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Kungsleden, 1. Etappe: Abisko (Tourist-Station) – Abiskojaure

18 Juli 2013 2 Kommentare
 Dieser Artikel ist Teil 1 von 24 in der Serie Mitternachtssonne über dem Kungsleden

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Unsere Anreise per Bahn war perfekt geplant und sollte eigentlich recht erholsam werden: Sie begann am Donnerstag Abend um 19.00 Uhr per CityNightLine (Liegewagen) von Freiburg nach Kopenhagen. Von dort aus sollte es weitergehen nach Stockholm, und dann mit einem weiteren Nachtzug vollends hinauf nach Abisko, in schwedisch Lappland. Fahrtdauer: Insgesamt 41 Stunden. Diese Planung erledigte sich aber schon in Hannover, wo unser Zug bereits zwei volle Stunden stand, um auf einen Kurswagen zu warten. Natürlich waren danach dann alle Anschlusszüge, einschließlich dem zweiten Nachtzug nach Abisko, weg.

IMG_2947Irgendwie gelang es uns aber in Schweden, einen späteren Nachtzug (Schlafwagen) zu ergattern. Dieser blieb unterwegs dann jedoch ebenfalls mit Maschinenschaden liegen. Langer Rede, kurzer Sinn: Wir kamen am Samstag, dem 15. Juni nicht morgens um 11.40 Uhr in Abisko an, sondern erst abends um 19.00 Uhr!

Und was jetzt..?“ will Claudia wissen, als wir endlich auf dem Bahnsteig der Abisko Tourist-Station stehen.
Bist Du fit..?„, frage ich mit einem Grinsen zurück. Trotz allem Ärger haben wir immer noch richtig gute Laune.
Klar..!, schmunzelt sie daher nur. „Hab‘ jetzt ja lange genug geschlafen..!“ (Eine Anspielung auf die 7,5 Stunden Verspätung!)
Na denn..!„, lache ich nur und helfe ihr in den Rucksack. „Lass uns einfach loslaufen, es wird ja heute nicht dunkel..!

So starten wir dann also unsere erste Kungsleden-Etappe abends, um 19.15 Uhr!

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Irgendwie ist da nun aber schon einiges anders: Die Tageszeit kommt einem nämlich nicht vor wie 19.15 Uhr, sondern eher wie später Nachmittag, so gegen Vier. Die Sonne steht nämlich für diese Uhrzeit noch viel zu hoch am Himmel! (Mitternachts-Sonne)

Wir passieren eine Unterführung und stehen dann endlich vor dem Kungsleden-Tor. Hier beginnt er also..!

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 Claudia informiert sich noch kurz anhand der Info im Tor, während ich den Garmin scharf mache, um den GPS-Track der ersten Etappe aufzuzeichnen. Dann ziehen wir los.

IMG_3003Diese ersten Minuten verlaufen nun erst mal völlig schweigsam, denn jeder ist jetzt erst mal etwas mit sich selbst beschäftigt: Wer hier losläuft, der muss nämlich akzeptieren, dass er nun wirklich 440 Kilometer weglose Wildnis vor sich hat! Und er muss für diese Zeit auch mit jedem Wetter fertig werden. Ein vorzeitiger Ausstieg aus dem Königspfad ist unterwegs nämlich immer nur an den größeren Fjällstationen möglich (insgesamt nur 4!), denn nur diese sind an ein Straßennetz angeschlossen. Dazwischen gibt es – außer dem Kungsleden – nichts..!

Allerdings befinden sich dazwischen, immer gur angepasst an die Tagesstrecken, einzelne Stuga’s. Besetzte Schutzhütten, die der STF (Svenska Turistföreningen) extra für die Kungsleden-Wander unterhält. In ihnen kann man Schutz suchen, wenn das Wetter doch mal „zu doll“ werden sollte. (Wir werden in den Berichten noch näher auf sie eingehen!)

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Da unsere heutige Etappe eigentlich viel früher starten sollte, haben wir sie in der Planung mit knapp zwanzig Kilometern veranschlagt. Das ergibt sich aus der Tatsache, dass wir uns derzeit im Abisko-Nationalpark befinden. Innerhalb der Nationalparks ist das Zelten aber nur an extra ausgewiesenen Plätzen, oder bei den STF-Stuga’s erlaubt. Ansonsten gilt in Schweden das Jedermanns-Recht (Allemansrätten), das jedem (fast) überall erlaubt, für eine Nacht zu zelten. Um heute unser Zelt aufschlagen zu dürfen, müssen wir also den Nationalpark entweder verlassen (die knappen 20 Kilometer), oder die Abiskojaurestugorna aufsuchen (nach ca. 14 Kilometern).

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Dann erreichen wir nach den ersten 4 Kilometern aber auch schon die dritte Möglichkeit, unser Zelt aufschlagen zu dürfen: Den Rastplatz Nissonjohka. Und hier bin ich nun erst mal etwas sprachlos, denn Toilettenhäuschen hätte ich hier draußen, inmitten der „Pampa“, wirklich nicht erwartet!
Wir machen eine erste Rast und Claudia geht auch gleich zum „Praxistest“ über. Kurz darauf kommt sie händereibend zurück und schmunzelt.

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Was ist denn mit Dir los..?„, möchte ich belustigt wissen. „Hast Du Dir etwa über die Finger gepinkelt..?
Nein..!„, lacht sie. „Da drinnen hängt doch tatsächlich ein Fläschchen STERILIUM an der Wand..!
(Das ist übrigens fast in allen Toiletten-Häuschen so, die regelmäßig gewartet werden!)

IMG_3027Na denn..? Wir sehen uns am Rastplatz noch genauer um, werden aber nicht wirklich „warm“ mit ihm. Obwohl zwischen den Birken wirklich wunderschöne Plätzchen liegen, um ein Zelt aufzubauen. Hier hat es leider schon viele Moskitos! Zu viele, um sich wirklich noch wohlfühlen zu können!
Anmerkung: So haben wir in diesem Augenblick als Kungsleden-Anfänger gedacht – später hätten uns diese paar Stechmücken dann nicht mehr sonderlich aufgeregt..!

Als wir weiterziehen, bläst uns dann aber plötzlich ein eiskalter Wind ins Gesicht. Und das war fast jeden Abend so. Während es andernorts gerade Nacht wird, kommt hier abends immer dieser eiskalte Wind auf, selbst dann, wenn die Sonne immer noch kräftig scheint.

Und dann lernen wir zum ersten Mal auch diesen gemeinen, schwedischen Regen kennen! Der fängt immer ganz vorsichtig an. Fast so, als hätte einen jemand kurz mit einem Parfüm-Zerstäuber besprüht. Regnet es jetzt, oder nicht? Nein! (Und deswegen zieht ja wohl kaum keiner einen Regenschutz an!) Aus dem Parfüm-Zerstäuber wird dann aber ganz langsam ein Wäsche-Sprenger. Aber auch deswegen zieht man ja noch keinen zusätzlichen Regenschutz an. Bis man dann plötzlich ganz erstaunt feststellt, dass man ja bereits völlig nass geworden ist, ohne es übehaupt bemerkt zu haben..!

IMG_3029Ich fluche laut und ziehe Claudia den Poncho aus dem Rucksack. Dann werfe ich ihn ihr über sie, und ihr Gepäck. Und sie macht dann bei mir anschließend genau das gleiche. Dann noch die Regenhosen, dann kann es von uns aus ruhig weiterregnen.
Allerdings bemerken wir auch sehr schnell, wie glatt nun die Holzbohlen geworden sind, die uns hier durch die häufigen Sumpf-Flächen führen.

Wir ziehen vorsichtig weiter und passieren rechter Hand den See Abiskojärvi, an dessen Ende die Abiskojaurestugorna liegt. Während der Regen nun immer noch stärker wird, werfen wir dann irgendwann unseren Tagesplan ganz spontan über den Haufen und beschließen kurzerhand, lieber die Übernachtungs-Hütten anzusteuern. Dort wollen wir unser Zelt aufbauen.

IMG_3032Aber etwa eine Stunde, bevor wir sie erreichen, hört der Regen dann plötzlich auf. Das macht die Holzbohlen jedoch nicht weniger glitschig, und auch die ganzen Fjällbirken und Weiden, an denen wir immer wieder vorbeistreifen müssen, laden immer noch literweise Wasser an uns ab!
Dann sehen wir aber drüben, auf der anderen Seite des Kamajakka endlich die Abiskojaure-Hütten und erreichen kurz darauf dann auch die Hängebrücke, die zu ihnen hinüber führt.

Claudia schluckt nur kurz ihre Höhenangst hinunter, dann geht sie auch schon tapfer voran, während ich am Anfang der Brücke stehen bleibe und warte.
Obwohl Claudia sehr vorsichtig und ziemlich langsam geht, schaukelt sich die Brücke dabei so kräftig auf, dass mich ihre Schritte bald deutlich auf und ab wiegen lassen. Dann ist sie aber drüben und ich folge ihr.
Als wir kurz darauf dann die Stuga erreichen, ist es bereits kurz nach Zwei (in der Nacht!) – aber trotz des Regens, immer noch taghell. (Wie es halt so ist, wenn es regnet – das Licht wird durch den wolkenverhangenen Himmel verschluckt!)

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Claudia schaut nur kurz auf die Uhr und schüttelt dann schmunzelnd den Kopf. Natürlich ist hier nun auch niemand mehr wach, daher suchen wir uns auch nur ganz leise ein schönes Plätzchen und bauen dann rasch unser Zelt auf.
Ich mache uns anschließend noch eine Tasse Tee und ein heißes Süppchen, dann liegen wir auch schon in unseren Schlafsäcken. Aber obwohl ich eigentlich totmüde bin, muss ich noch lange an den Zelthimmel hinauf schauen – der auch jetzt um Drei – einfach nicht dunkel werden möchte..!

Die Daten der ersten Etappe: 14,3 Kilometer, 271 Höhenmeter im Anstieg, 172 Höhenmeter im Abstieg – Dauer: ca. 6 Stunden

Wir möchten uns hier auch noch einmal ausdrücklich bei folgenden Firmen für die von ihnen erhaltene Unterstützung bedanken. Ohne ihr Wohlwollen wäre uns diese Tour nicht möglich gewesen:

www.bergfreunde.de     www.outdoorshop.de     www.ski-hirt.de     www.baeckerei-fischer.info

Wer gerne noch mehr über den Kungsleden erfahren will, oder ihn gar wandern möchte, dem empfehlen wir den umfangreichen Führer Schweden: Kungsleden von Michael Hennemann. Er war unterwegs stets unsere „Bibel“!

Schweden: Kungsleden*

Achtung: * Das ist ein Affiliate-Link zu Amazon – wenn Du etwas darüber bestellst, dann erhalten wir eine kleine Provision. Auf diese Weise ist es Dir möglich, Rainer & Claudia zu unterstützen, ohne dass es Dich etwas kostet!

 

Download GPS-Track[urldisplaymode=nomap]

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Größere Kartenansicht

 


Kungsleden, 2. Etappe: Abiskojaure – See Alisjärvi

2 Kommentare »

  • manu sagt:

    Wow Hut ab!! Ging irgendwie vorher an mir vorbei, wie anspruchsvoll das sein wird! Bin schon jetzt vom Bericht gefässelt!! Bitte gaaaaaaaaaaaaaaaanz schnell mehr davon 😉 stolz auf euch bin!

    Grüße aus Spanien, dodd’l

  • Jörg Rapp sagt:

    An den Nisson (1968) erinner ich mich nicht(haha), weil wir den Weg auf der rechten Seite des Abiskojokk genommen haben.

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