißt in einen „Schwarzwälder Energie-Riegel“ (Landjäger) – mit etwas Senf und Brot, dann ist sie ebenfalls satt!

Anschließend dösen wir noch eine Weile vor uns hin, bis wir von einer riesigen Wandergruppe jäh aufgescheucht werden. Mindestens 25 „Wanderer“ kommen plötzlich lautstark aus dem Wald, um hier Pause ebenfalls zu machen. Das Wort „Party“ würde ihr Vorhaben aber wohl eher treffen und da sie uns zudem in der Schlucht entgegen gekommen sind, brauchten wir nun – auf unserem Weiterweg – ebenfalls nicht mehr nach „Eisvögeln“ Ausschau zu halten!
Als wir aufbrechen wollen, müssen wir dann erneut noch mal einige Zeit warten, denn es kommen uns nun auf dem schmalen Pfad bestimmt noch 25 Nachzügler entgegen. Natürlich nicht minder laut und ich hätte inzwischen gute Lust, mit dem „Wanderführer“ dieser Horde ein paar freundliche Worte zu wechseln! Claudia hält mich jedoch zurück und als der Pulk endlich durch ist, ziehen wir weiter.

Bald geht es dann wieder hoch hinauf, in die Felsengalerie und mein Zorn ist schnell verraucht. Erneut genießen wir phantastische Tiefblicke, hinunter auf die Wutach. Am Amselfelsen und dem kurz darauf folgenden, überhängenden Engländerfels, befinden wir uns etwa 70m hoch, fast senkrecht über dem Talgrund. Dieser Abschnitt (Ludwig-Neumann-Weg) ist eine der am aufwendigsten zu pflegenden Wege-Anlagen des ganzen Schwarzwaldvereins!

Nach und nach senkt sich der Weg nun wieder hinunter und am Tannegger Wasserfall sind wir auch wieder auf dem Niveau des Flusses angekommen. Auf einem Steg überqueren wir ein kleines Altwasser, dann schreiten wir wieder eben voran, in Richtung Dietfurter-Brücke.
Leider wird es aber immer noch wärmer. Auch im Bereich der Ruine des ehemaligen Bad-Hofes müssen wir uns daher noch einmal kurz hinsetzen (Bänke und Tische) und ein paar Schluck Tee trinken. Dann ziehen wir zügig weiter, zur Dietfurter-Brücke, wo wir eine größere Vesper-Pause eingeplant haben.

Am Wutach-Übergang angekommen, ziehen wir gleich hinunter, an die schattigen Felsen am Wasser. Claudia lässt ihren Rucksack nur noch fallen und kühlt sich dann Hände und Gesicht mit Wasser.
Nach einem kurzen Vesper – inzwischen habe ich ebenfalls Kohldampf – ziehe ich die Karte heraus und mache mir Gedanken über das heutige Etappenziel. Aufgrund der enormen Hitze bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob wir das ursprüngliche geplante Ziel (die Höhe hinter dem Höllloch-Felsen) werden erreichen können. Sollten wir das nicht schaffen, dann müssten wir nämlich schon auf der Höhe des Eichwäldle, kurz hinter der Schattenmühle, übernachten. Das wiederum ist eigentlich zu früh, aber dahinter ist dann nur noch Naturschutzgebiet!

Ich behalte meine Bedenken aber erst mal für mich, und vertage eine Entscheidung bis zur Schattenmühle. Dort gedenken wir ohnehin noch mal einzukehren und träumen daher auch beide schon von einem eiskalten Apfel-Schorle!

Wir ziehen weiter und passieren bald ein paar natürliche Gipslagerstätten am Wegrand und natürlich auch den berühmten Schleier-Wasserfall in der Schelmenhalde, der über große Kalktuff-Ablagerungen fließt (1. Foto, ganz oben!).
Dann erreichen wir endlich die Schattenmühle und setzen uns auf der großen Terrasse in den Schatten. Ein Schwarzwaldmädel mit rotem Bollenhut bedient uns freundlich und wir können uns endlich das lange erträumte Schorle gönnen.

Dann hole ich erneut die Karte heraus und mache Claudia auf unser Problem aufmerksam. Die fühlt sich inzwischen aber schon wieder recht gut erholt und drängt daher auf das ursprüngliche Etappenziel:

„Ach, das schaffen wir schon, es wird ja noch lange nicht dunkel..!“, meint sie mit einem prüfenden Blick auf die Uhr.
Ich bin da zwar etwas skeptischer, aber man soll seiner Frau ja auch nicht immer widersprechen. Außerdem steht die Entscheidung ja noch gar nicht unmittelbar bevor! Wir ergänzen noch schnell vier Liter Wasser und haben so beide dann ab sofort noch mal zwei Kilo mehr auf dem Buckel.

So versorgt ziehen wir also weiter und quälen uns auf der anderen Seite der Straße erst mal die steilen Stufen hinauf, zum breiten Wanderweg. Ihm folgen wir dann in Richtung „Räuberschlössle“. An einem Vesper-Platz, unmittelbar neben dem Weg, stützen wir noch einmal kurz die Rucksäcke auf einem der Tische ab, um uns etwas zu entlasten. Dann schreitet Claudia aber schon wieder zügig voran und auch am eigentlichen „Entscheidungs-Punkt“, zeigt sie noch keine Müdigkeit – also weiter! Es sollte ohnehin alles ganz anders kommen..!

Oben queren wir die Felder in vollem Sonnenschein, dann geht es wieder etwas bergab, hinunter zum Räuberschlössle. Wir statten auch ihm noch einen kurzen Besuch ab, bevor wir wieder kräftig voran schreiten, in Richtung Elektrizitäts-Werk und Stallegger Tanne, einem uralten Koloss von Baum! Seine recht beeindruckenden, „Technischen Daten“ sind auf einem Schild neben dem Weg festgehalten (siehe Foto!).

Nach einem Foto ziehen wir hinunter, zur Rötenbach-Mündung und ich rutsche auf einer feuchten Wurzel aus. Beim Versuch, den drohenden Sturz zu verhindern, übertrete ich mir den Knöchel und habe Glück im Unglück: es ist weder etwas gebrochen, noch gerissen! Dafür tut mir nun aber der Knöchel höllisch weh und ich humple mit zusammengebissenen Zähnen vollends hinunter, zur Rötenbach-Mündung. Dort hat es Bänke und wir legen zuerst einmal alles ab, um nach dem Fuß zu sehen und uns zu beraten.

Ich kann das Bein zwar voll belasten, aber so richtig weiter komme ich damit heute wohl nicht mehr. Dafür ist mein Rucksack einfach zu schwer und Claudia kann mir auch nichts abnehmen! Hierbleiben und Zelten ist jedoch ebenfalls kritisch, da wir uns noch immer mitten im Naturschutzgebiet befinden.
Da hat Claudia die Idee, den Wutach-Ranger, Herrn Schwenninger anzurufen, um ihm unsere Situation zu schildern. Unter diesen Umständen müssten wir eigentlich sein O.K. für eine (Not-)Übernachtung bekommen können. Aber wie sollte es anders sein, wir haben in der Schlucht noch nicht einmal Handy-Empfang und inzwischen dämmert es hier unten schon mächtig! Wenn schon Sch….e, dann natürlich mit Schwung!

Unter diesen Bedingungen treffe ich daher die Entscheidung, dass wir für diese Nacht einfach hier bleiben und dann morgen früh weiter sehen! So bauen wir unser Zelt (mit einem ziemlich schlechtem Gewissen!) direkt an der Rötenbach-Mündung auf..!

Hoffentlich schaffen wir die gesamte Tour so noch in den geplanten fünf Tagen!

Unser Fazit: Eine uns bereits bekannt-schöne, zweite Etappe, die nur durch mein Missgeschick getrübt wurde!

2. (abweichende) Etappe: Aselfingen – Wutachmühle – Schattenmühle – Rötenbach-Mündung. 23,1 km mit 896 Höhenmeter im Anstieg (708 m im Abstieg).

Diese Etappe führt durch die gesamte Wutachschlucht und ist mit teilweise beachtlichen Anstiegen und Abstiegen, ziemlich kräftezehrend! Unbedingt genügend Flüssigkeit mitnehmen!

Trittsicherheit erforderlich! Mit Kindertrage machbar! Achtung Naturschutzgebiet, Hunde bitte unbedingt an die Leine nehmen!

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 509 Waldshut-Tiengen 1:50.000

ISBN 978-3-89021-602-7

Empfohlener Wanderführer: – keiner –

Detaillierte Info unter: http://www.schluchtensteig-schwarzwald.de

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]


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Ein Kommentar »

  • Jörg sagt:

    Viele Bilder kommen uns von unserer Wanderung 2009 (Schattenmühle -> Wutachmühle) bekannt vor.
    Dies mit der „lauten Wandergruppe“ kennen wir auch. Ein ähnliches Erlebnis hatten damals auch. Man könnte meinem, die Wanderung ist für die ein Last und keine Lust.

    Gruß Jörg aus Maulbronn

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