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Abenteuer „Schluchtensteig“ – 1. Etappe

18 April 2011 6 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 1 von 5 in der Serie Abenteuer "Schluchtensteig"

Unsere 1. Etappe, von Stühlingen nach Aselfingen, erstreckte sich über insgesamt 24,6 km und 774 Höhenmeter im Anstieg.

Aber von Vorne: Sich auf eine Trekking-Tour vorzubereiten, das bedeutet in erster Linie – gut zu packen! Es gilt schließlich für mehrere Tage „autark“ zu sein und daher auch wirklich alles dabei zu haben, was man in dieser ganzen Zeit so benötigt – vom Tempo-Taschentuch, bis hin zum Doppelzimmer (Zelt)!

So nimmt die Vorbereitung einer solchen Trekking-Tour dann auch leicht mehr Zeit in Anspruch, als das eigentliche Abenteuer selbst. Wer dabei jedoch akribisch ist, der kann sich schnell ein paar überflüssige Kilo’s einsparen, was einem unterwegs gut tut! Und zum Schluss muss man das Ganze dann eigentlich nur noch in den Rucksäcken unterbringen – irgendwie halt!

Wir haben aber auch dieses Kunststück wieder einmal geschafft und standen dann am Sonntag-Morgen, dem 10. 04. 2011 um 9.00 Uhr am Ausgangspunkt unseres Abenteuers, in Stühlingen. Claudia hatte 15,7 kg und ich 17,4 kg auf dem Rücken, beide jeweils inklusive 2 Liter Flüssigkeit! Und die würden wir heute auch dringend brauchen!

Zugegeben, das ist wirklich „schwer“ und am Anfang drückt dieses Gewicht ganz ordentlich. Auf den ersten Kilometern zieht man dann auch ständig die Riemen am Rucksack nach, bis es sich immer noch etwas angenehmer tragen lässt. Und lasst es mich hier bitte gleich mal vorneweg nehmen: Spätestens am dritten Tag spürt man diesen großen Rucksack dann überhaupt nicht mehr! Da gehört er dann bereits irgendwie dazu..!

Wir parken unser Auto mitten in Stühlingen, gleich neben der Bushaltestelle. (Dann brauchen wir nach der Tour nur noch umzusteigen, wenn wir mit dem Bus hierher zurück kommen!)
Hier ist der Schluchtensteig noch einmal ausführlich auf Schautafeln beschrieben und auch das allererste Wanderzeichen ist hier angebracht. Also: Los geht’s!

Wir folgen den Schildern aus dem Städtchen hinaus und wandern bald entlang der Wutach, in Richtung Grimmelshofen. Ein angenehm zu gehender Pfad führt uns dabei flussaufwärts, bis wir über ein kurzes Asphalt-Stück die Talseite wechseln. Hier geht es nun schon gleich erstmals hinauf, in die linke Talflanke, über dem Wutachtal. Gut gelaunt ziehen wir dahin, zwischen unzähligen Anemonen, Leberblümchen und vielen Veilchen. Sie stehen oft so dicht am Wegrand, dass wir aufpassen müssen, keines zu zertreten.

Je weiter wir nun dem Tal aufwärts folgen, umso grüner scheint plötzlich alles zu werden – als ob wir dem Frühling mit großen Schritten entgegen gehen würden. Auch die jungen Blätter der Büsche und Bäume werden hier immer größer.
An einem Bänklein stellen wir die Rucksäcke zum ersten Mal ab und erholen uns kurz. Von hier aus scheint es nun wieder etwas abwärts zu gehen, hinab auf das Niveau der Wutach. Bald erreichen wir den Haltepunkt Lausheim-Blumegg (Sauschwänzlebahn) und überschreiten deren Gleise. Ab hier kennen wir die Strecke jetzt wieder und folgen der Wutach aufwärts zum Eisenbahn-Viadukt, dort ist der Einstieg in den oberen Flühen-Weg der Wutachflühen.

Unterwegs passieren wir noch eine kleine Grotte und kurz dahinter den Weilergraben, ein kleines Bächlein, das über beeindruckende Sinterterrassen in die Wutach stürzt. Wir machen ein paar Fotos und überqueren dann die Wutach über den eisernen Fußgänger-Steg. Hier, unmittelbar unter dem Viadukt, setzen wir die Rucksäcke ab und machen eine erste Vesperpause.

Dieser Pausenplatz ist ziemlich beliebt und so treffen wir natürlich auf einige Wanderer, die sich bald dafür interessieren, was wir denn mit dem großen Gepäck vorhaben. Gutgelaunt erkläre ich dem Ersten, dass meine Frau unterwegs immer so viel Hunger hat, dass wir das Vesper leider nicht in kleineren Rucksäcken unterbringen!
„Und die Isomatten am Rucksack benötigt sie dann für den anschließenden Verdauungs-Schlaf..?“, feixt er belustigt zurück.
Claudia lacht herzlich auf und das „Eis“ ist damit natürlich endgültig gebrochen. Nach einigen ernsteren Erklärungen sind dann alle auch nur noch voller Bewunderung für unser Unternehmen.

Bald darauf sind wir am Einstieg in die Wutachflühen angekommen. Der schmale Pfad ist selbst in der Vorsaison, sonntags schon gut frequentiert und wir müssen immer wieder beiseite treten, um „Spaziergänger“ durch zu lassen. Nur die wenigen, richtigen Wanderer lassen hingegen uns (mit dem schweren Gepäck) den Vortritt auf dem engen Trampelpfad durch die abschüssige Halde.

Auch hier scheint es immer grüner und grüner zu werden und der Waldboden ist teilweise völlig bedeckt von Bärlauch. Dazwischen blühen unzählige Schlüsselblumen.
Aber auch die eigentlichen „Wutachflühen“ (Flüh = Fels) wirken jetzt im Frühjahr noch um einiges beeindruckender, bevor sie dann in einigen Wochen wieder großteils vom Laub der Bäume verdeckt werden. Das gilt im Bereich des oberen Flühenweges natürlich auch für die teilweise unglaublichen Tiefblicke. Hier bewegt man sich mit den schweren Rucksäcken nun doch schon deutlich bedächtiger, als sonst!

An der einzigen Abzweigung des Pfades halten wir uns aufwärts. In diesem steilen Bereich, der auch bei Trockenheit recht rutschig ist (sandig), sollte man auf Wanderstöcke keinesfalls verzichten! Bald können wir dann – fast senkrecht – noch mal ein gutes Stück auf den oberen Flühenweg hinuntersehen und erreichen auch bald die erste, Geländer-gesicherte Felskanzel! Von hier aus kann man nun einen herrlichen Blick zurück, auf die ganze untere Wutachschlucht (Wutachhalde) genießen.
Es wird aber sogar noch einmal etwas beeindruckender, kurz bevor wir die zweite Felskanzel erreichen. Von ihr aus sieht man nun auch zurück, auf die mächtige Flüh-Wand, hoch über der linken Talseite.

Wir quälen uns vollends hinauf, mit dem Wissen, dass oben Tische und Bänke zur Rast laden. Dort lassen wir dann auch nur noch alles fallen und Claudia stöhnt: „Jetzt platzt mir gleich der Kopf!“
Sie ist tatsächlich knallrot im Gesicht, eine Folge der ungewohnten Wärme dieses tollen Frühlings-Tages: Nach dem langen Winter müssen wir uns natürlich auch erst wieder an diese Temperaturen (27,5°C) gewöhnen!

Nach einiger Zeit ziehen wir weiter und passieren Fützen im Nordwesten. Hier geht es nun erst einmal über sonnige Asphaltwege kräftig aufwärts, bevor wir wieder auf schattige Waldpfade wechseln dürfen. Entschädigt werden wir für dieses Martyrium von unzähligen, in voller Blüte stehenden Schlehenbüschen. Ihr strahlendes Weiß ist in der Sonne so grell, dass es uns ohne Sonnenbrillen richtig blendet!

Dann erreichen wir endlich den Waldschatten des Buchberges. Hier wandelt sich der Weg teilweise wieder zum Pfad und wird auf beiden Seiten von unzähligen Anemonen gesäumt. Nach einiger Zeit kommen wir zur „Gipfel-Hütte“ und setzen unser Gepäck erneut ab. Von hier aus hat man noch einmal eine überwältigende Aussicht auf die zurückliegenden Wutachflühen und über die Strecke vor uns. Aber auch hinüber zum Feldberg und (ganz links!) sogar darüber hinaus, bis zu den Alpen!


Ich wechsle schnell die Batterien des Garmin und mache noch ein paar Fotos, während sich Claudia angeregt mit einem netten, älteren Ehepaar unterhält. Dann führen uns Bärlauch-gesäumte Pfade wieder hinunter, nach Blumberg. Dieser Abstieg geht nun noch einmal ordentlich in die Beine, denn unser Gepäck „schiebt“ natürlich gewaltig.

Hier, in Blumberg wäre nun eigentlich das empfohlene Etappenziel des Tages, wir ziehen jedoch noch etwas weiter, da wir einen ganzen Etappen-Tag einsparen wollen. Außerdem ist es natürlich noch viel zu früh, um ein Zelt aufzustellen!

Am Ortsende werden wir dann erneut recht steil hinunter geleitet, in die Schlucht des Schleifenbaches. Ein kleines Bächlein hat sich hier – mit beeindruckenden Wasser-Kaskaden – ein tiefes Seitental zur Wutach hin gegraben! Entsprechend abenteuerlich ist dann natürlich auch wieder die Wegführung, über die wir diese Sehenswürdigkeit besuchen. Ich muss dann auch zugeben, so etwas hätte ich heute nicht mehr erwartet! Eine steile Treppe, die eigentlich schon mehr eine „Leiter“ ist, nötigt Claudia dann auch ein respektvolles „Uuups..!“, ab. Der Pfad bietet hier wirklich einen Hauch von Klettersteig und ist (mit den schweren Rucksäcken) nicht zu unterschätzen! Aber der Abstieg lohnt sich: Über mehrere Kaskaden stürzt unten der Schleifenbach in die Tiefe.

Nachdem wir die Schlucht verlassen haben, nähern wir uns über breite Wirtschaftswege Achdorf. Nun ist es fast geschafft: Nur noch durch das Städtchen hindurch und unweit der Straße weiter, bis nach Aselfingen.
Hier ergänzen wir bei einer netten Bäuerin noch unsere Wasser-Vorräte. Die vier Liter Tee haben – aufgrund der Sommerhitze – gerade mal so gereicht!

Mit vier Liter Frischwasser in den Außentaschen der Rucksäcken überqueren wir dann zum letzten mal die Wutach und halten uns drüben rechts, in Richtung Wutachmühle. Es dämmert bereits und ab jetzt gilt unser Augenmerk nur noch einem Zeltplatz: Eben muss er sein und natürlich etwas diskret, abseits des Weges!
Die Straße entfernt sich hier auch etwas von unserem Weg, so dass es ruhiger wird. Dann schlagen wir uns links in die Büsche. Hier habe ich, etwas versteckt, ein lauschiges Plätzchen auf der Wiese gesehen, das wir nun in Beschlag nehmen.
Dann geht alles wieder seinen längst eingespielten Gang: Zeltaufbauen, „Betten-machen“, waschen und umziehen. Ich bereite uns noch einen Liter Tee für den Abend zu und serviere Claudia eine „Fünf-Minuten-Terrine“. Anschließend erkläre ich die Küche für „geschlossen“, denn ich selbst bin so kaputt, dass ich überhaupt nichts mehr essen kann. Ich möchte nur in Ruhe noch etwas Tee trinken und danach schlafen.
Aber trotz der ganzen Erschöpfung sind wir beide auch so richtig happy, denn das war heute wieder einmal ein wunderschöner Wandertag, in einer grandiosen Landschaft! Abenteuer Hochschwarzwald..!

Unser Fazit: Eine überraschend schöne, erste Etappe unserer Schluchtensteig-Trekking-Tour. Dass wir schon gleich von Stühlingen aus, auf derart naturnahen Pfaden geführt werden, hätten wir wirklich nicht erwartet!

1. (abweichende) Etappe: 24,6km mit 774 Höhenmeter im Anstieg und 664 im Abstieg.

Die Etappe ist durch teilweise beachtliche Anstiege und Abstiege im Bereich des Buchbergs ziemlich kräftezehrend! Unbedingt genügend Flüssigkeit mitnehmen!

Mit Kindertrage machbar! Achtung Naturschutzgebiet, Hunde bitte unbedingt an die Leine nehmen!

Empfohlene Wanderkarte: Freizeitkarte 509 Waldshut-Tiengen 1:50.000

ISBN 978-3-89021-602-7

Empfohlener Wanderführer: – keiner –

Detaillierte Info unter:  http://www.schluchtensteig-schwarzwald.de

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Abenteuer „Schluchtensteig“ – 2. Etappe

6 Kommentare »

  • Manu sagt:

    Freu mich schon auf die nächsten Etappen 😉

  • Tobias Fox sagt:

    Hi zusammen,

    also erst Mal riesen Respekt für die ausführlichen Texte und die schönen Bilder dazu. Da kriegt man wieder Lust auf eine Tour – ob mit Radl oder zu Fuß.

    Eine Kleinigkeit hätte ich noch. Bitte Tiengen mit „ie“ 🙂 das ist im unteren Teil irgendwo vertippt.

    Ansonsten wünsche ich viel Spaß bei den weiteren Etappen und viele Grüße aus Stuttgart,

    Tobi

    ps: ich komm aus der Gegend und die Wutach, in der hab ich schon als Kind gebadet 🙂

  • Rainer sagt:

    Hallo Tobias, herzlichen Dank, für Deinen netten Kommentar! Finden wir natürlich toll, wenn wir Dich wieder motivieren können! Und danke auch für den Tipp mit „Tiengen“, wurde natürlich sofort geändert!
    Liebe Grüße aus dem Hochschwarzwald, Rainer & Claudia

  • Timo sagt:

    Hallo ihr zwei,

    ich bin mit Begleitung den Schluchtensteig 2009 gegangen und genieße anhand eurer tollen Beschreibung und der Bilder nochmals das Erlebnis Schwarzwald. Danke dafür.

    Wie es scheint, wurde die alte Leiter runter in die Schleifenbachschlucht ersetzt, denn ich kann mich noch gut an die rutschige Holzleiter erinnern. Es hatte gerade frisch geregnet und so haben wir die schweren Rucksäcke einfach runtergeworfen und sind ohne hinterher, da die Holzleiter extrem rutschig war.

    Viele Grüße

    Timo

  • Rainer sagt:

    Hallo Timo, herzlichen Dank für den freundlichen Kommentar! Schön, dass wir Dir dabei helfen können, Deinen Urlaub im Schwarzwald noch einmal nachzuempfinden! Komm‘ bald wieder!

  • Swantje sagt:

    Hey, schöne Beschreibung!
    Hattet ihr mit dem Wild-Zelten irgendwann mal Probleme? Meine Freundin und ich möchten es wohl auch gerne so machen, denn mit Campingplätzen sieht es am Schluchtensteig ja doch etwas Mau aus, aber wir haben noch etwas Bedenken.
    Viele Grüße,
    Swantje

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