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Kandelhöhenweg – 1. Etappe

19 Januar 2012 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 1 von 8 in der Serie Kandelhöhenweg-Winterbegehung

Am Freitag-Abend erreichen wir Oberkirch und checken im Hotel Pfauen ein. Es liegt gleich am Bahnhof und ist so ein idealer Ausgangspunkt für unser Vorhaben. Die Zimmer sind einfach und sauber, und das Essen verdient sich sogar einen Extrasatz: Endlich mal ein Zwiebelrostbraten, der diesen Namen auch wirklich verdient! Aber auch die Wildschwein-Medaillons von Claudia sind Klasse, genauso wie die ausgesprochen freundliche Bedienung. Eine sehr empfehlenswerte Adresse!

Nach einer ruhigen Nacht konzentrieren wir uns beim Frühstück auf den vor uns liegenden Tag und checken in Gedanken noch einmal das ganze Gepäck durch: Ist alles Wichtige griffbereit, oder sind vielleicht ausgerechnet wieder die Magnesium-Päckchen (gegen Krämpfe) irgendwo tief im Rucksack vergraben? Und die Raincover für die Rucksäcke..? Es regnet schon vor dem eigentlichen Start.

Das Frühstücksbuffet lässt keine Wünsche offen und auch unsere zwei Thermoskannen (je 0,75l) werden uns freundlich mit heißem, gesüßtem Tee gefüllt. Dann gehen wir zum letzten Mal auf unsere Zimmer und holen die Rucksäcke. Jetzt geht’s los..!

Direkt vor dem Hotel schalte ich unseren Garmin ein, auf den ich schon zu Hause die fünf GPS-Tracks des Kandel-Höhenweges aus dem Internet heruntergeladen habe. Ohne diese Hilfe sollte man eine Winterbegehung eigentlich nicht wagen, aber davon später mehr.
Wir folgen dann auch erst mal der Linie auf dem Display, bis wir am Ufer der Rench die ersten Schilder des Kandelhöhenweges finden. Ab jetzt werden sie uns als Wegweiser dienen, während der Garmin nur noch der Aufzeichnung unserer gekürzten Etappen dienen soll.

Bald verlassen wir Oberkirch in Richtung Süden und und folgen schmalen Pfaden über Obstwiesen zum Wald. Hier wirkt alles noch ewas ungewohnt trostlos, so kahl.
Am Waldrand empfängt uns dann aber schon das kräftige Grün von Fichten. Ein lautes Rascheln beim Gehen lenkt unsere Aufmerksamkeit bald nach unten und wir sehen das Laub von vielen Esskastanien (Maronen) unter unseren Füßen.

„Das sollten wir unbedingt mal im Sommer hin..!“, schmunzelt Claudia irgendwann.
„Du meinst mit Spankörbchen..?“, feixe ich und sie lacht nur kurz.

Die großen Rucksäcke tragen sich am ersten Tag wieder verdächtig leicht, fällt mir irgendwann auf. Dabei habe ich ungefähr 20 Kilo (mit Kamera u. Flüssigkeit), und Claudia immer noch gute 17 Kilo auf dem Rücken. Aber wir sind von unseren früheren Trekking-Touren vorgewarnt und kümmern uns schon jetzt immer wieder um eine Verbesserung der Gurtanpassung, denn schon morgen wird uns unser Gepäck wieder doppelt so schwer vorkommen, wie heute, wissen wir!
Am zweiten Tag kommt auf jeder Tour immer der „Durchhänger“: Der Organismus versucht sich auf die veränderten Anforderungen einzustellen und reagiert etwas unwillig mit Muskelkater, und manchmal auch mit Wadenkrämpfen. Man fühlt sich zudem schlapp und hat auch kaum noch Hunger. Der Körper ist nun einfach mit anderen Dingen beschäftigt, und hat keine Kapazität mehr für überflüssige Verdauungs-Abläufe übrig. Aber schon ab dem dritten Tag findet dann ein fühlbarer Muskelaufbau statt und man tut sich mit dem schweren Gepäck – von Tag zu Tag – immer leichter.

Der anhaltende Aufstieg läßt uns bald warm werden und wir können die Atmungs-Aktivität unserer neuen Jack-Wolfskin – Jacken ausgiebig testen. Und die ist – Gott sei Dank – wirklich hervorragend, denn wir haben heute insgesamt noch 700 Höhenmeter im Anstieg vor uns und verschwitzt macht das keinen Spass.

Das Wetter ist zwar „nasskalt“, aber eigentlich viel zu mild für die Jahreszeit. Etwas kälter wäre uns lieber gewesen!
Dann kommt der Regen. Ein feiner, aber alles durchdringender Landregen setzt ein und wir warten auch gar nicht lange, sondern ziehen gleich unsere Raincover über die Rucksäcke. Auch wenn wir von früheren Trekking-Touren gelernt haben und in den Rucksäcken noch einmal alles zusätzlich in stabile Müllsäcke eingepackt ist, sicher ist sicher und es wäre fatal, wenn wichtige Ausrüstung schon heute, am ersten Tag, nass werden würde.

Gegen Mittag erreichen wir dann die Bergle-Hütte und Claudia ist wieder einmal begeistert: Sauber und sehr gepflegt, lädt sie zur Rast mit absolutem Wetterschutz. Leider dürfen wir uns hier heute aber nicht lange aufhalten, denn es liegt noch einiges vor uns und wir haben noch nicht einmal die Hälfte unseres Tages-Pensums geschafft.

Stetig führt unser Pfad nun aufwärts, in Richtung Wolfenkopf, und dann noch mal etwas weiter hinauf zum Mooskopf-Gipfel, mit seinen 871m. Ob der wohl bereits Schnee hat, fragen wir uns immer wieder und bekommen dann auch bald unsere Antwort: Der Regen geht nämlich plötzlich in Schnee über!

Das kann uns aber nicht weiter erschüttern da wir wissen, dass am Ende unserer Etappe heute ein warmer Kachelofen auf uns wartet: Im Naturfreundehaus Kornebene!

Als wir dann noch etwas weiter hinauf kommen, beginnt der Schnee ganz sachte liegen zu bleiben. Wir haben die Schneegrenze erreicht und es wird nun zusehens weißer um uns herum. Aber auch diese Stimmung hat wieder etwas, und trocken und warm verpackt, können wir sie durchaus genießen.

Dann begehen wir aber doch noch einen Fehler: Wir verpassen nämlich den Augenblick, an dem wir unsere Regenhosen hätten anlegen sollen und so wird es am rechten Oberschenkel irgendwann doch fühlbar kühler! Dort ist unsere „Wetterseite“ und der Wind bläst uns kontinuierlich den Schneeregen von rechts auf die Hosenbeine. Und ganz langsam wird die Winterwanderhose auch immer nasser..!

Heute ist das aber noch nicht wirklich dramatisch, höchstens etwas lästig. Übermorgen jedoch, bei unserer ersten Zeltübernachtung, ließe sich ein solcher Fehler nicht mehr am Kachelofen beheben! Und wie will man eine nasse Hose im kalten Zelt trocknen? Der einzige warme und trockene Platz ist dann nämlich der Schlafsack..!

Der Weg steigt nun immer weiter an und um uns herum wird es zusehens weißer. Der Schnee ist jedoch sehr nass und schwer und die Schneehöhe noch lange nicht für Schneeschuhe ausreichend. Wir werden sie also wohl auch noch weiterhin am Rucksack tragen müssen. Aber gerade diese zwei Kilo Gewicht hätten wir eigentlich gerne – so oft wie möglich – unter den Füßen gehabt.

Langsam nähern wir uns nun dem Mooskopf  und werden auf frische Spuren im Schnee aufmerksam: Zwei Personen mit einem Hund müssen unmittelbar vor uns sein. Wir sind also nicht die Einzigen, die sich bei einem derartigen Wetter hinaus trauen..!

Bald wechselt unser Weg auf schmale Pfade, die uns zum Mooskopf-Turm hinaufführen werden. Auf ihnen nimmt die Schneehöhe nun ganz langsam zu, aber er ist immer noch sehr nass. Und vor allem die etwas gelblich eingefärbten Bereiche sollte man tunlichst meiden, denn darunter ist Wasser – Regenpfützen. So staksen wir auf dem schmalen Pfad kontinuierlich aufwärts und folgen ihm dann endlich auch noch scharf rechts herum, auf die letzten 200 Meter..!

Oben, am Aussichtsturm angekommen, werden wir dann von dem Pärchen mit Hund begrüßt, deren Spuren wir schon längere Zeit verfolgt haben. Sie haben sich in den Windschutz des kleinen Pavillons gedrückt und machen Claudia freundlich Platz.
Innerhalb der letzten paar Minuten ist es aber ganz offensichtlich zu einem deutlichen Temperatur-Sturz gekommen, den wir eigentlich kaum bemerkt haben. Aber schlagartig ist alles, was gerade eben noch nass war, von einem harten Eispanzer überzogen und ich habe sogar etwas Mühe, frei stehend zu fotografieren, so glatt ist der Boden plötzlich geworden!

Wir halten uns dann auch nicht mehr lange auf, sondern machen uns an den Abstieg zur Kornebene. Von hier aus sind es nun noch knappe zwei Kilometer und das nette Pärchen hat uns eben noch verraten, es geht nun nur noch bergab..!
Die Vorfreude auf den warmen Kachelofen gibt uns nun noch einmal so richtig Aufwind und ich mache Claudia unterwegs auf das schwindende Licht aufmerksam, das kaum mehr zum Fotografieren ausreicht. Ich muss die Kamera bereits auf dem Wanderstock auflegen, dabei ist es noch nicht einmal ganz vier Uhr!

Erst im letzten Augenblick sehen wir dann das Wanderheim, weil es etwas zurückgesetzt, am Waldrand liegt und sind doch froh, endlich da zu sein. Nein, bis nach Gengenbach hätten wir es heute nicht geschafft: Nicht unter diesen Wetterbedingungen und dem schweren Gepäck, und auch nicht im nun noch verbleibenden Tageslicht..!

Das Fazit dieses Tages ist dann auch die Feststellung, dass wir die Tagesetappen unserer Tour richtig eingeschätzt, und die Etappenziele wohl ziemlich optimal bestimmt haben.

Im Naturfreundehaus erwartet man uns schon. Der Hüttenwart hat bereits den Trockenraum eingeheizt, so dass wir Jacken, Hosen, Mützen, Handschuhe und Schuhe in der Wärme aufhängen können. Dann beziehen wir unser einfaches (aber sehr sauberes!) Zimmer und während Claudia noch die Betten bezieht, kontrolliere ich schnell unsere restliche Ausrüstung auf Nässe und Feuchtigkeit. Aber wir haben Glück, alles im Rucksack ist trocken geblieben.
Die Rucksäcke dürfen wir am Kachelofen in der Wirtsstube aufhängen, dann gehen wir einen Stock tiefer und gönnen uns eine heiße Dusche: Welch eine Wohltat..!

Frisch umgezogen nehmen wir dann an einem Tisch in der Wirtsstube Platz und gönnen uns jedem ein Paar Bauernbratwürste mit Brot, sowie ein Apfelschorle. (Sehr zu empfehlen!)

Danach füllt sich das Naturfreundehaus jedoch plötzlich nach und nach (Dabei muss man wirklich zu Fuß zu ihm hinauflaufen!) und wir erleben einen zünftigen Hüttenabend im Schwarzwald. Ein paar Gläschen Rotwein, in Verbindung mit der wohligen Wärme des Kachelofens, verfehlen ihre Wirkung bei uns jedoch nicht und so verziehen wir uns bald auf unser Zimmer, wo wir den Schlaf des Gerechten schlafen..!

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Kandelhöhenweg – 2. Etappe

2 Kommentare »

  • Marcus sagt:

    Klasse, das macht Lust auf mehr !

  • Rainer sagt:

    Hallo Marcus, danke! Bin gerade dabei, die Fotos für die 2. Etappe hochzuladen! Liebe Grüße, Rainer

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